28. Mai 2019

Ich mag nicht… teilen


Marie (1,5 Jahre) sitzt im Sandkasten und möchte mit vier Schaufeln gleichzeitig buddeln und ja keine davon  der Freundin abgeben, die mitspielen möchte. Jakob (3 Jahre) sieht sich gerade ein Buch an und möchte nicht, dass sein Bruder mit seinem Hubschrauber spielt, den er zum Geburtstag bekommen hat, ganz egal ob er ihn gerade selbst bespielt oder nicht.

Diese und ähnliche Situationen erfahren Eltern täglich mit ihren Kindern. Oft ist es Eltern wichtig, dass ihre Kinder lernen zu teilen. Aber was sind die Voraussetzungen dafür und kann man das überhaupt erlernen?

Teilen verstehen

Für die Motivation des selbstständigen Teilens fehlt einem Kind, das 1,5 Jahre alt ist, noch die Abgrenzung des „Ich“ zum Rest der Außenwelt. Mit 18 Monaten erfahren Kinder ihre Umgebung noch als einen Teil ihrer Selbst. Dies würde für das Kind bedeuten, einen Teil von sich selbst herzugeben. Mit 3 Jahren sieht das Ganze anders aus. Kinder in diesem Alter haben schon verstanden, dass Menschen um sie herum andere Bedürfnisse haben und ihre eigenen Gefühle nicht die der Umwelt sind. Trotzdem wollen sie manchmal nicht teilen und das ist auch verständlich.

Da hört die Freundschaft auf

Als Erwachsener könnte man sich das so vorstellen: Du sitzt mit der Freundin gemütlich beim Kaffee. Sie greift in deine Tasche und sagt: „Ich borge mir mal kurz dein Handy aus, du bekommst es eh gleich wieder.“ Oder du genießt es auf der Couch in Ruhe ein Buch zu lesen und ein Freund kommt bei der Tür rein, geht in die Küche und sagt: „Borge mir doch mal einen Löffel und eine Schüssel, du hast das letzte Mal ja auch welche bei mir benutzt“.

Auch Erwachsene haben Grenzen, was das Teilen betrifft. Dem einen fällt es leicht, sein Auto einem Freund zu borgen, für den anderen ist ein Auto weit mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand und wie ein Sprichwort sagt, bei Geld hört sich die Freundschaft auf. Für Kinder sind ihre Spielsachen ihre Wertgegenstände und nicht immer sind sie damit einverstanden diese zu teilen.

(c) iStock

Vorbild sein

Man kann seinem Kind vorleben, dass es toll ist zu teilen. Dabei kann man vor allem das Wort selbst mit einfließen lassen. Wenn also der Sohn das nächste Mal vom Eis abschlecken möchte, kann man es ihm nicht nur hinhalten, sondern dies auch mit Worten unterstreichen. „Ja, du darfst abschlecken, weil ich sehr gerne mit dir teile.“ So bekommen Kinder vorgelebt, wie oft man als Elternteil eigentlich teilt. Hier sei auch die Kommunikation erwähnt. Ein „Gib mal kurz her“ kommt anders an als „Bitte, darf ich mir das kurz ausleihen, du bekommst es wieder“.

Vereinbarung über das Teilen

Wenn Eltern wissen, dass Besuch mit Spielgefährten kommt, kann man sich vorher mit dem eigenen Kind darüber unterhalten, welches der Spielzeuge weggeräumt werden soll, weil niemand damit spielen soll und welches Spielzeug auch vom Besuch bespielt werden darf. Umgekehrt kann man auch eigenes Spielzeug mitnehmen, wenn man jemanden besucht, um es zu teilen oder falls derjenige selbst nicht teilen möchte.

Teilen unter Geschwistern

Unter Geschwister spielt das Teilen nochmal eine ganz andere Rolle. Während die Kleinen oft schon gebrauchte Spielsachen bespielen oder Kleidung auftragen, hören die Älteren des Öfteren, dass sie Verantwortung oder Rücksicht dem jüngeren Geschwisterkind gegenüber nehmen sollen. Vielleicht ist es auch hier möglich, eine Regelung betreffend des Teilens zu treffen. Zum Beispiel: Wenn man etwas zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekommt, hat man das Vorrecht darauf – man kann, muss aber nicht, teilen. Wenn etwas bei einem Einkauf dazugeschmuggelt wird oder etwas schon immer da war (z.B. Spielzeug, das schon die Eltern hatten), muss geteilt bzw. abwechselnd damit gespielt werden.

Ein „Nein“ zum Teilen darf auch sein. Studien zeigen, dass Kinder später bereitwilliger und öfter von sich aus teilen, wenn sie gelernt haben, dies freiwillig zu tun und es nicht müssen.


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