24. Februar 2020

„Ja oder Nein“- Diskussionen – Mit beharrlichen Kindern gemeinsam eine Lösung finden

„ja oder nein“- diskussionen – mit beharrlichen kindern gemeinsam eine lösung finden

„Ich will heute diese Hose anziehen!“ „Nein, diese Hose ist viel zu kalt, das ist eine kurze Sommerhose und heute hat es 7°C.“ „Ich will aber!“

Der Tonfall meines Kindes lässt einen nahenden Tobsuchtsanfall erahnen. Wer kennt solche oder ähnliche Situationen nicht? Logik versus Eigenwillen. In solchen Momenten sind wir Eltern besonders gefordert. Doch anstatt frühmorgens schon unnötige Energie dafür zu verschwenden, diese Diskussion kräfteraubend zu führen und so eine Situation zu schaffen, in der es nur einen Gewinner und einen Verlierer geben kann, kann ich mein starkes und sehr temperamentvolles Kind und seine Kreativität in die Lösung dieses Problems einbeziehen.  Das klappt von klein bis groß.

Warum?

1. Ich spare meine Kräfte und lenke sie in ein entspanntes Gespräch und eine face- to-face-Diskussion.
2. Mein Kind fühlt sich gesehen und gehört. Es sieht sich in seinem Wunsch nicht automatisch übergangen. Wir diskutieren auf Augenhöhe.
3. Wir ziehen an einem Strang: Kooperation statt Kampf

Ich kenne aus meinem Alltag diese und ähnliche Situationen. Zuerst folgen logische Erklärungen, wenn mein Kind seinen Willen durchsetzen will. Diese Erklärungen hört mein Kind jedoch nicht. Das liegt zum einen an meinem Tonfall, zum anderen daran, dass es eben seinen eigenen Willen hat.

In der Not greife ich dann oft auch zu Sätzen wie: „Weil ich es dir sage und aus jetzt!“ Alles sehr unproduktiv und letztendlich erschöpfend.

In einem Erziehungsbuch habe ich einmal gelesen, man solle sich das Kind zum Verbündeten machen, anstatt eine Chefposition zu erkämpfen, denn dies würde allen helfen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Mit manchen Kindern führt man solche Diskussionen selten. Mit sehr willensstarken und temperamentvollen Kindern hat man sie jedoch ständig. Da ist man um jeden neuen Tipp dankbar.

Die 5 Schritte

Schritt 1: Signalisieren „Ich höre deinen Wunsch“

Der Wunsch meines Kindes wird in meinen eigenen Worten wiederholt. Ich vergewissere mich, ob ich alles richtig verstanden habe. „Ich habe verstanden, du möchtest heute eine kurze Hose anziehen, ja?“ Dies soll völlig wertfrei sein. Ich habe mein Kind gehört (das nennt man übrigens aktives Zuhören)!

Schritt 2: Meine Fakten darlegen

Wichtig dabei ist eine ruhige Stimme und kurze sachliche Argumente. „Das ist eine kurze Hose. Diese Hose ist für heiße Sommertage gemacht. Heute ist ein kalter Tag. Der Wind bläst, es hat 7°C. Das ist nicht sehr warm.“

Schritt 3: Lösungsprozess beginnen und begründen

„Hast du eine Idee, wie wir dieses Problem lösen können? Denn wenn du diese Hose anziehst und hinaus gehst, könntest du dich verkühlen und krank werden und das möchte ich nicht. Wie können wir das lösen?“

Jetzt leite ich mein Kind an, mir drei Ideen zu nennen, was wir nun tun könnten.

„Hast du eine Idee, wie das für uns beide passen könnte? Vielleicht fallen dir sogar drei ein und wir wählen gemeinsam die beste Idee aus.

Ich hätte schon eine Idee: eine andere Hose. Wenn du das nicht möchtest, lass dir etwas einfallen.“

Schritt 4: Der Kreativität freien Lauf lassen

Somit sparen wir Energie und es wird uns etwas Wind aus den Segeln genommen. Es findet kein Machtkampf statt, sondern eine Situation, in der das Kind auch wirklich mitzudenken lernt. Es muss schließlich für uns beide passen. Ich will mit meinem Kind kooperieren.  Findet mein Kind zunächst nicht selbst eine Lösung, teile ich ihm mit, dass ich sonst auch noch eine andere Idee hätte und frage es, ob es diese hören möchte.

Je kleiner das Kind ist, umso mehr Lösungen werde ich ihm zeigen müssen und es muss wählen. Je älter ein Kind wird, umso mehr bringt es sich selbst ein.

Mögliche Lösungen wären in unserem Beispiel:
à dicke Socken oder Stutzen tragen
à eine Zipp-off-Hose und zunächst einmal mit langer Hose rausgehen. Wenn es wirklich warm genug sein sollte, kann man immer noch eine kurze daraus machen.
à Eine Leggings oder Strumpfhose drunter anziehen.
à Kurze Hose, jedoch Skihose oder Gatschhose zum Rausgehen drüberziehen.

Schritt 5: Wir einigen uns auf eine Variante

Es muss eine sein, mit der wir beide uns wohlfühlen. Manchmal darf man diese auch mit ein wenig Humor ertragen. Das ist eine produktive Diskussion, aus der beide als Gewinner hervorgehen, weil keiner die Fassung verloren hat. Jeder fühlte sich gehört und es wurde gemeinsam eine Lösung gefunden. Wir sind ein Team, keine Rivalen.

Zu schön, um wahr zu sein? Einfach ausprobieren! Ich kann wirklich sagen, dass meine Energiereserven nicht schon für kleine Diskussionen aufgebraucht werden. Und vor allem lernt mein Kind mit Kreativität, guten Ideen und Argumenten zu verhandeln. Aus Ja oder Nein wird eine Win-Win-Situation.



EIN ARTIKEL VON
  • Angelica Spießberger

    Ich heiße Angelica Spießberger, bin 33 Jahre alt, seit 2010 mit Thomas verheiratet und Mama von 3 wunderbaren, sehr aufgeweckten und temperamentvollen Kindern (2 Buben: 8 und 3 Jahre und ein Mädchen: 6 Jahre). Ich bin VS-Lehrerin und Religionslehrerin, derzeit aber Vollzeit-Vollblut-Mami.

    Meine Freizeit verbringe ich mit: meinen Kindern, Lesen, Wandern, Radfahren, Schwimmen und Garteln.
    Ich liebe: Meinen Mann, meine Kinder, Gott, Schokolade, Worship und unser eigenes Obst und Gemüse…


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