23. Februar 2017

Meine Anti-Mecker-Challenge

Anti-Mecker-Challenge - meinefamilie.at

Wie das Meckern der Mama das Familienklima verpestet und wie sie dagegensteuern kann. Die wichtigste Strategie: einfach den Mund halten.

Leider ist es so: Ich nörgle viel zu viel und befinde mich zu oft im Mecker-Modus. Ich finde das Haar in der Suppe, spüre das auf, was unvollkommen ist und – was das Schlimmste ist – lasse mich davon aus der Bahn werfen. Da scheint die Sonne wunderschön durch die großen Glasfenster unserer Wohnung und was sehe ich? Die unzähligen Abdrücke von Kinderhänden an der Balkontür und die Staubschicht auf den dunklen Möbeln. Mein innerer Richter straft mich sofort: „Wie kannst du nur zulassen, dass die Wohnung in so einem Zustand ist!!! Wie lange ist es eigentlich her, dass du die Fenster geputzt hast? Schäm dich!“

Habe ich so eine Laune, dauert es nicht lange, bis mein Mann oder die Kinder ihr Fett abkriegen. „Wann montierst du denn ENDLICH die Vorhangstangen?“ keife ich meinen Mann an. Und meine Tochter kriegt ein „Jetzt pass doch auf! Kein Wunder, dass du den Kakao verschüttest, wenn du dich nicht ordentlich hinsetzt.“

Giftige Pfeile verpesten das Familienklima

Die Nörgelkommentare sind wie giftige Pfeile, die fast automatisch aus mir herauszukommen scheinen. Dass ich gar nichts dagegen tun kann, will ich aber nicht hinnehmen.

Auch wenn ich mich von meinen Launen oft übermannen lasse, bin ich ihnen keineswegs völlig ausgeliefert.

Schließlich bin ich ein freier Mensch, der konkrete Schritte für einen liebevollen Umgang in der Familie setzen kann! Somit rufe ich hiermit die Anti-Mecker-Challenge aus!

Ich will nicht meckern!

Meckern sorgt für schlechte Stimmung und verpestet das Familienklima.

Ständiges Herumnörgeln an den Kindern kratzt an ihrem Selbstwertgefühl. Meistens geht es ja einher mit Formulierungen wie „Kannst du denn nicht einmal…“, „Ich habe dir schon tausendmal gesagt…“, „Immer musst du…“ Das ist so ziemlich das Gegenteil einer Ich-Botschaft, hat weniger die Sache selbst im Blick und wertet das Gegenüber als ganze Person ab.

Es bringt nichts! Schalte ich in den Meckermodus, schalten meine Kinder auf Durchzug. Sie können mittlerweile seelenruhig weiterspielen, selbst wenn ich wie ein Giftzwerg herumspringe.

Die meckernde Ehefrau

Meine Anti-Mecker-Challenge - meinefamilie.at
So bitten, dass der andere die freie Wahl hat. Die Frage „Kannst du bitte auch einmal den Geschirrspüler ausräumen“ lässt wenig Wahl.

Man sagt ja, dass vor allem Frauen gerne in die Meckerfalle tappen. Wie sehr das den Männern an die Substanz gehen kann, drückt die Bibel recht drastisch aus: „Besser in der Wüste wohnen, als bei einer zänkischen und zornigen Frau.“ (Buch der Sprichwörter 21, 19) In die Wüste ist mein Mann noch nicht abgezogen, aber ich weiß, wie sehr ihn mein Herumgenörgle stören kann. Werner Tiki Küstenmacher betont in seinem Bestseller „Simplify your life“, dass man nicht nörgeln soll – niemals. „In seltenen Fällen führt Nörgeln tatsächlich dazu, dass der andere nachgibt. Aber es hat einen hohen Preis: Der andere erfüllt den Wunsch ungern und mit innerer Wut.“ Küstenmacher formulierte einige Grundsätze, die gelten sollen, wenn man jemanden um etwas bittet:

  • So bitten, dass der andere die freie Wahl hat. Ein Nein soll auch akzeptiert werden. Eine Frage wie „Kannst du bitte auch einmal den Geschirrspüler ausräumen“ lässt wenig Wahl.
  • Meinen Missmut und meine Enttäuschung bei einem Nein darf ich kundtun. Aber:
  • Niemals nörgeln und den anderen durch wiederholtes Vortragen zum Nachgeben zwingen.

Die meckernde Mama

Meine Kinder sind wunderbare Menschen und ich kann durchaus all das Tolle sehen, das in ihnen steckt. Aber gleichzeitig finde ich genügend Anlass, an ihnen herumzunörgeln. Die wichtigste Strategie scheint mir zu sein: einfach den Mund halten. Mir auf die Zunge beißen, wenn mir wieder ein negativer Kommentar entweichen will. Und die Negativspirale, in die sich unser Alltag immer wieder hineindreht, damit ein Stück weit durchbrechen.

Mein meckerndes Ich

Auch meinem inneren Nörgler darf ich das Wort verbieten. Wenn er mich wieder einmal piesackt, will ich ihn entlarven und sagen:

„Ja, es stimmt, dass ich Fehler mache, aber es ist nicht wahr, dass ich eine schlechte Mutter/Hausfrau/Ehefrau/Freundin usw. bin. Ich glaube dir nicht!“

Auf mich schauen

Nach schlechten Nächten mit wenig Schlaf steigt meine Meckerbereitschaft sehr stark. Soweit es geht, achte ich also auf genügend Schlaf: mich also abends nicht bis spät in die Nacht im Internet verlieren, sondern beizeiten ins Bett gehen. Was noch hilft: Mir kleine Oasen im Alltag gönnen, wie zum Beispiel bei Sonnenschein nicht die dreckigen Fenster putzen, sondern eine Runde im Wald drehen. Und regelmäßig ohne Familienanhang etwas unternehmen! Die Zufriedenheit steigt, der Meckerpegel sinkt.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.



3 Kommentare
  • Anonymous, 24. Februar 2017, 0:17 Antworten

    meine nörgellaune sellt sich regelmäßig nach einem nachtdienst ein. das wissen die kinder (und theoretisch auch der mann ;) ) und auch, dass das dem fehlenden schlaf - nicht ihrem verhalten - geschuldet und daher bitte nicht persönlich zu nehmen ist. :)

    • Sandra, 25. Februar 2017, 22:34 Antworten

      ja, wenn der Zusammenhang so klar ist, ist das super! leider check ich den Zusammenhang oft selber erst irgendwann... aber wir sind alle auf dem weg: -)

  • Sabrina, 27. Februar 2017, 15:59 Antworten

    Danke für diesen tollen Artikel. Mir geht es leider viel zu oft auch so. Gerade in der Früh.. ich war noch nie ein Morgenmensch - ist meinen Kindern jedoch egal 😊. Ich stelle mir das Auf-die-Zunge-beissen in diesen Situationen sehr schwer vor. Einen Versuch ist es wert. Hoffentlich krieg ich kein Magengeschwür 😁

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