15. Januar 2020

Hilfe, mein Kind wird zum Wutmonster! Teil 1

Hilfe, mein Kind wird zum Wutmonster! Teil 1

„Räum noch bitte die Stifte weg, bevor wir zur Oma gehen.“ – ZACK, schon verwandelt sich mein eben noch braves Kind mal wieder in ein wutmonsterähnliches, schreiendes, Sachen um sich werfendes, völlig aufgelöstes und verzweifeltes Wesen. Was kann da bloß dahinterstecken?

Man könnte sagen, Wut und Ärger sind der „Motor“ für die Aggression. Daraus lässt sich schließen, dass Aggression also zumindest zum Teil angeboren, also genetisch bedingt, ist.

Wie Wut und Aggressionen entstehen

Durch Nachahmung (Erwachsene und gleichaltrige Vorbilder, TV, Videospiele,…) wird Aggression aber auch erlernt. Ohne Wut und Aggression wäre die Menschheit nicht so weit entwickelt, wie wir jetzt sind. Diese beiden Komponenten gehören ganz klar zum Überleben dazu und Aggression in sozial verträglicher Form ist sogar sehr wichtig. Grundsätzlich gilt: Wird jemand verletzt – verbal oder körperlich – muss von uns Erwachsenen sofort eingegriffen werden!

Typisch Jungs?

Dass Aggression jungentypisch ist, ist längst überholt. Jungs gehen eher zu physischen Attacken über als Mädchen. Mädchen dagegen verwenden eher verbale Attacken wie Spott, Herabsetzung oder Beleidigungen. Beide Formen können aber für den Angegriffenen gleichermaßen verletzend sein.

Was ist denn nun schon wieder …

Mögliche Gründe für die Entstehung von Wut und Aggression können sein, dass Bedürfnisse unzureichend erfüllt sind. Manchmal reicht Hunger schon aus, dass wir leichter reizbar sind. Sobald wir etwas essen, bekommen wir wieder Energie und unsere Gefühle kommen auch wieder ins Gleichgewicht – das kennen bestimmt auch einige Erwachsene unter uns und da nehme ich mich nicht aus.

Bei Kindern ist Wut und Aggression häufig auf einen Mangel an Zuwendung, Förderung oder Halt zurückzuführen.

Heute bist du aber wieder besonders kuschelbedürftig

Mangel an Zuwendung meint, dass nicht ausreichend Zeit für liebevolle Zuwendung, positiven Zuspruch, ehrlich gemeintes Lob oder Ermutigung eingeplant wurde. An manchen Tagen reicht schon ein kurzes „Gut gemacht!“ aus und alles ist in Ordnung.

An anderen Tagen dagegen braucht man eine extra Kuscheleinheit und zusätzlich noch die Bestätigung, dass man genau so in Ordnung ist, wie man eben ist. Das ist auch bei uns Erwachsenen nicht anders.

Komm, lass uns spielen

Unter Mangel an Förderung versteht man, dass genügend Raum und Zeit zum Spielen oder Entspannen zur Verfügung stehen muss. Dadurch können Kinder ihre Fähigkeiten entfalten und Selbstvertrauen entwickeln.

Jetzt ist aber wirklich Schluss

Zu einem Mangel an Halt kann es bei Kindern dann kommen, wenn sie Eltern haben, die keine klaren Regeln und Grenzen setzen. Die Kinder haben dann keinen vorgegebenen Rahmen an dem sie sich orientieren können – genau dieser ist aber für Kinder unbedingt notwendig.

In diesem Rahmen gibt es Freiräume, in denen die Kinder entscheiden können, aber die äußeren Grenzen werden von den Eltern vorgegeben. Diese sind auch dafür verantwortlich, zu kontrollieren, dass die Grenzen nicht überschritten werden.

Welche Möglichkeiten wir im direkten Umgang mit Wut und Aggression bei unseren Kindern haben, gibt es im zweiten Teil des Beitrags  zum Nachlesen.



EIN ARTIKEL VON
  • Bettina Fauler

    Ich lebe mit meinem Partner und unserem Sohn in Tirol. Hauptberuflich bin ich Mama, auch wenn ich Teilzeit als Sonderkindergartenpädagogin, Elternbildnerin und Trainerin arbeite. Ich erlebe einen abwechslungsreichen (Erziehungs-)Alltag, den ich gerne mit anderen teile.


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