9. Dezember 2019

Nachhaltig leben als Familie – Kindergeburtstage feiern

Nachhaltig leben als Familie – Kindergeburtstage feiern

Im Sommer geht es immer rund bei uns, kurz vor den Ferien hat Tochter Nummer eins Geburtstag und ganz am Ende (und ganz selten am ersten Schultag) Tochter Nummer zwei.

Im Frühling kommen schon die ersten Wünsche nach Geschenken, der Gestaltung der Feier, wer eingeladen wird, Kuchen oder Muffins… und ja, da bin ich eine typische Mama: meine Pinterestsuche beginnt.

Meistens endet sie aber nach ein paar Tagen wieder weil uns im Rausch der Ideen, Farben, Outfits, Muffins-Deko und Geschenke-Massen einfällt, was wir unseren Kindern zu ihren Geburtstagen eigentlich mitgeben wollen.

Nachhaltig leben und Geburtstage feiern bedeutet für uns neben Müllvermeidung auch nachhaltige, bleibende Eindrücke und Erinnerungen.

Rituale

Wir können uns beide noch sehr gut erinnern, wie wir unsere Geburtstage (und teilweise auch Namenstage) in unseren Familien gefeiert haben. Es ist einfach zu erklären warum: Es war nämlich immer der gleiche Ablauf, die gleichen Traditionen. Es gab „das“ Geburtstagslied, „die“ Jause und „den“ Ablauf.

An die Geschenke können wir uns nicht genau erinnern, auch wenn es da noch das ein oder andere Lieblingsstück gibt – doch dazu später.

Wir wissen auch nicht mehr, ob wirklich immer genau am Geburtstag gefeiert wurde, welche Kleidung wir getragen haben oder wie viel die Feier „wert“ war. Aber wir erinnern uns an Familie, an Vorfreude, gemeinsames Essen, Kerzen ausblasen und einen schön geschmückten Tisch.

Wir hatten keine Feier am Pferdehof, beim Mäcci oder gar mit Feuerwerk (alles schon erlebt!), sondern einfache und umso persönlichere Feste.

In den letzten Jahren haben wir unsere eigenen Rituale für und mit unseren Kindern entwickelt …

Es werden Faschingslampions aufgehängt, das finden unsere Kinder besonders festlich und das Geburtstagskind darf Mittagessen und Geburtstagsjause im Vorhinein aussuchen. Da sind wir manchmal überrascht, welche Speisen unsere Kinder auswählen – beim letzten 5. Geburtstag war es „Gartensuppe mit Nudeln“ (=Gemüsesuppe aus dem Garten) und „Kuchen mit Schmetterlingen“, aber auch ein Mittags-Picknick im Garten stand schon am Programm.

Die Taufkerze wird gemeinsam mit den Kerzen auf dem Kuchen entzündet und „Viel Glück und viel Segen“ gesungen, manchmal auch noch das aktuelle Lied aus Schule und Kindergarten. Je nach Kind wird dann zuerst das Geschenk ausgepackt oder gejausnet.

Geschenk

Wenn Großeltern und Taufpaten Zeit haben, kommen sie gern zur Feier. Aufgrund unserer recht großen Familie hat sich schon zu Weihnachten und Ostern die Geschenke-Frage gestellt, die wir dann auch für die Geburtstage geklärt haben: Es gibt nur ein Geschenk pro Person oder Großelternpaar!

Das ist meistens mit uns abgesprochen und passend zu den derzeitigen Interessen oder Bedürfnissen. So gab es zum Kindergartenbeginn eine spülmaschinenfeste Metall-Jausenbox, einen Stiftebecher für den neuen Schreibtisch oder Faltpapier mit einem Anleitungsbuch für das bastelwütige Geburtstagskind.

Unsere Familien wissen, dass auch Second Hand (ein unbezahltes Lob auf willhaben!) in Ordnung ist und wir nachhaltige Materialien bevorzugen.

Zeit statt Zeug-Geschenke

Wir haben bemerkt, dass es für das zweite Kind wesentlich schwieriger ist neue Geschenksideen zu finden, da vom ersten Kind schon sehr viel vorhanden ist. Immer wieder gibt es auch „Zeit statt Zeug“ Geschenke, wie einen Ausflug in den Zoo oder ins Museum.

Gleichzeitig schreiben wir mit, wenn wir Ideen haben oder die Kinder sich etwas Bestimmtes wünschen oder sehr begeistert sind. So steht für den nächsten Namenstag schon eine kleine Blumenpresse auf der Liste und das aktuelle Geburtstagskind hat einen neuwertigen Tip-Toi Stift mit zwei Büchern bekommen, den sie bei ihren Cousins sehr bewundert hat. Von den Taufpaten gab es dazu passend die Kopfhörer.

Geburtstagsparty

Wir sind – vielleicht auch berufsbedingt – keine großen Fans von Kinderparties. Trotzdem hat Tochter Nummer 1 zu ihrem 6. Geburtstag Freundinnen eingeladen und wir haben mit ihr im Vorfeld überlegt, was ihr wichtig ist. Das war ganz klar in dieser Reihenfolge: Torte, spielen, Seifenblasen.

