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Unser Familienritual “Sonntag begrüßen”

Vor über zwei Jahren ist uns die Idee gekommen, den Sonntag schon am Samstagabend zu beginnen und den Sonntag damit ein bisschen auszudehnen. Das ist eine alte jüdisch-christliche Tradition, denn eigentlich – liturgisch – beginnt der Sonntag am Samstag mit der Vesper, dem Abendgebet der Kirche. Wir haben uns dazu ein eigenes Ritual überlegt, mit dem wir den Sonntag begrüßen. Und das möchte ich euch heute vorstellen.

Unser „Sonntag-Begrüßen“ besteht aus drei Teilen: Gebet, Essen und Spielen. Um eines gleich vorweg zu sagen: Die Kinder lieben es! Wir zwingen ihnen keineswegs ein fades Gebetsprogramm auf, im Gegenteil: Sie freuen sich drauf und gerade der Gebetsteil, der alles in allem ungefähr zehn Minuten dauert, scheint sie zu faszinieren und ihre Herzen zu berühren. Aber natürlich läuft es nicht immer reibungslos und konfliktfrei – dann adaptieren oder kürzen wir.

Gebet

Wir nehmen in unserer „Gebetsecke“ vor einem Kreuz und einer aufgeschlagenen Bibel Platz. Zwei große Kerzen stehen bereit, dazu einige Teelichter. Ich begleite die Lieder an der Gitarre, die Kinder können mit Klangstäben, Trommel, Rasseln, Triangel, etc. mitspielen.

Das, was ich euch jetzt beschreibe, klingt vielleicht etwas kompliziert. Die vielen Teile des Gebets fügen sich aber gut ineinander – aber man kann natürlich auch nur das übernehmen, was für die eigene Familie gut passt.

Zwei Fragen am Beginn

Ein Erwachsener fragt: „Warum zünden wir heute eine Kerze an?“ Die Antwort der Kinder: Weil Gott am ersten Tag der Woche das Licht erschaffen hat. Ein Kind zündet die erste große Kerze an.

Dann noch einmal die Frage: „Und was feiern wir am ersten Tag der Woche?“ Die Antwort: Weil Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Ein anderes Kind zündet die zweite Kerze an.

Licht anzünden

Dieses Licht ist ein Zeichen für Jesus, der von sich sagt „Ich bin das Licht der Welt“. Wir beten für jeden von uns und für unsere Patenkinder, dass auch in unseren Herzen Jesus, das Licht, hell leuchtet. Dazu zünden wir für jede Person ein Teelicht an. Die Kinder tragen die Teelichter zum jeweiligen Platz am Esstisch bzw. stellen sie vor die Fotos der Patenkinder. Dazu singen wir „Du Licht vom Lichte“.

Lobpreis und Dank

Wir singen zwei oder drei Lieder für Jesus. Unsere Kinder lieben Lieder mit Bewegungen wie zum Beispiel „Herr, deine Gnade“ oder „Feuer und Flamme“.

Wir überlegen, wofür wir Jesus Danke sagen können und sprechen das aus. Nach jedem formulierten Dank sagen wir alle gemeinsam „Danke, Jesus!“

Evangelium

Wir singen „Wir halten die Bibel hoch“ (von den Kisi Kids), unser Jüngster nimmt die große Bibel und hebt sie mit Hilfe seines großen Bruders stolz über seinem Kopf hoch. Wir singen zusammen ein „Halleluja“ Dann lesen wir einen kleinen Abschnitt aus dem Sonntagsevangelium und singen wieder „Halleluja“. Dann fragen wir die Kinder, was sie gehört haben und überlegen, was das für unser Leben bedeuten kann.

Bitten und Vater unser

Wir laden die Kinder ein, nachzudenken, wer unser Gebet brauchen könnte. Wer mag, kann eine Bitte laut aussprechen. Wir antworten alle mit „Bitte, Jesus!“

Wir beten gemeinsam das „Vater unser“.

Segen

Mein Mann legt mit dem Ältesten beginnend jedem der Kinder die Hände auf den Kopf und spricht über jedes Kind den Segen des Aaron.

  • Der Herr segne dich und behüte dich.
  • Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
  • Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. (Numeri 6, 24-26)

Dazu formuliert er noch in freien Worten, worum er Gott für das Kind bittet.

Essen

Das Essen soll feierlich und besonders, aber deswegen nicht unbedingt aufwendig in der Vorbereitung sein. Wir decken den Tisch mit Tischtuch, Kerzen und Servietten – anders als im Alltag. Zum Essen gibt es Leckereien, die es unter der Woche normalerweise nicht gibt.

Irgendwann während des Essens gibt es das „Weinglas-Ritual“, das ausdrücken soll, wie reich uns Gott beschenkt. Ein Erwachsener füllt in ein leeres Weinglas Wein fast bis zum Rand. Dann fragt er: „Wenn Gott, der Vater, seinen Kindern etwas Gutes gibt, denkt er dann: Mehr bekommen meine Kinder nicht!“ Alle antworten laut: „Nein, bis es überläuft!“ Der Erwachsene leert gerade soviel Wein dazu, bis er überläuft (um keine Überschwemmung zu haben, stellen wir das Glas in eine flache Glasschüssel).

Dreimal wiederholt der Erwachsene immer etwas abgewandelt die Frage, zum Beispiel: „Wenn Gott, der Vater, treu für uns sorgt, denkt er dann: So viel muss aber reichen?“ Alle: „Nein, bis es überläuft!“ Zum Schluss sagt der Erwachsene: „So ist es. Unser himmlischer Vater will, dass all dies in unserem Leben überfließt. Hinein in unser Leben und darüber hinaus zu den anderen. Seine Liebe und seine Güte ist ohne Ende.“

Wir versuchen, uns beim Essen an die vergangene Woche zu erinnern. Jeder erzählt, was er erlebt und besonders schön gefunden hat (so gut das eben mit unseren recht kleinen Kindern geht).

Spielen

Nach dem Essen spielen wir gemeinsam eine Runde Uno oder Mensch ärgere dich nicht. Und dann geht’s ab ins Bett!

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Sandra Lobnig :