19. Januar 2018

Muss ich alles 3x sagen?!

Muss ich alles 3x sagen?! - meinefamilie.at

Viele Eltern haben das Gefühl, dass sie sich ständig wiederholen und ihre Kinder einfach nicht auf sie hören wollen. Heidi Effenberger erklärt in ihrem Webinar „Muss ich immer 3x reden?!“ die Grundregeln des Kommunizierens und gibt hilfreiche Tipps, um die Kommunikation in der Familie zu verbessern.

„Muss ich immer 3x reden?!“, das fragt sich auch Heidi Effenberger des Öfteren. Frau Effenberger ist diplomierte Montessori-Pädagogin, ausgebildete Erwachsenenbildnerin, Leiterin von Eltern-Kind-Gruppen und Mutter zweier Söhne im Teenageralter. Sie gesteht: „Es gibt immer genügend Anlässe, um dreimal zu reden.“

Allen Eltern, die das Gefühl haben, sich ständig wiederholen zu müssen, stellt sie zwei kurze Fragen zur Kommunikation mit Kindern, zu der die rund 30 TeilnehmerInnen des elternweb2go-Seminars kurz brainstormen.

In welchen Situationen müssen wir oft reden?

Sofort kommen zahlreiche Antworten, die Eltern erinnern sich an Situationen, in denen sie scheinbar wie ein Papagei auf ihre Kinder einreden müssen.

Wann müssen wir nicht so oft reden – wo funktioniert es gut?

Auch hier sind sich die Eltern einig und schildern Situationen, in denen die Kommunikation mit ihren Kindern gut zu funktionieren scheint:

  • „Wenn sie wissen, dass sie Blödsinn gemacht haben, dann reicht ein Blick.“
  • Wenn es Süßes gibt
  • Bei Ausflügen

Frau Effenberger erklärt, dass Kinder offener für das Gesagte sind, wenn etwas verlockend erscheint oder wenn etwas in einem anderen Zeitrahmen geschieht.

Laut der Expertin können kleine Kinder „Zeit“ noch nicht begreifen. Aufforderungen wie „Komm, wir müssen pünktlich sein“ seien für Kinder oft unverständlich und nichtssagend. Eltern fungieren also als „Zeitwächter“ – sie sind diejenigen, die die Uhrzeit im Blick haben und sagen, was wann zu passieren hat. Frau Effenberger betont, dass vor allem für kleine Kinder, die mit dem Zeitbegriff noch nichts anfangen können, Rituale besonders wichtig seien. Eltern müssen den Kindern genau sagen, was wann passiert – aber rechtzeitig und nicht „von jetzt auf gleich“.

Mit Kindern besser kommunizieren

Heidi Effenberger erklärt, dass Kommunikation nicht nur aus Sprache besteht , sondern auch aus nonverbalen Elementen wie Gestik, Mimik und Körperkontakt. Um besser mit seinen Kinder kommunizieren zu lernen, nennt sie sechs wesentliche Punkte.

# Aktiv zuhören

Aktives zuhören sei einer der wichtigsten Bausteine erfolgreicher Kommunikation. Gestresste Eltern vergessen oft einfach genau zu schauen, was der Nachwuchs gerade tut und worin die Kinder vertieft sind. Manche Kinder sind wahre Konzentrationskünstler – sie hören die Eltern schlicht und einfach nicht, denn sie sind in ihre eigene kindliche Spielwelt abgetaucht. Zugerufene Aufforderungen ohne Sichtkontakt zum Kind verhallen laut Frau Effenberger oft ungehört.

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Es hilft, diese Kinder mit Körperkontakt auf sich und seine Wünsche aufmerksam zu machen – eine sanfte Berührung an der Schulter genügt, um sich Gehör zu verschaffen, erklärt Effenberger.

Andere Kinder benötigen Wiederholungen und es helfe, wenn Eltern nachfragen und Ich-Botschaften senden:

  • „Hast du mich gehört?“
  • „Es ärgert mich, wenn du nicht zum Essen kommst.“

Bei Gesprächen sei es wichtig, das Gehörte zusammenzufassen und nachzufragen.

