12. April 2018

Wieso lügen Kinder? Gründe und Lösungen finden

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Irgendwann, meistens im Alter von 4-6 Jahren beginnen manche Kinder zu „schummeln“ oder sie „verdrehen“ die Wahrheit zu ihren Gunsten. Damit sind nicht die phantasievollen Geschichten, die sie erzählen, gemeint. Es ist leicht, dies zu unterscheiden. Die Geschichten entbehren meistens jeglicher Möglichkeit, wahr zu sein oder je zu werden. Sie entstammen der kindlichen Kreativität oder entspringen teilweise Träumen, von welchen das Kind meint, dass es sie wirklich erlebt hat – und sind daher, obwohl irreal, von den Eltern ernst zu nehmen. Darum geht es nicht bei Ehrlichkeit. Es geht um die täglichen Kleinigkeiten, bei denen unsere Kinder oft – ganz genauso wie wir selbst – die Wahrheit verdrehen, schummeln und uns anlügen. Hier einige Gründe dafür samt Lösungsvorschlägen.

Angst vor Strafe

Unterstützen Sie Ihr Kind, die Wahrheit zu sagen, indem Sie Verständnis zeigen. Verständnis für seine Angst. Sie können die Angst ansprechen und das Kind fragen, ob und wovor es sich fürchtet.

#Lösung

Wenn es wirklich schlimme Taten betrifft, kann ein guter Grundsatz sein, dass die Konsequenzen für Lügen immer ein bisschen mehr sind als die Konsequenzen für die Tat, die es zu verheimlichen versucht. Dann werden die Kinder schön langsam merken, dass seine Handlungen zwar nicht ohne Folgen bleiben, dass sich Ehrlichkeit aber trotzdem lohnt.

Wichtig machen (Wunsch nach Anerkennung)

Fantasie ist durchaus ok, manche Kinder übertreiben aber und erzählen wilde Geschichten mit realistischen Darstellern. Dem könnte ein schwaches Selbstbewusstsein zu Grunde liegen. Fliegt die Mama zum Shoppen nach Paris, hat der Papa zwei Porsche und einen Ferrari und wird aus Minky der Hauskatze ein süßes Tigerbaby, wünschen sich Kinder meistens die Anerkennung anderer.

#Lösung

Überlegen Sie sich, wie Sie Ihrem Kind mehr Zeit und Anerkennung schenken, es loben und öfter einfach „gut sein lassen“ können. Verschaffen Sie Ihrem Kind Erfolgserlebnisse, lassen Sie es öfter Dinge tun, die es gut kann, und freuen Sie sich mit ihm an seinen Fortschritten, anstatt zu kritisieren, was es noch nicht kann oder falsch macht.

Überforderung

Für einige Kinder sind die Anforderungen des Alltags, des Kindergartens oder der Schule einfach zu viel. Sie flüchten dann in Traumwelten und Ausreden. Sie behaupten z.B., dass sie ihre Aufgaben bereits erledigt, das Zimmer schon aufgeräumt und die Katze schon gefüttert haben, obwohl es nicht stimmt. Sie liegen auf dem Bett rum und träumen, sehen fern, spielen mit dem Computer oder hören Musik, um sich zu entspannen. Mit den Lügen wollen sie nur Konflikten und Streitereien aus dem Weg gehen, die sie zusätzlich überfordern. Sie lügen nicht bewusst oder in böser Absicht, sondern können nicht anders als aus Überforderung den scheinbar leichteren Weg zu wählen.

#Lösung

Haben Sie Verständnis, Sie kennen das sicher, überfordert zu sein und Ruhe zu brauchen. Und nur weil wir Eltern uns oft die Ruhe und Entspannung, die wir brauchen würden, nicht gönnen, muss das nicht für unser Kind gelten. (Sie könnten sich aber fragen, wie viel Zeit Sie selbst für Entspannung und Ruhe haben und wenn es zu wenig ist, auch daran etwas ändern). Fragen Sie Ihr Kind, ob ihm die Aufgaben, die es zu erledigen hat, zu viel und/oder zu anstrengend sind – und nehmen Sie Ihr Kind ernst. Braucht es Hilfe? Braucht es mehr Freiraum? Mehr Zeit für sich? Wenn ja, denn überdenken Sie die Anforderungen und schrauben diese soweit wie möglich zurück. Ihr Kind ist nicht „faul“, es braucht wahrscheinlich längere Ruhephasen als andere und mehr Zeit für seine Entwicklung zur Selbstständigkeit.

Was Sie generell tun können, damit Ihr Kind Sie nicht mehr anlügen muss

#Vorbild sein

Eltern sind Vorbilder und Kinder tun oft nicht das, was wir sagen, sondern sie machen das nach, was wir tun. Überlegen Sie also, wie Sie Ihr eigenes Verhalten in Bezug Lügen (Notlügen, Verschweigen der Wahrheit, kleine Schummeleien, etc.) aussieht. Seien Sie vor allem ehrlich und offen zu Ihrem Partner und zu Ihrem Kind – auch bei Dingen, die Ihnen peinlich sind oder wehtun.

Belohnen Sie und loben Sie Ihr Kind, wenn es mutig ist und die Wahrheit sagt.

#Alternativen bieten

Helfen Sie Ihrem Kind, Alternativen zu finden. Wie kann es in der nächsten ähnlichen Situation ohne Lüge auskommen?

#Verlangen Sie nicht von Ihrem Kind zu lügen

(Betrunkene, Narren und) Kinder sagen bekanntlich die Wahrheit und das geht häufig zu Lasten der Höflichkeit. Wenn Ihnen nun eine Wahrheit, die Ihr Kind öffentlich (zu anderen Personen) sagt, peinlich ist, schimpfen und bestrafen Sie es nicht dafür. Auf „Opa, du siehst aber heute alt aus“ können Sie mit „oh, das finde ich nicht“ antworten und es gut sein lassen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass „man das nicht sagen darf“, dann erklären Sie ihm, dass es in Zukunft zumindest die (seine) Wahrheit verschweigen, wenn nicht gar lügen sollte.

#Beschämen Sie Ihr Kind nicht – schon gar nicht vor anderen Personen

Durch das Bloßstellen seiner Lüge oder das Einfordern von Geständnissen. Geben Sie ihm immer die Möglichkeit, „das Gesicht zu wahren“.

#Zur Seite stehen

Ist die Situation schon völlig verfahren, stehen Sie Ihrem Kind mit Lösungsmöglichkeiten zur Seite. Stehen Sie hinter ihm und helfen Sie ihm, die Sache gemeinsam aus der Welt zu schaffen. So lernt Ihr Kind, dass Sie zu ihm halten, auch wenn es sich mal falsch verhält und dass es sich immer auszahlt, ehrlich zu sein, auch wenn es zeitweise unbequemer erscheint.

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