17. Dezember 2015

Christkind oder Weihnachtsmann?


Ja, was denn nun: Christkind oder Weihnachtsmann? Und was ist mit dem Nikolaus? Oder sind die eh alle eins? Interessante Hintergründe zum Weihnachtsfest.

„Alle Jahre wieder“ kommt der Advent und am Ende dieser 24 Tage das Weihnachtsfest. Ebenfalls alle Jahre wieder bin ich erstaunt, mit welch lustigen Ansichten Kinder aus dem Kindergarten in die Vorschule oder 1. Klasse kommen. Besonders interessant finde ich es, wenn Kinder stock und steif behaupten: „Das Christkind ist ein Mädchen!“ oder beschließen, heuer „auch dem Weihnachtsmann“ zu schreiben, denn das Christkind habe im letzten Jahr nicht alles Gewünschte gebracht … Ja, was denn nun: Christkind oder Weihnachtsmann? Und was ist dann mit dem Nikolaus? Oder sind die eh alle eins? Eben eine „Christweihnachtslaus“?

Nikolaus von Myra

Der Heilige Nikolaus, der (ungefähr) im Jahr 342 am 6. Dezember gestorben ist, war ein Bischof in der heutigen Türkei. Ihm verdanken unsere Kinder, dass sie jedes Jahr am 6. Dezember Mandarinen, Nüsse und vielleicht auch kleine Geschenke, auf jeden Fall aber Schokolade in ihren Stiefeln finden. Warum aber ausgerechnet in den Stiefeln? Nun ja, um den Heiligen Nikolaus ranken sich so manche Legenden, die bekannteste aber, und die, auf die der Brauch der nächtlich überbrachten Geschenke zurückgeht, ist diese: Nikolaus, der sehr oft armen und bedürftigen Menschen half, soll unter anderem einem sehr armen Vater von drei Töchtern heimlich in der Nacht durchs Fenster Gold ins Haus gelegt haben, damit die Mädchen nicht betteln gehen mussten. Nun stehen die Stiefel in unseren Breitengraden nah bei der Tür, oft sogar vor der Türe. Wenn also jemand heimlich ins Haus kommt, trifft er als erstes eigentlich auf die Schuhe und so legt der Nikolaus seine Gaben in den Schuhen oder Stiefeln ab und benutzt sie dieser Art als Behälter. Dies macht er in Erinnerung an den Heiligen Nikolaus von Myra bei Nacht! Zu erkennen ist der Heilige Nikolaus übrigens an seiner Mitra (Bischofshut) und dem gebogenen (Hirten-)Stab.

Der Weihnachtsmann

In den Zeiten der Globalisierung begegnen unsere österreichischen Kinder aber natürlich auch oft dem so genannten „Weihnachtsmann“. Für viele mag es überraschend kommen ,aber der Weihnachtsmann ist eigentlich mit dem Heiligen Nikolaus ident! Denn: In den Ländern, in denen der Weihnachtsmann mit seinen Geschenken zu den Kindern kommt, heißt er „Santa Claus“ – der englische Name für Heiliger Nikolaus.

Seltsam ist allerdings, dass der Nikolaus in Amerika eben nicht am 6. Dezember kommt, sondern erst zu Weihnachten (übrigens legt er seine Geschenke dort in Strümpfen ab, nicht in Stiefeln …). Und noch etwas ist seltsam: Dort trägt er keine Mitra, sondern eine rote Zipfelmütze mit weißem Fellrand und Bommel. Und diese Darstellungen sind es auch, die unsere Kinder verwirren: Schokoladenikolos sind eigentlich Weihnachtsmänner, in der Werbung begegnet uns in der Vorweihnachtszeit „an jedem Eck und End“ der Weihnachtsmann – live oder auf Plakaten, im Fernsehen oder in Zeitschriften.

