10. August 2016

Konsequenz: Eltern müssen oft Buhmänner sein

Konsequenz in der Erziehung - meinefamilie.at

In letzter Zeit wird mir immer wieder bewusst, wie schwierig und herausfordernd es ist, in der Erziehung konsequent zu sein. Gleichzeitig ist Konsequenz so wichtig!

Für unsere Kinder ist es wichtig zu wissen, dass unser Ja ein Ja ist und unser Nein ein Nein. Dass wir das, was wir sagen, auch meinen und tun. Dass wir nicht Dinge versprechen und sie dann nicht halten. Weder im Positiven noch im Negativen, also weder bei „Belohnung“ noch bei „Strafe“.

Ich mag das Wort „Strafe“ nicht besonders und bevorzuge es, von Konsequenzen zu sprechen. Denn meist zieht ja das Verhalten von Kindern (und auch Erwachsenen) gewisse Konsequenzen nach sich: Wenn ich rumtrödle, habe ich danach weniger Zeit zum Spielen. Wenn ich eine unangenehme Sache schnell erledige, bringe ich sie schneller hinter mich und habe mehr Zeit für anderes. Natürlich gibt es Situationen, in denen wir Eltern die Konsequenzen für unsere Kinder selbst bestimmen können.

Aber ich finde, Konsequenzen sollten immer etwas mit der Sache an sich zu tun haben und nicht völlig aus der Luft gegriffen sein.

Als Eltern das Unbeliebtsein in Kauf nehmen

Ich empfinde das Konsequent-Sein deshalb als so schwierig, weil es von uns Eltern immer wieder erfordert, den „Buhmann“ zu spielen und uns bei den Kindern unbeliebt zu machen. Nehmen wir das aber nicht in Kauf, kann es sehr leicht passieren, dass unsere Kinder nachhaltig Schaden nehmen. Wenn nicht praktisch, wie im folgenden Beispiel, dann eher auf längere Sicht in der Entwicklung ihres Charakters.

Das große Ziel unserer Erziehung ist es ja, den Charakter unserer Kinder positiv zu formen.

Disziplin ist eine wichtige Zutat dafür. Selbstdisziplin, die wir unseren Kindern vorleben, ist unbedingt notwendig. Konsequenz ist eine Form von Disziplin. Sie darf natürlich nicht in lieblose Machtdemonstration ausarten, sondern muss immer mit Liebe gepaart sein, wenn sie Erfolg haben soll.

Konsequent bleiben erfordert Festigkeit

Sehr deutlich habe ich das neulich an einem Beispiel gesehen: Sara und Gregor, unsere beiden Jüngsten, spielten an einem sehr heißen Tag am frühen Nachmittag in unserem Plantsch-Pool. Sie waren sehr ausgelassen und glücklich bis zu dem Zeitpunkt, als ich daherkam und sie herausholte. Ich hatte bemerkt, dass ihre Schultern schon ziemlich rot waren. Maulend ließ sich Sara abtrocknen und ihre Haut mit superstarker wasserfester Sonnenmilch eincremen. Dann wollte sie sofort wieder ins Wasser zurück. Doch ich bestand darauf, dass sie ein T-shirt anzog und im Schatten spielte, bis die stärkste Sonneneinstrahlung vorbei war. Heulend und kreischend wehrte sie sich. Es sei so unfair, sie spüre noch gar keinen Sonnenbrand und überhaupt. Doch ich blieb fest, denn ich wusste, dass sie trotz hohem Schutzfaktor nicht in die pralle Sonne gehen sollte, um den Schaden nicht zu vergrößern. Stinksauer trollte sie sich, um auf der Veranda mit ihrer Puppe zu spielen und rief mir erbost hinterher: „Blöde Mami!“

Eltern müssen durchhalten

Ja, manchmal müssen wir Eltern es aushalten, in den Augen unserer Kinder die „Bösen“ zu sein. Hätte ich in dieser Situation um des lieben Friedens willen nachgegeben, wäre die Sache nicht so gut ausgegangen. Es ist auch wichtig, unseren Kindern in einem ruhigen Moment die Motive unseres Handelns zu erklären, was in der Akutsituation nicht möglich ist. Einem trotzenden Kind etwas erklären zu wollen, bringt nichts.

Hier das Ende der Geschichte: Später dann, als der Pool im Schatten lag, durften sie noch ganze zwei Stunden weiterplantschen. Der Friede war wiederhergestellt und der Tag „gerettet“… Wir cremten die gerötete Haut mit After-Sun-Lotion ein. Allerdings begann sie sich ein paar Tage später an den Schultern abzuschälen. Es war doch ein Sonnenbrand, wenn auch kein ganz schlimmer, und ich war sehr froh, dass ich so konsequent geblieben war. Sara, mit der ich alles nochmal in Ruhe besprach, war nun auch froh darüber. Ich denke, sie hat aus der Situation eine Menge gelernt und auch unsere Beziehung ist positiv geformt worden.

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.



1 Kommentare
  • Michelle, 26. August 2016, 14:52 Antworten

    Jaa, das muss man sich echt bewusst machen!! Gute Erziehung heißt nicht, dass man nur macht was die Kinder wollen! Angst haben, dass man ihre Liebe verliert, braucht man ja sowieso nicht!

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