21. Dezember 2017

Weihnachten in Bethlehem – unser Heiliger Abend

Weihnachten in Bethlehem – unser Heiliger Abend - meinefamilie.at

So feiern wir den Heiligen Abend: Wenn Jesus bei uns Geburtstag feiert, gestalten wir einen besonderen Abend. Wir erzählen nicht nur die Weihnachtsgeschichte, sondern spielen sie auch in etwas anderer Form.

Für unsere Familie war das Weihnachtsfest immer ein ganz besonderer Höhepunkt des Jahres. Lebten wir doch nur eine gute halbe Stunde zu Fuß von der Geburtsgrotte in Betlehem entfernt. Nun war der lang ersehnte 24. Dezember herangerückt. Vor dem Abendessen lasen wir rundum die Weihnachtsgeschichte, sodass jedes Kind seinen Teil ganz besonders in Erinnerung behalten konnte. Ein Freund aus Wien hatte uns eine „Bröseldose“ geschenkt mit kleinen Papierröllchen drin, wie man sie sonst bei Weihnachts-Tombola-Veranstaltungen findet. In dieser Box aber gab es keine Nieten, sondern nur Volltreffer mit je einer Bibelstelle.

Bei Emmanuel zum Beispiel stand drauf: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Auf dem Los von Elizabeth hieß es: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht ins Himmelreich eingehen.“ Mirjam hatte das Los gezogen: „Freut euch allezeit!“ Auf Mamas Los stand: „Wer mich liebt, dem werde ich mich offenbaren.“ Und auf dem von Papa: „Das größte von allem aber ist die Liebe“. So hatte jeder von uns seine Losung für diese Weihnachtszeit bekommen.

Eine Weihnachtsgeschichte spielen

Nach dem Abendessen spielten wir für die Oma, die natürlich auch anwesend war, eine kleine Weihnachtsgeschichte (nach Leo Tolstois „Der Schuster Martin“)

„Das Kalenderblatt in der warmen Stube von Anna und Franz zeigte den 24. Dezember an. Die beiden waren schon fast zehn Jahre verheiratet. Wie gerne hätten sie sich Kinder gewünscht. Und noch immer hallte kein frohes Kinderlachen durch ihr Haus. Anna hatte vor ein paar Jahren durch ein tückisches Augenleiden fast ihre ganze Sehkraft verloren. Und Franz war beim Holzfällen in letzten Winter von einem schweren Baumstamm getroffen worden. Seitdem saß er querschnittsgelähmt in einem Rollstuhl. Trotz all dieser „Schicksalsschläge“ war ihre gegenseitige, unerschütterliche Liebe zueinander noch mehr gewachsen und ihr fester Glaube an die Fügungen des Himmels.

„Franz, Franz“, rief plötzlich Anna. Da ist ein Lichtschein, der die Dunkelheit meiner Augen durchbricht. Siehst du nicht dieses helle Licht?“ – „Ja, Anna, auch ich kann es jetzt ganz deutlich wahrnehmen!“ Und siehe da, da stand inmitten der Wohnstube eine Lichtgestalt. „Fürchtet euch nicht!“ sagte der überirdische Bote. „Ich bringe euch eine frohe Nachricht ins Haus. Heute Abend will der Heiland selbst bei Euch zu Gast sein!“ Und noch ehe Franz und Anna sprachlos vor Erstaunen etwas sagen konnten, war die himmlische Erscheinung wieder verschwunden.

