2. Dezember 2018

Je mehr Geschenke, desto größer die Freude?

je mehr geschenke - meinefamilie.at

Weihnachten. Das viel gerühmte Fest der Liebe. Und der Geschenke. Ich gehöre zu jenen Eltern, die angesichts drohender Geschenketürme für ihre Kinder eher unruhig werden. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Ich gönne meinen Söhnen alles, was ihnen gut tut. Und Geschenke dürfen da zu Weihnachten natürlich nicht fehlen.  Aber ich bin der Überzeugung, dass zu viele Packerl eben nicht gut tun. Egal ob zu Weihnachten oder zwischendurch.

Ein Zuviel tut nicht gut

Das heurige Jahr brachte für meinen großen Sohn oftmals Wogen von Geschenkefluten. Als sein Bruder geboren wurde, hatte so ziemlich jeder Gast, der uns zum ersten Mal besuchen kam, auch ein Mitbringsel für den Großen dabei. Das ist an sich natürlich eine feine Idee, denn man möchte ja keine Eifersucht ins lodernde Bruderherz gießen. Aber nach geraumer Zeit fand ich es dann doch komisch, dass mein Sohn sich sofort nach einem Geschenk erkundigte, sobald Besuch eintraf. Und zwar nicht mehr mit dieser aufgeregten Vorfreude, sondern mit dem etwas gelangweilten, abgebrühten Blick eines Dauerbeschenkten. Und das ist der springende Punkt. Ein ständiger Erhalt von neuen Dingen lässt für Jubel wenig Platz. Folglich wird dem Kind paradoxerweise etwas Wesentliches weggenommen, wenn es zu viel erhält: Die Fähigkeit sich wirklich freuen zu können.

Die Gabe, Freude zu empfinden

Kinder können sich freuen. Und wie. Dafür braucht es nicht zwangsläufig gekauftes Blinkblink und Glitzer und Tüt-tüt. Was sich Erwachsene in Achtsamkeitsseminaren zurückerobern möchten, besitzt mein zweijähriger Sohn: Die Gabe, im Alltäglichen den Zauber des Beschenktseins zu erkennen: Die rot gewordene Erdbeere im Blumenkisterl – hurraaa! Der neu entdeckte Spielplatz in unserer Gegend – hurraaa! Schuhabdrücke im ersten Schnee machen – hurraaa! Mehr als das 32. Matchboxauto wünsche ich meinen Kindern, dass sie sich diese wertschätzende Wahrnehmung so gut wie möglich bewahren können.

Ein ständiger Erhalt von neuen Dingen lässt für Jubel wenig Platz.

Und klar: Auch die Gaben unter dem Weihnachtsbaum sind Geschenke, über die hoffentlich Freude empfunden wird. Wenn aber das zehnte Packerl mit überforderten, müden Kinderaugen lustlos aufgemacht würde, dann fände ich das traurig – für die Schenkenden, aber vor allem für das Kind. Und wenn es für Letzteres ohnehin Usus ist, während des Jahres regelmäßig mit neuem Zeug überschüttet zu werden, dann ist es umso trauriger. Denn dann gibt es nichts mehr „wirklich Besonderes“. Dann wird alles blass und grau. Hier das erhaschte Plastiksonderangebot zwischendurch, da der überdimensionale Adventkalender, der bereits  an  24 Tagen vor dem Weihnachtsfest Spielzeug bereithält. Und irgendwann halt auch noch die Bescherung. Ach, welch Zauber….

Was tun gegen Überbeschenkung?

Kommunikation ist natürlich das naheliegende Geheimnis des Erfolgs. Diejenigen, die meine Kinder gerne beschenken möchten, werden über konkrete Wunschäußerungen informiert. Und sie werden gebeten, darüber hinaus keine übertriebenen Geschenke mitten im Jahr zu verteilen. Selbstverständlich darf man meinen Söhnen gerne mit Kleinigkeiten eine Freude machen – wir sind keine Konsumverweigerer. Aber zwischendurch sollen es halt eher die neuen Buntstifte sein statt einer neuen Legowelt.

Zusätzlich habe ich mir angewöhnt, unerwartet eintrudelnde Großgeschenke im Kasten zu verstauen. Das funktioniert natürlich nur, wenn mein älterer Sohn sie zuvor nicht gesehen hat. Und nur, wenn ich den Schenker nicht zu sehr damit enttäusche – das ist immer eine Frage des Abwägens. Wenn ich denke, dass es okay ist, sage ich  ganz klar: “Das ist ein tolles Geschenk, im Moment haben wir nur so viel Neues bekommen, daher hebe ich das noch auf.“ Und tatsächlich: Unter dem Weihnachtsbaum werden sich heuer fast ausschließlich Geschenke dieser „Sammlung“ befinden. Die Sammlung und wir. Vier Menschen, die am Weihnachtsabend hoffentlich strahlen werden, weil sie wissen, wie tiefgreifend und vielfältig sie vom eigentlichen Geber beschenkt sind.

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EIN ARTIKEL VON
  • Julia Pass

    Beruflich bin ich als AHS-Lehrerin tätig, derzeit jedoch bei meinen kleinen Söhnen zuhause. Meine Kinder sind die fantastischsten Geschenke, die ich jemals bekommen habe, und mit ihnen entdecke ich vieles neu: mich, Gott und die Welt. Auf meinem Blog www.vielfaltigkeit.at schreibe ich neben anderen christlichen Themen über gelebten Glauben mit Kindern.


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