28. Oktober 2018

Von Namensheiligen und Allerheiligenstriezeln


Allerheiligen und Allerseelen – manche Eltern sind nicht damit einverstanden, dass der Festtag Allerheiligen und der Gedenktag Allerseelen von “Halloween” verdrängt werden. Wer nach spannenden Alternativen für sich und seine Kinder sucht, wird hier fündig. Anita Nussmüller stellt zwei Ideen vor, die mindestens genau so unterhaltsam aber pädagogisch wertvoller und wesentlich lehrreicher sind als das alljährliche Spektakel um beleuchtete Kürbisse.

Der Festtag „Aller-Heiligen“ ist als Sammelfest für alle Heiligen gedacht, die mit keinem eigenen Festtag im Kalender verankert sind. Dem Festtag „Allerheiligen“ folgt seit dem 9. Jahrhundert der Gedenktag „Allerseelen“. An diesem Tag gehen viele Leute zum Friedhof um ein Licht für ihre verstorbenen Familienmitglieder oder Freunde zu entzünden. Dieses Licht, die Grabkerze, soll zum Ausdruck bringen: „Du lieber Mensch, ich sehe dich nicht, möchte mich aber mit dir verbunden fühlen. Ich wünsche, dass es dich noch gibt und dass du im Ewigen Licht Gottes lebst.“

Christliche Feste neu kennenlernen

In den letzten Jahren wurde Allerheiligen/ Allerseelen jedoch oft von Halloween, dem vor allem in englischsprachigen Ländern üblichen Brauch, in den Schatten gestellt. In meiner Jahresfestkreisgruppe wird gemeinsam das Wissen rund um christliche Feiertage erarbeitet. Was ein Kind nicht nur hört, sondern als Bild sieht, als Teil einer Gemeinschaft erlebt, als Speise verkostet und als Lied singt, wird es verinnerlichen. Damit entstehen Interesse für ein Fest.
In meinen Gruppen kommen über das ganze Jahr verteilt Familien zusammen, um gemeinsam mit den Kindern, spielerisch über die verschiedenen christlichen Feiertage zu lernen. In dem Treffen zu Allerheiligen und Allerseelen im November spreche ich mit den teilnehmenden Familien unter anderem über Heilige als Namenspatron. Die Kinder können erforschen, woher ihr Name stammt, wer ihr Namenspatron ist und über das Leben der Heiligen erfahren – natürlich in kindgerechter Sprache, damit auch die Kleinsten gespannt lauschen und den Geschichten folgen können. Ich habe einige Ideen zusammengefasst, die Sie gemeinsam mit Ihren Kindern zuhause nachmachen können.In unseren Jahresfestkreisgruppen backen wir zu jedem Fest das traditionelle Gebildebrot – zu Allerheiligen sind es Germteigstriezel in Form von Himmelsleitern. Das Rezept und die einfache Anleitung finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Einblick in unsere Jahresfestkreisgruppe

Mein Namenspatron – spielerisch den eigenen Namen erforschen

Sucht in den Büchern oder im Heiligenlexikon im Internet eure Namen heraus und versucht, diese Fragen zu beantworten:

  • Was bedeutet mein Name?
  • Wer ist mein Namenspatron?
  • Was kann ich über sein/ihr Leben herausfinden?

Gestaltet dazu eine persönliche Namens-Karte und malt sie aus. Sie kann zum Beispiel so aussehen:
Malvorlage Heilige (aus: Cech, Grötzl, Stohl: Heiligen-Malbuch, Salterrae)

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Oft ist es wichtig, die Heiligengeschichte in eine für die Kinder fassbare Sprache zu bringen, zum Beispiel:

Florian – 4. Oktober

Leben: Geboren in Zeiselmauer bei Tulln, gestorben am 4. Mai 304 in Lauriacum, heute Lorch an der Enns
Name bedeutet: der Blühende (latein.)
Zeichen: Römischer Soldat, Lanze, ein Haus löschend, Wasserkübel, Mühlstein

Eine Geschichte aus Florians Leben:
Florian war Amtsvorsteher in der römischen Provinz Ufer-Noricum. Nach seiner Pensionierung lebte er in Aelium Cetium – dem heutigen St. Pölten. Während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian wurden 40 Christen in Lorch ausgeforscht. Florian erfuhr davon und eilte nach Lorch, um ihnen zu helfen. Er wurde ebenso festgenommen. Ihm band man einen Mühlstein um den Hals und stieß ihn von einer Brücke in die Enns.
Der Mühlstein ist heute noch in der Stiftskirche von St. Florian bei Linz zu sehen. An dem Platz, wo Florian begraben wurde, steht heute die Kirche St. Florian.

Paula – 26. Jänner

Leben: geboren am 5. Mai 347 in Rom, gestorben am 26. Jänner 404 in Betlehem
Richtiger Name:
Paula von Rom
Bedeutung: Die Kleine (griech. – latein.)