Das kann man aber ziemlich leicht erklären: Da der Nikolaus so lange von Europa nach Amerika braucht – nämlich von 6. bis 25. Dezember ( und dass er auch in Norddeutschland, Skandinavien und anderen evangelisch geprägten Ländern der Gabenbringer zu Weihnachten ist, muss ein Kindergartenkind ja noch nicht erfahren …) – benötigt er erstens ein Gefährt, den berühmten Rentierschlitten, und zweitens wird ihm auf dieser Reise bestimmt kalt, deshalb tauscht er Mitra gegen Zipfelmütze aus!

Das Christkind

Wir als katholische Christen in Österreich haben das Christkind als Gabenbringer für die Kinder: das Christkind, Jesus Christus selbst, dessen Geburtstag wir zu Weihnachten feiern. Damit müsste eigentlich jedem Kind, auch dem kleinsten, klar sein, dass das Christkind ein Bub ist. Sämtliche Engerln oder Christkinderln auf den Weihnachtsmärkten sind eben einfach nur verkleidete Studentinnen (!, ja, weiblich!), die meist diesen kleinen Nebenjob haben.

Geschenke vom Christkind? Oder …?

Jesus Christus ist und bleibt das größte Geschenk Gottes an uns Menschen. Gott liebt uns und sandte uns seinen Sohn zur Erde, kam als Mensch in die Welt.

Zum Zeichen dieser Freude beschenken wir uns zu Weihnachten – am Fest der Liebe – gegenseitig und sagen den Kindern, das Christkind komme mit Geschenken. Viele meiner Freunde waren als Kinder ganz entsetzt, als sie hörten, dass ihre Eltern die Geschenke unter den Baum legten. Ich kann mich an diese „Entzauberung“ nicht mehr erinnern, sie dürfte also nicht so hart gewesen sein. Dennoch habe ich einen Weg gefunden, meinen Kindern einen solchen „Schock“, wie ihn viele haben, zu ersparen: Ich spreche von Anfang an davon, dass wir uns etwas „zum Christkind“ oder „zu Weihnachten“ wünschen. „Vom Christkind“ sagen wir so selten wie möglich. Es gibt auch immer ein Geschenk, von dem meine Kinder dezidiert wissen, dass es von mir ist: Es steckt in einem selbstgenähten, jährlich wieder verwendeten Stoffsäckchen und ist daher leicht erkennbar: „Ah, das hat mir Mama geschenkt! Weil sie mich lieb hat …“

Weihnachten in einer globalisierten Welt

Nicht alle Kindergarten- oder Schulfreunde unserer Kinder feiern das Weihnachtsfest als Fest der Geburt Jesu Christi. Kinder begegnen den verschiedensten Formen und Interpretationen. Sie sind neugierig und wissbegierig und hinterfragen mehr als wir manchmal wahrhaben wollen.

Hier die wissenschaftlichen Fakten und Daten zu Weihnachten, Nikolaus und daher auch zum Weihnachtsmann als Geschenkebringer:

Das Fest ,,Geburtstag des Herrn” wird erst seit dem Jahr 336, als nämlich Kaiser Konstantin zum Christentum übertrat, gefeiert und zwar am 25. Dezember. Erst im 9. Jahrhundert wurde es zum gesamtkirchlichen Feiertag. Ursprünglich war das Weihnachtsfest kein Fest der Geschenke, denn diese gab es erst am 28. Dezember, dem damaligen Gedenktag für den Hl. Nikolaus, der seit dem 6. Jahrhundert belegt ist. Erst im 13. Jahrhundert wurde das Fest zu Ehren des Heiligen Nikolaus auf den 6. Dezember vorverlegt.

Dass es heute zweimal Geschenke für unsere Kinder gibt, zu Nikolaus und zu Weihnachten liegt wohl an dieser Verlegung und an Martin Luther: Er regte 1535 an, das Schenken mit dem Weihnachtsfest zu verbinden: als symbolischen Hinweis darauf, dass Christus selbst das Geschenk Gottes an die Menschen ist. (Herzer, Jens: Die Ursprünge der kirchlichen Feste. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 2006, S. 112 ff.)

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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