# Perspektivenwechsel

Es sei wichtig zu verstehen, wieso sich ein Kind so verhält, wie es sich verhält. Es hilft zu versuchen, sich in die andere Person hineinzuversetzen: „Wie sieht ein anderer etwas? Wie sehe ich etwas aus einer anderen Perspektive?“, fragt Frau Effenberger die Gruppe.

Das Hinterfragen von wiederkehrenden, belastenden Situationen könne äußerst hilfreich sein. Ein Beispiel: Das Kind trotzt jedes Mal auf dem Weg zum Gymnastikkurs, doch hat im Kurs selbst viel Spaß. Womöglich ist es vor dem Aufbruch zum Kurs ins Spiel vertieft und versteht nicht, wieso es jetzt damit aufhören muss.

In solchen Situationen sei es besonders wichtig darauf zu achten, womit die Kinder gerade beschäftigt sind. Die Eltern hält Frau Effenberger dazu an, ihre Kinder rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen, dass es sich zeitlich vielleicht nicht ausgehen wird, das Spiel auch zu Ende zu spielen. Ein Kind, dem von Anfang an bewusst ist, dass es das Spiel für den Turnkurs pausieren muss, reagiert unter Umständen gelassener auf die Unterbrechung.

Es sei wichtig zu reflektieren und zu überprüfen, welche Sprache man selbst verwendet, um zu kommunizieren:

„Wir müssen mit den Kindern so reden, wie wir wollen, dass sie auch mit uns reden“, sagt Heidi Effenberger.

Frau Effenberger empfiehlt allen Eltern, ihre Kinder so oft wie möglich aufmerksam zu beobachten: „Kinder können viele Dinge ohne Anleitung schaffen – daran soll man sich erfreuen.“

Beobachten ohne Bewertung und ohne Kommentare und Lob sei für Eltern und Kinder besonders wertvoll. Die Kinder lernen, dass nicht jede ihrer Taten gelobt oder kommentiert werden muss und die Eltern lernen viel darüber, welcher Typ Mensch ihr Kind ist und was man braucht, um gut mit ihnen umgehen zu können. Jedes Kind darf und soll laut Effenberger unterschiedlich behandelt werden – je nach Typ.

# Authentisch sein

Effenberger rät Eltern vor allem zu Ehrlichkeit.

„Das, was ich sage, drückt auch mein Körper und meine Mimik aus“, betont sie.

Tut das Kind etwas, das es nicht machen soll, müsse sich das strenge „NEIN“ der Eltern auch in deren Körpersprache widerspiegeln.

Spielt das Kind mit der brennenden Kerze und die Eltern verbieten dies, grinsen dabei jedoch, weil es sie an ihre Kindheit erinnert, wird das eigene Kind wahrscheinlich nicht mit dem Wachsklecksen aufhören. Es kann die widersprüchlichen Signale nicht einordnen und weiß nicht was es glauben soll – das ausgesprochene Verbot oder das liebevolle Grinsen der Eltern?

Die Expertn rät, Gefühle möglichst oft zu benennen. Eltern sollen möglichst oft sagen wie es ihnen geht.

  • „Ich bin traurig, weil….“
  • „Ich bin heute fröhlich, weil….“

Genauso wichtig sei es, die Gefühle der Kinder zu benennen – jedoch solle man keine Feststellungen machen, denn man könne nie genau wissen, wie es jemandem anderen wirklich geht. Man kann sagen:

  • „Kann es sein, dass du wütend bist?“
  • „Kann es sein, dass du erschöpft bist?“

Heidi Effenberger betont, dass Reaktionen von Kindern oft andere Ursachen haben als angenommen. Kommt das Kind zum Beispiel aus der Schule nachhause und sagt, dass es den Klassenkollegen gerne schlagen würde, nehmen Eltern oft automatisch an, dass es zornig ist. Vielleicht steckt aber eher Enttäuschung oder Angst dahinter?

Durch Nachfragen lerne das Kind, seine Gefühle zu schildern. Es ist jedoch nicht leicht, Gefühle auszudrücken.