Für den Garten haben wir uns einen Heurigentisch ausgeborgt und ein Tischtuch aufgelegt. Geschirr gab es das ganz normale, denn Einweggeschirr finden wir weder nachhaltig bzw. umweltfreundlich noch praktischer als das übliche Geschirr.

Sollte ein Teller oder Glas zu Bruch gehen, ist es auch nicht so tragisch – das ist aber bisher nicht passiert! Geburtstagsservietten durfte sich das Geburtstagskind aussuchen. (Normalerweise verwenden wir Stoffservietten und geben sie – nach Absprache mit PädagogInnen und Lehrerin – auch für die Geburtstagsfeiern in Kindergarten und Schule mit.)

Als Deko haben wir noch Sonnenblumen in Marmeladegläsern aufgestellt und diese mit Stoffbändern in den passenden Farben geschmückt. Ein paar Luftballons waren von diversen Werbegeschenken vorhanden, sonst hätten wir unsere Faschingslampions aufgehängt. Es war bunt, fröhlich und abgesehen von den Papierservietten müllfrei (die Luftballons wurden von den Gästen mit nach Hause genommen).

Pizza auf der Wiese

Bei dem 7. Geburtstag unserer großen Tochter waren zu Großeltern und Taufpaten ihre zwei besten Freundinnen eingeladen und wir hatten das Gefühl, dass auch diese Variante gut gepasst hat. Sicher war es viel Besuch an einem Tag, aber alle waren zufrieden. Die Kinder hatten Spielpartner, die Erwachsenen auch ein bisschen Zeit zu plaudern und nebenbei war schon wieder der Geschirrspüler eingeräumt. Zum Schluss gab es Pizza auf der Wiese bei Abendsonne.

Geschenke auf anderen Parties

Unsere Kinder sind immer wieder auf Parties eingeladen, von denen sie mit mehr Geschenken als das Geburtstagskind wieder nach Hause kommen. Das macht für uns wenig Sinn – auch wenn es sehr nett gemeint ist.

Bei unserer letzten Kinderparty durften die Gäste eine Krone verzieren, bemalen, bekleben – dann tragen und zum Schluss mit nach Hause nehmen. In der Sandkiste waren die Innenteile von Überraschungseiern mit einer Kleinigkeit vergraben und durften nach einer Schatzsuche ausgegraben werden. Wir haben außerdem alte Seifenblasen-Fläschchen wieder befüllt und verwendet und unser Naschgarten stand für alle offen – Beschwerden von wegen „zu wenig“ gab es jedenfalls keine.

Jede Familie hat ihre eigenen Vorstellungen

Schwieriger ist es, was man anderen Geburtstagskindern mitbringt, vor allem wenn sich die Ansichten der jeweiligen Familie nicht mit unseren decken.

Selbstgemachte Glitzerknete, eine genähte Pixi-Buchhülle, ein individuell gestaltetes Turnsackerl oder Kochschürze kommen nicht überall gut an.

Außerdem steigen die „üblichen“ Preise für Geschenke laufend an, was wir kritisch sehen. Wir finden es schade, wenn es mehr zum Tauschgeschäft wird und weniger um eine kleine Aufmerksamkeit geht.

Dennoch versuchen wir, etwas Passendes zu finden und nützen dafür gern Aktionen bzw. kaufen einiges z.B.: wertige Kleinigkeiten mit Pferdemotiven für 7-jährige Mädchen auf Vorrat. Ein paar Mal haben wir auch schon „Volltreffer“ gelandet, z.B.: mit einem Theater-Gutschein oder einer neuen CD.

Von einer Freundin haben wir den Tipp, die „Mitbringspiele“ z.B.: von Ravensburger oder Haba als Geschenk mitzubringen, eine andere Familie kauft immer die Lieblingsbücher ihrer Kinder.

Unsere Kinder freuen sich zum Glück über so ziemlich alles und verarbeiten zusätzlich Geschenkpapier, Bänder und Verpackung beim Basteln – also bleibt da auch kaum Müll übrig. Wir sind jedenfalls neugierig, was sich in den nächsten Jahren noch an Ritualen, Wünschen und Geschenkideen ergeben wird, und freuen uns auf eure Erfahrungen!

 

 



EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!



0 Kommentare
  • Isabella, 12. Dezember 2019, 12:13 Antworten

    Danke für eure Bearbeitung des Themas :-) Ich wollte noch eine eigene Erfahrung teilen: Mit meinen großen Kindern (8 und 10 Jahre) sind wir seit 2-3 Jahren zu den Geburtstagsfeiern ihrer Freunde mit Würfel gegangen... Das Geburtstagskind konnte/kann von 6 Aktivitäten/Ausflüge aussuchen, die es mit meinem Sohn oder meiner Tochter erleben möchte... Zoo, technisches Museum, Kino, Eis essen, ... Das ist lustig und macht allen Spaß, auch den Eltern des Kindes: ein freier Nachmittag und keine sinnlosen Geschenke in den schon bestehenden Überfluss.

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