„Hast du es gehört, Franz“, rief Anna ganz außer sich vor Aufregung. „Jesus möchte heute seinen Geburtstag bei uns feiern.“ – „Ja, welch eine Freude!“

Da klopfte es draußen an die Tür. Und ehe sich Franz mit seinem Rollstuhl dorthin bewegen und öffnen konnte, da steckte schon ein kleines, etwa fünfjähriges Mädchen seinen schwarzen Lockenkopf zur Tür herein. Es zitterte vor Kälte. „Ich heiße Natalie. Meine Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll. „Möchtest du bei uns bleiben?“ – „Ja gerne, wenn ich darf.“ – „Wir wollen dir Vater und Mutter ersetzen“, sagte Franz mit feuchten Augen. „Immer haben wir uns Kinder gewünscht. So ist das Zimmer schon für dich bereit. Sogar Puppen und Spielsachen gibt es darin.“ Da nickte das kleine Mädchen voller Dankbarkeit und schlang seine kalten Ärmchen um das glückliche Ehepaar.

Nach einer Weile klopfte es wiederum an die Tür. „Das wird sicher Jesus sein“, rief Anna. Und ihre Wangen glühten in freudiger Erwartung. „Schau mal bitte nach, kleine Natalie! Vielleicht kannst du ihn gleich ins Wohnzimmer führen.“ Da stand vor ihnen ein ärmlich gekleideter Mann. „Ach“, seufzte er. „Ich bin ganz verzweifelt. Meine Frau liegt mit einer schweren Lungenentzündung im Bett. Gerade war der Doktor da und hat ihr eine starke Medizin verschrieben. Ich habe dem Arzt unser letztes Geld für seinen Krankenbesuch gegeben. Aber jetzt kann ich die Medizin in der Apotheke nicht mehr bezahlen. Was soll ich nur tun?“ „Du, Franz“, sagte Anna; „schau mal in der Haushaltskasse nach. Da muss noch etwas Geld drin sein.“ Da schüttete Franz den ganzen Inhalt des Geldbeutels auf den Tisch. „Das ist ja genau der Betrag, den die Apothekerin für die Medizin verlangt hat“, rief der fremde Mann aus. „Stecken sie das Geld ruhig ein und eilen sie schnell zur nächsten Apotheke, um ihrer kranken Frau Linderung zu bringen“, sagte Franz. „Aber das ist doch Ihr Haushaltsgeld für die kommende Woche“, stotterte der fremde Mann.“ „Machen Sie sich keine Sorgen“, ermutigte ihn die blinde Anna. „Heute hat sich der Heiland zu Gast bei uns angesagt. Und da wollen wir uns nicht ängstlich um das Morgen sorgen.“ – „Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll“, sagte der fremde Mann voller Freude und stürmte zur Tür hinaus.

Wenn Jesus bei uns Geburtstag feiert

Die blinde Anna und der gelähmte Franz saßen immer noch voller Erwartung mit Natalie auf dem Sofa in der guten Stube. Sie warteten und warteten. Es verging eine Stunde nach der anderen. Mitternacht rückte schon heran. „Ob uns der Heiland vergessen hat?“, meinte Franz schließlich. Und eine leichte Enttäuschung schwang in seiner Stimme mit. „Der Engel hatte uns doch sein Kommen versprochen“, meinte Anna beharrlich. Und während die beiden ihren Zweifel und bangen Fragen nachhingen, da stand plötzlich wieder die gleiche Lichtgestalt in ihrer Mitte. „Habt ihr immer noch nicht begriffen“, fragte sie der göttliche Bote, „dass der Heiland der Welt euch heute schon besucht hat: In der kleinen Natalie, der ihr ein neues Heim geschenkt habt. In dem fremden, verzweifelten Mann, der durch eure großzügige Hilfe seiner todkranken Frau die nötige Medizin kaufen konnte. Jesus ist sehr froh darüber, dass er auf diese Weise in eurer Mitte sein konnte.“

Da fiel es den beiden wie Schuppen von den Augen. Und als sich Anna die Freudentränen abgetrocknet hatte, da schrie sie hell auf: „Franz, ich kann dich sehen. Mein Augenlicht ist wieder da. Und ohne sich seiner Lähmung bewusst zu werden, sprang Franz von seinem Rollstuhl auf, warf seine Krücken in die Ecke und umarmte voller Dankbarkeit und Glück seine Frau.“

