8. März 2016

Ein Dankesbrief an alle Frauen und Mütter

Weltfrauentag-Dankesbrief an alle Frauen - meinefamilie.at

Frauen werden nach ihrem Aussehen bewertet, erfahren Nachteile wegen ihrem Muttersein, erfahren schon als Mädchen sexuelle Gewalt. Frauen sind anders als Männer und das ist gut so. Sie verdienen Würde und Würdigung für ihr Talent, Menschen insbesondere mit dem Herzen zu sehen. Ein Dankesbrief von Papst Johannes Paul II an die Frauen – hier in gekürzter Fassung anlässlich des Weltfrauentages.

Dank sei dir, Frau als Mutter, die du dich in der Freude und im Schmerz einer einzigartigen Erfahrung zum Mutterschoß des Menschen machst, die du für das Kind, das zur Welt kommt, zum Lächeln Gottes wirst, die du seine ersten Schritte lenkst, es bei seinem Heranwachsen betreust und zum Bezugspunkt auf seinem weiteren Lebensweg wirst.

Dank sei dir, Frau als Braut, die du dein Schicksal unwiderruflich an das eines Mannes bindest, in einer Beziehung gegenseitiger Hingabe im Dienst an der Gemeinsamkeit und am Leben.

Dank sei dir, Frau als Tochter und Frau als Schwester, als berufstätige Frau,…

Dank sei dir, Frau, dafür, dass du Frau bist!

Durch die deinem Wesen als Frau eigene Wahrnehmungsfähigkeit bereicherst du das Verständnis der Welt und trägst zur vollen Wahrheit der menschlichen Beziehungen bei.

Die Frau wird in ihrer Würde verkannt

Wie oft wurde die Frau in ihrer Würde verkannt, in ihren Vorzügen entstellt, oft ausgegrenzt und sogar versklavt. Das hat sie daran gehindert, wirklich sie selbst zu sein, und hat die ganze Menschheit um echte geistige Reichtümer gebracht.

Wie viele Frauen wurden und werden noch immer mehr nach dem physischen Aussehen bewertet als nach ihrer Sachkenntnis, ihrer beruflichen Leistung, nach den Werken ihrer Intelligenz, nach dem Reichtum ihrer Sensibilität und schließlich nach der ihrem Sein und Wesen eigenen Würde!

Und was soll man zu den Hindernissen sagen, die in vielen Teilen der Welt den Frauen noch immer die volle Einbeziehung in das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Leben verwehren?

Man denke nur daran, wie das Geschenk der Mutterschaft, dem doch die Menschheit ihr eigenes Überleben verdankt, oft eher bestraft als belohnt wird.

Es ist sicher noch viel zu tun, damit das Dasein als Frau und Mutter keine Diskriminierung beinhaltet.

Wir brauchen Frauen für den Fortschritt

Die wichtigste Dimension des Fortschritts ist die ethisch-soziale Dimension, die die menschlichen Beziehungen und die Werte des Geistes betrifft: Was diese Dimension betrifft, die sich, angefangen von den Alltagsbeziehungen zwischen den Personen, besonders innerhalb der Familie, oft ohne alles Aufsehen, entfaltet, ist die Gesellschaft dem »Genius der Frau« gegenüber in weiten Teilen Schuldnerin.

Die anstehenden, sehr ernsten Probleme werden in der Politik der Zukunft in immer stärkerem Maß die Miteinbeziehung der Frau erleben: Freizeit, Lebensqualität, Wanderbewegungen, soziale Dienste, Euthanasie, Drogen, Gesundheitswesen und Fürsorge, Ökologie usw.

Für alle diese Bereiche wird sich eine stärkere soziale Präsenz der Frau als wertvoll erweisen, denn sie wird dazu beitragen, die Widersprüche einer Gesellschaft herauszustellen, die auf bloßen Kriterien der Leistung und Produktivität aufgebaut ist.

Und sie wird auf eine Neufassung der Systeme zum großen Vorteil der Humanisierungsprozesse drängen, in denen sich der Rahmen für die »Zivilisation der Liebe« abzeichnet.

Ein positiver Weg, die Frau anzuerkennen

Der großartige Befreiungsprozess der Frau »war ein schwieriger und komplizierter Weg, nicht immer frei von Irrtümern, aber im Wesentlichen ein positiver Weg, auch wenn er noch unvollendet ist auf Grund der vielen Hindernisse, die in verschiedenen Teilen der Welt im Wege stehen, dass die Frau in ihrer besonderen Würde anerkannt, geachtet und aufgewertet wird.«

Wenn der Körper der Frau zum Objekt wird

Es ist an der Zeit, die Formen sexueller Gewalt, deren Objekt nicht selten die Frauen sind, nachdrücklich zu verurteilen und geeignete gesetzliche Mittel zur Verteidigung hervorzubringen. Im Namen der Achtung der menschlichen Person müssen wir außerdem Anklage erheben gegen die verbreitete, von Genusssucht und Geschäftsgeist bestimmte Kultur, die die systematische Ausbeutung der Sexualität fördert, indem sie auch Mädchen im jungen Alter dazu anhält, in die Fänge der Korruption zu geraten und sich für die Vermarktung ihres Körpers herzugeben.

Mann und Frau sind zur gegenseitigen Hilfe erschaffen

»Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht« (Gen 2, 18). Der Erschaffung der Frau ist also von Anfang an das Prinzip der Hilfe zugeordnet nicht – man beachte – einseitige Hilfe, sondern gegenseitige. Die Frau ist die Ergänzung des Mannes, wie der Mann die Ergänzung der Frau ist: Frau und Mann ergänzen sich gegenseitig.

Die Weiblichkeit verwirklicht das »Menschliche« ebenso wie die Männlichkeit, aber mit einer andersgearteten und ergänzenden Ausgestaltung.

Wenn die Genesis von »Hilfe« spricht, bezieht sie sich nicht nur auf den Bereich des Tuns, sondern auch auf den des Seins.

Die Hingabe der Frau

Möge die volle Wahrheit über die Frau zutage treten. Man möge wirklich den »Genius der Frau« gebührend hervorheben.

Nicht nur die großen und berühmten Frauen der Vergangenheit oder unserer Zeit sollten berücksichtigt werden, sondern auch jene einfachen Frauen, die ihr Talent als Frau in der Normalität des Alltags im Dienst an den anderen zum Ausdruck bringen.

Denn besonders in ihrer Hingabe an die anderen im tagtäglichen Leben begreift die Frau die tiefe Berufung ihres Lebens, sie, die vielleicht noch mehr als der Mann den Menschen sieht, weil sie ihn mit dem Herzen sieht. Sie sieht ihn unabhängig von den verschiedenen ideologischen oder politischen Systemen. Sie sieht ihn in seiner Größe und in seinen Grenzen und versucht, ihm entgegenzukommen und ihm eine Hilfe zu sein.

Dies ist eine gekürzte Fassung des Briefs von Johannes Paul II an die Frauen aus dem Jahr 1995.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gudrun Kugler

    Ich bin Juristin, Theologin und Mutter von vier Kindern. Im Wiener Landtag und Gemeinderat bin ich Politikerin, leite die Online-Dating-Agentur www.KathTreff.org für katholische Singles und bin Autorin von Büchern über Menschenrechte sowie Lebensfragen, z.B. „Niemand ist eine Insel – wie man den Partner fürs Leben findet“.


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