10. Februar 2015

Was sind eigentlich Sakramente?


Wer Sakramente empfängt, wird mit dem Heiligen Geist „geprägt“, durch ihn „besiegelt“. Die enge Verbindung zu Gott wird auf diese Weise hergestellt. So können wir von einem neuen Leben sprechen.

Sakramente bewirken, dass Gott in unserem Leben wirkt

Der lateinische Begriff „sacramentum“ stammt aus der militärischen Welt der antiken Römer. Das Grundwort „sacer“ bedeutet „heilig“, das „sacramentum“ war also etwas Heiliges, was den Göttern geweiht war. Im Militärwesen wurde der Fahneneid, den die Soldaten leisten mussten, mit diesem Begriff bezeichnet. Unter Anrufung der Götter unterstellte sich der Soldat seinem Feldherrn und war ihm ganz zugehörig. Als sichtbares Zeichen dafür wurde ihm ein Siegel auf den Arm eingeprägt.

Der nordafrikanische Theologe Tertullian, Sohn eines römischen Offiziers, hat im späten 2. Jahrhundert diesen Gedanken aufgegriffen und den Begriff in die Theologie gebracht. Unter „Sakrament“ verstand er die Offenbarung des göttlichen Heilsplans, der zuvor verborgen gewesen war, durch die Menschwerdung Jesu Christi jedoch sichtbar wurde.

Sakramente: Symbole, dass Gott in unserem Leben ist

Dieses anschauliche Bild hilft uns zu verstehen, was der Begriff Sakrament bedeutet. Dieser ist ein Symbol für die Gegenwart Gottes in unserem religiösen Leben. An dieser Stelle lohnt sich aber, sich etwas mit dem Begriff „Symbol“ auseinanderzusetzen.

Der aus Numidien – dem heutigen Algerien – stammende große Kirchenlehrer Augustinus (354-430) hat Sakramente in die Gattung der Zeichen eingeordnet. Ein Zeichen gleicht nicht einem anderen Zeichen: Es gibt hierarchische Abstufungen.

Die einfachste Klasse bilden konventionelle Signale, z.B. Verkehrszeichen, Rauch- oder Feuerzeichen. Die Darstellungsart wird lediglich durch eine Übereinkunft erzielt. Darüber gibt es Zeichen, die abgesehen von der äußeren, stofflichen Darstellungsweise auf etwas Nichtmaterielles verweisen. Das kann z.B. eine Nationalfahne sein, welche die Geschichte, Kultur und Sprache einer Nation symbolisiert. Die Farbgebung zielt häufig bereits auf eine historische Bedeutung hin (bei der österreichischen Fahne ist es die Geschichte der Babenberger). Zu dieser Zeichenklasse kann aber auch ein Foto gehören, dessen materieller Wert gering ist, das aber starke emotionale Erinnerungen auslösen kann.

Wasser, Chrisamöl, Brot und Wein als Zeichen

Eine darüber hinausgehende Gattung bilden Zeichen, die nicht nur auf etwas verweisen, sondern deren stoffliche Beschaffenheit das Symbol beinhaltet, worauf sie sich beziehen. Als Beispiel können die Sakramente der Kirche angeführt werden: Die Taufe wird mit Wasser gespendet, weil das Wasser auf das ewige Leben verweist (Wasser bedeutet Leben, Reinigung). Bei der Firmung steht das Chrisamöl (Salbe) im Vordergrund, denn die Firmlinge werden auf den Namen Christi gesalbt (das griechische Wort „Christos“ bedeutet „der Gesalbte“). Die sichtbaren Zeichen der Eucharistiefeier sind Brot und Wein, ein Verweis auf das letzte Abendmahl. Damit werden einfache Zeichen zu Symbolen. Der Begriff „Symbol“ bezeichnete in der griechischen Antike ein Erkennungszeichen. Es beinhaltet ein sichtbares Zeichen und verweist gleichzeitig auf einen tieferen Sinn (z.B. haben sich Christen in der Zeit der römischen Christenverfolgungen mittels des Fisch-Symbols untereinander zu erkennen gegeben).

Das wichtigste menschliche Zeichen ist nach Augustinus aber das menschliche Wort, denn die Sprache schafft eine Verbindung zwischen der sichtbaren Welt und der nicht materiellen Wirklichkeit.

Bei der Spendung von Sakramenten wird Heiliger Geist gerufen

Über diesen menschlichen Zeichen stehen die Sakramente. Sie beinhalten das Element (Wasser, Öl, Brot und Wein…), den Verweis auf eine Bedeutung hinter diesem sichtbaren Zeichen, ein bezeichnendes Wort, das bei der Spendung gesprochen wird (z.B. bei der Taufe: „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“) und schließlich die Kraft Gottes. Bei der Spendung von Sakramenten wird der Heilige Geist gerufen. Dieser stellt die Verbindung zwischen dem Menschen und Gott her und bewirkt, dass die gespendeten Sakramente nicht bloß Erkennungszeichen oder Erinnerungsfeiern sind, sondern dass Gott in diesen Zeichen wirklich gegenwärtig ist und in uns wirkt.

Das meinte Tertullian, als er das Symbol des Siegels (des gebrannten Prägemals) aus der militärischen Welt in den theologischen Kontext übersetzte. Wer ein Sakrament empfängt, wird mit dem Heiligen Geist „geprägt“, durch ihn „besiegelt“. Die enge Verbindung zu Gott wird auf diese Weise hergestellt. So können wir von einem neuen Leben sprechen. Sakramente bewirken, dass Gott in unserem Leben wirkt.



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