# Gelassen bleiben

„Behaltet euren Humor!“, rät die Pädagogin. Sie betont, dass Eltern aus heutiger Sicht wissen können, wie lange sie für ihre Kinder in irgendeiner Weise sorgen werden.

Ihr Tipp: Bleibt humorvoll, aber konsequent.

Liegt die Jacke schon wieder am Boden – versucht, gelassen zu bleiben. Vielleicht fällt euch ein lustiger Spruch ein? Ihr könntet sagen, dass heute der Butler kommt und die Jacke wegräumt – und die Jacke liegen lassen.

„Nicht jeder Tag ist zum Lachen, oft kann man im Rückblick aber umso herzhafter über die erlebten Dinge lachen“, so Effenberger.

#Lob und Kritik nicht übertreiben

Lob und Kritik im richtigen Maße sei wichtig. Lob müsse glaubwürdig sein und vor allem gut dosiert. Wer wegen einer aufgehängten Jacke in den Vergnügungspark fahre, übertreibe laut Expertin maßlos.

Kinder sollen auch für Dinge gelobt werden, die sie unaufgefordert machen oder für Dinge, die sie NICHT machen. Beim Lob gehe es nicht darum, die Person hoch zu loben sondern darum, die Sache, die gut gemacht wurde, zu würdigen, erklärt Heidi Effenberger. Durch Lob erhalten Kinder Feedback – was mache ich gut, wo könnte ich etwas anders machen. Vor allem aber zeige ihnen dieses Feedback, dass sich die Erwachsenen für sie interessieren.

Effenberger rät allen Eltern darauf zu achten, nicht das Kind selbst zu kritisieren, sondern immer nur die Sache an sich.

Anstelle von Sätzen wie „DU räumst nie dein Zimmer auf!“, rät sie zu Formulierungen wie „Es gefällt mir nicht, dass das Zimmer immer so unordentlich ist!“

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Kritik müsse immer fair sein. Die erfahrene Pädagogin rät, die Ruhe zu bewahren. Eltern dürfen sich auch eine Auszeit gönnen bevor sie auf eine Sache reagieren. Man solle die Wut oder Verzweiflung abklingen lassen und in Ruhe reflektieren.

Tipp: Fragt eure Kinder, was ihr gut macht. Fragt sie auch, was ihr ändern könntet – schon Kleinkinder haben oft Dinge an den Eltern auszusetzen.

# Klare Botschaften vermitteln

„Wer hat in der Erziehung welche Position?“, fragt Effenberger in die Runde.  Oft habe man Angst, dass die Kinder einen nicht mehr mögen oder man ihre Freundschaft verliert. Kinder brauchen Klarheit. Viele Dinge können sie noch nicht selbst entscheiden.

Die Pädagogin betont:

„Ihr seid die Eltern, ihr trefft Entscheidungen, die der Nachwuchs noch nicht selbst treffen kann. Ich habe meine Erziehungsverpflichtung und ich habe die Rolle der Eltern – das muss klar sein“.

Schon Paul Watzlawick stellte fest: „Wahr ist nicht, was A sagt, sondern was B versteht.“ Nicht das, was wir sagen, kommt bei den Kindern an, sondern das, was sie verstehen.

Zum Beispiel sagen wir sehr oft: „Wir gehen DANN.“ DANN ist kein Zeitbegriff – Kinder sind gute Beobachter und wissen, dass es bis DANN auch noch etwas dauern kann.

Klarer formuliert könnte es laut Effenberger lauten: „Wir gehen jetzt.“ Wichtig: Es auch tun wenn man es sagt.

Ein weiteres Beispiel für schlechtes Formulieren sei: „Ziehst du deine Jacke an?“ Da es sich um eine Frage handelt, liegt es nahe, dass das Kind mit „Nein“ antwortet. Besser wäre es zu sagen: „Zieh jetzt deine Jacke an. Wir gehen.“

Nächster Termin

Das nächste Online-Seminar „elternweb2go“ findet am 19. Februar 2018 um 20:15 Uhr zum Thema Elternsein mit Leichtigkeit „Ich kann meinen Kindern nur dann das Beste geben, wenn es mir selber gut geht“ statt. Es referiert Dr. Wolfgang Worlicek.

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