Eine Geschichte aus ihrem Leben:
Paula war eine reiche Frau und Mutter von 5 Kindern. Sie genoss es, reich zu sein. Nach dem Tod ihres Mannes lernte sie mit 35 Jahren Hieronymus kennen und war beeindruckt davon, wie bescheiden er leben konnte. Sie verwandelte ihren Palast in ein Kloster und setzte ihr Geld für Arme und Kranke ein. Sie folgte Hieronymus nach Israel und baute dort eine Pilgerherberge. Obwohl sie früher so reich gewesen war, wollte sie jetzt in Betlehem ganz arm leben.
Noch heute kann man die vielen Briefe lesen, die Hieronymus an Paula geschrieben hat.
Paulas Grab ist unter der Geburtskirche Jesu in Bethlehem.

Legt jetzt mit Steinen euren Namen. Sprecht miteinander über eure Namen, wie kommt es, dass ihr so heißt? Welche persönliche Geschichte steckt hinter eurem Namen?

Den Namen mit Alltagsmaterialien oder Perlen legen und dazu mit den Eltern reden:

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Wer hat meinen Namen ausgesucht?

Kinder möchten oft wissen, warum sie gerade ihren Namen erhalten haben. Sprecht miteinander und erzählt euch die Hintergrundgeschichte zu den Namen eurer Kinder. Viele Kinder finden es sehr interessant zu erfahren, dass sie zum Beispiel nach ihrer Großmutter benannt wurden oder dass ihr Name in der Familie eine lange Tradition hat. Wenn das Kind einen “neuen” Namen hat, den in der Familie zuvor noch niemand getragen hat, erzählt wie ihr den Namen gefunden habt und weshalb er euch gut gefällt. Allerheiligen/ Allerseelen ist ein guter Zeitpunkt um über Namen und deren Bedeutung zu sprechen.

  • Hat in unserer Familie schon jemand diesen Namen gehabt?
  • Wenn nein: Wie seid ihr zu meinem Namen gekommen?
  • Wer steht hinter meinem Namen?
  • Nach welchem Menschen bin ich benannt?
  • Wie war sein Leben?

Allerheilingenstriezel backen

Etwas, was die Kinder garantiert gerne tun, ist gemeinsam backen. Der echte Allerheiligenstriezel ist eigentlich eine “Himmelsleiter” und steht für die Verbindung von Gott und Mensch – Himmel und Erde werden in ein Bildbrot symbolisiert. So sieht eine Himmelsleiter aus:

1. Ein Stück Germteig wird in ca. 6-8 gleich große Stücke geteilt
2. Aus jedem Stück wird ein Fragezeichen geformt? (Was ist das Leben? Was ist das Sterben?)
3. Diese Fragezeichen werden aneinandergereiht, wo der Teig sich berührt, mit Milch bestrichen.
4. Skizze:

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Rezept für ca. 7 große oder 14 kleine Himmelsleitern:

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Für das Dampfl:

  • 1 Würfel Germ
  • 1 EL Zucker
  • etwas lauwarmer Milch

Die Zutaten miteinander versprudeln und ca. 5 Minuten stehen lassen = „Dampfl“

Für den Teig

  • vorbereitetes Dampfl
  • 7 EL Zucker
  • 1 Pkg. Vanillinzucker
  • 4 EL Öl
  • ½ l lauwarme Milch
  • 4 Eier
  • Prise Salz
  • 1 kg Mehl

Sobald das Dampfl “bereit” ist können alle Zutaten einfach miteinander vermischt werden bis ein glatter Teig entsteht. Sollte der Teig noch zu sehr kleben geben Sie so lange Mehl bei, bis der Teig nicht mehr klebt und sich beim Rühren vom Rand der Schüssel löst. Diese Art von Teig ist sehr unkomplizierter, er eignet sich bestens für junge Hände!

Sobald der Teig für den Allerheiligenstriezel fertig ist, können die Gebildebrote geformt werden. Wenn alle mit dem Former ihrer Werke fertig sind, kann man die Brote mit Milch bestreichen und nach Belieben mit Hagelzucker bestreuen und bei ca. 180° backen bis sie goldig werden.

Anstelle von Germ kann auch Trockenhefe verwendet werden, das „Dampfl“ erübrigt sich dann, es können alle Zutaten sofort vermischt werden. (1 Pkg. Trockenhefe reicht für ½ kg Mehl)

Viel Spaß beim Backen Ihrer Allerheiligenstriezel, ich hoffe, dass Sie Spaß daran haben, sich mit unseren christlichen Feiertagen auseinanderzusetzen!

Informationen zur Jahresfestkreisgruppe:

Alle Termine 2018/19: Hier

Anita Nussmüller
Tel.: 0676 / 82 66 15 328
E-Mail: a.nussmueller@kirche.at

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EIN ARTIKEL VON
  • Anita Nussmüller

    Ich lebe in einer 4-Generationenfamilie - ideal für meine Arbeit als Referentin der Fachstelle Beziehung-Ehe-Familie. Es ist nicht einfach, meine eigenen Familien-Menschen mit meiner Begeisterung anzustecken – deshalb lebe ich meine Werte vor, hinterfrage mich selbst und erkläre warum ich tue was ich tue.


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