17. Juni 2019

Sie lieben sich – sie hassen sich! Immer noch! Geschwisterstreit (Teil 3)


Nun bleibt noch die Frage zu klären, wann es Sinn macht, sich in Geschwisterstreit einzumischen und in welchen Situationen wir uns doch eher zurückhalten sollen. Weiters ist zu klären, welche Regeln beim Streiten für alle gelten.

Einfach ignorieren…

… und dabei an etwas Schönes denken. Das kann die Devise sein, wenn es um das alltägliche Geplänkel bei unseren Kindern geht. Wir können uns vor Augen führen, dass unsere Kinder gerade dabei sind, wichtige Konfliktlösungsstrategien bei Geschwisterstreit zu üben und zu testen. Dazu brauchen sie unsere Hilfe momentan nicht. Wir können uns beruhigt aus dem Geschehen heraus halten.

Spaß oder Ernst?

Die Situation spitzt sich zu oder wird gar gefährlich. Nun wird es Zeit sich in den Geschwisterstreit einzumischen. „Ist das was ihr da macht Spaß oder Ernst?“ Rangeleien aus Spaß sind durchaus erlaubt, wenn beide Beteiligten damit einverstanden sind. Richtige Kämpfe hingegen sind zu unterbrechen. Dabei brauchen Kinder meist die Hilfe von einem Erwachsenen. Wenn wir uns in einen Streit einmischen, gilt dass wir die Kinder mit ihren aktuellen Problemen und Gefühlen ernst nehmen und über den Standpunkt jedes Kindes nachdenken. „Du willst weiter schaukeln, weil es gerade so Spaß gemacht hat. Und du findest, dass du jetzt auch endlich mal an der Reihe bist. Ganz schön blöd, wir haben zwei Kinder und nur eine Schaukel.“ Anschließend trauen wir den Kindern zu, dass sie selber eine Lösung für ihr Problem finden und ziehen uns wieder aus der Situation zurück. „Ich weiß, ihr findet eine Lösung, die für beide fair ist.“

(c) iStock

Achtung! Es geht weiter!

Wenn die Situation nun wirklich gefährlich wird, weil der Streit nicht von den Kindern beendet werden konnte, ist es unsere Aufgabe die Kinder zu schützen. Die Kampf wird von uns unterbrochen und die Kinder werden getrennt. „Es ist zu gefährlich, wenn ihr zusammenbleibt. Wir brauchen alle Zeit zum Durchatmen. Dazu geht jeder in sein Zimmer.“ Grundsätzlich gilt, dass Kinder pro Lebensjahr eine Minuten zum Abreagieren brauchen. Das heißt ein Zehnjähriger braucht 10 Minuten Zeit nur für sich und ein Dreijähriger ca. 3 Minuten. Anschließend soll unbedingt noch einmal über den Streit vorher gesprochen werden. Wir Erwachsenen dienen dabei als Moderatoren und Schiedsrichter, damit das Ganze nicht noch einmal von vorne los geht.

Konfliktregeln beachten

Folgende Regeln bei Geschwisterstreit können in einer ruhigen Minute mit den Kindern gemeinsam erarbeitet werden. Dabei ist zu betonen, dass sich alle an diese Regeln halten müssen. Größere Kinder können dies auch „vertraglich“ unterschreiben. Während des Streits kann dann auf die vereinbarten Regeln hingewiesen werden.

  1. Gewalt ist verboten – niemand darf verletzt werden
  2. Wir streiten fair – nicht mehrere gegen einen
  3. Emotionen sind erlaubt – Gemeinheiten aber tabu
  4. Nachgeben – ich habe nicht verloren, nur weil ich nachgegeben habe
  5. Ein Ende finden – wenn einer nicht mehr mag, hören wir auf
  6. Frieden schließen – ein Kompromiss ist immer möglich
  7. Konstruktiv sein – wir einigen uns und dabei gibt es weder Sieger noch Verlierer

Abschließend bleibt noch einmal zu betonen, dass Geschwisterstreit für Kinder ein wichtiges Lernfeld ist, indem Konfliktlösungswege geübt und ausprobiert werden können. Daher wünsche ich allen Kindern viel Erfolg beim Üben und allen Erwachsenen viel Geduld und Fingerspitzengefühl beim Aushalten der Übungssituationen.

 



EIN ARTIKEL VON
  • Bettina Fauler

    Ich lebe mit meinem Partner und unserem Sohn in Tirol. Hauptberuflich bin ich Mama, auch wenn ich Teilzeit als Sonderkindergartenpädagogin, Elternbildnerin und Trainerin arbeite. Ich erlebe einen abwechslungsreichen (Erziehungs-)Alltag, den ich gerne mit anderen teile.


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