Die Geschichte des Hl. Nikolaus

Weihnachten in Bethlehem – unser heiliger Abend - meinefamilie.atDann kam natürlich die Bescherung. Wie erklärten unseren Kindern, dass Papa sich als Sankt Nikolaus verkleiden und die Geschenke verteilen wird. Als sie die wahre Geschichte des Heiligen Nikolaus vorher erfahren wollten, erklärte ihnen Mama, dass er nicht der Weihnachtsmann mit dem langen weißen Bart, dem roten Umhang und dem Sack voller Geschenke war, wie ihn Hollywood in zahlreichen Walt Disney-Filmen geschaffen hat: „Nikolaos lebte um die Zeit von 270-346. Das Licht der Welt hatte er in Patara, einer Stadt in der heutigen Türkei, erblickt. Verschiedene Berichte erzählen uns von seinem selbstlosen Handeln den Armen gegenüber. Am bekanntesten ist die Geschichte von einem Vater, der mit seinen drei Töchtern in großen wirtschaftlichen Nöten lebte. Da er für sie nicht die Mitgift für eine Heirat aufbringen konnte, beschloss er in seiner Verzweiflung, seine Kinder zu verkaufen.

Dieses schreckliche Ansinnen kam Nikolaos zu Ohren. Und dieser legte sich einen Plan zurecht: In einer sternlosen Nacht drang er in das Zimmer der Töchter ein. Durch ein unachtsames Geräusch schreckte eines der Mädchen vom Schlaf auf. Beim Anblick des Fremden begann sie voller Panik zu schreien. Dadurch aufgeschreckt sprang nun auch der Vater von seinem Lager auf und fasste den Eindringling an seinem Mantel. Schon wollte er ihn als Dieb verprügeln, als er merkte, dass Nikolaos drei kleine Säckchen voller Münzen fallen ließ. Der Eindringling erklärte den aufgeschreckten Leuten das Motiv seines nächtlichen Besuchs. Eigentlich wollte er völlig unbemerkt dieses Geld hinterlassen für die Mitgift der drei Töchter. Doch je mehr er beteuerte, niemand solle davon erfahren, desto mehr erzählten die Überglücklichen von dem nächtlichen Ereignis.

Der heilige Mann mit dem milden und großzügigen Herzen ging in die Geschichte ein, als er Bischof Nikolaos von Myra wurde. Er ist der Schutzheilige der Stadt Beit-Jala, zwei Kilometer östlich von Betlehem. In der Tat lebte er dort als Mönch für einige Zeit als Einsiedler in einer Grotte. Noch heute wird sie dem Besucher in der Krypta der griechisch-orthodoxen St.-Nicola-Kirche gezeigt. Die Leute von Beit Jala nennen ihn liebevoll „Vater Nicola“. Und sie wissen vieles von seiner wundersamen Hilfe bis heute zu berichten.

Der Heilige Nikolaus hat bis heute nicht aufgehört, die Menschen weiterhin zu beschenken. Aus seinen Gebeinen, die in der italienischen Stadt Bari ruhen, fließt immer noch wundersames Öl. Die Christen von Beit-Jala ließen sich eine solche wertvolle Ampulle durch einen befreundeten italienischen Priester als Reliquie schenken. In einer feierlichen Prozession wurde sie von allen Christen-Orthodoxen, Lateinern und Protestanten wie im Triumphzug durch die Straßen der Stadt getragen. Der heilige Nikolaus hatte nicht nur sie alle an diesem Sonntag vereint. Er war gleichsam nach 1600 Jahren wieder in seine Stadt zurück gekehrt.“

Nach der Bescherung machten wir uns auf in Richtung Hirtenfeld. Dort feierten wir mit anderen deutschsprachigen Christen in einer Grotte, in der vor 2000 Jahren die Hirten die Frohe Botschaft von der Geburt des Erlösers vernommen hatten, die Heilige Christmette. Jesus wurde erneut in unseren Herzen geboren.



EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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