5. Oktober 2016

Religiöse Kindererziehung ist für die Ewigkeit

Religiöse Kindererziehung - meinefamilie.at

Gedanken und praktische Tipps für die religiöse Kindererziehung, wie wir als Familie Gott im Alltag erfahrbar machen und religiöse Rituale gestalten.

Dieser Beitrag ist in der Zeitschrift „Familie als Berufung“ erschienen. Autor ist diesmal Familie Aichner, Schönstatt-Familientrainer aus Wien.

Eine Familie hat ein Baby bekommen und wurde in den Wochen nach der Geburt von einem Versicherungsmakler angerufen. Die Mutter hört sich die Ausführungen geduldig an und meint dann: „Mein Kind hat schon die beste Versicherung, die es gibt: Es ist getauft!“

Eltern haben – ganz natürlich – die Sehnsucht, ihren Kindern das Beste für das Leben mitzugeben. Das Beste – das ist auf der einen Seite eine gute Ausbildung, gute Umgangsformen, gesunde Ernährung, verschiedene Fähigkeiten (Musikinstrument, Fußball, Eislaufen, Schwimmen, …). Aber auf der anderen Seite auch das, was über das Leben hinausgeht: den Glauben, eine lebendige Beziehung zu Gott.

Glaube handfest durch Geborgenheit erfahren

Die Taufe – eine großartige Grundlage. Darauf kann man aufbauen! Allerdings bringt es wenig, dem Säugling von Sakramententheologie zu erzählen. Er muss den Glauben handfest und altersgerecht erfahren! Und das heißt konkret: Er muss Geborgenheit erfahren. Das sind Erfahrungen wie: Wenn ich Hunger habe, ist da die Mutter, die mich stillt. Wenn meine Windel voll ist, ist da der Vater, der mich wickelt. Wenn mir zu kalt, zu heiß, zu langweilig ist – ein paar Unmutsäußerungen, und ich werde hochgenommen. Da ist jemand, der sich um mich kümmert!

Diese Grunderfahrung kann das Kind später auf die Beziehung zu Gott übertragen: Ich bin nicht allein! Ich bin gehalten von jemandem, der größer ist als ich. „Wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir“, sagen uns die Psalmen (Ps 131).

Religiöse Kindererziehung durch Rituale

Wenn das Baby schlafen gelegt wird, mache ich ihm ein Kreuz auf die Stirn. Mit einem Kleinkind kann ich im Bett eine Geschichte lesen, danach den Tag anschauen und Gott für das Schöne danken. Und dann kommt es vor, dass das eineinhalbjährige Stillkind „Danke, Jesus, Brustschmausi“ sagt – das ist mit dem Leben verbundener Glaube!

Besonders wertvoll für die Einheit in der Familie ist ein gemeinsames Abendgebet.

Dazu suchen wir in unserer Wohnung einen schönen Ort: Kerzen werden angezündet, Lieder gesungen und dann danken wir Gott gemeinsam für den Tag. Wenn wir Anliegen haben, sagen wir sie Gott. Wir reden mit Jesus, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Nach dem Segen dürfen die Kleinsten die Kerzen ausblasen.

Wichtig dabei: Das sollte regelmäßig passieren, fix in den Tagesablauf eingeplant werden. Dieses kleine Ritual gibt den Kindern Sicherheit. Sie erfahren mit der Zeit, dass Gott uns sehr viel schenkt, er sich um uns kümmert und unsere Anliegen hört – auch wenn er nicht alle erhört.

Persönliche Orte gestalten

Wir brauchen zuhause einen Ort, wo wir das Abendgebet machen. Den sollen wir gemeinsam schön gestalten: Im Advent steht z.B. der Adventkranz dort, in der Weihnachtszeit die Krippe, in der Fastenzeit ist er fast leer. Im Sommer gibt es frische Blumen aus dem Garten, einen mitgebrachten schönen Stein von der Wanderung, ein Foto von Omas Geburtstagsfeier. Je mehr die Kinder bei der Gestaltung mithelfen dürfen, desto heimischer werden sie. Wenn wir dann die Gottesmutter einladen, bei uns zu wohnen, dann haben wir unser Hausheiligtum!

Das Wort Gottes lebendig erfahren

Schon mit der Muttermilch erfahren unsere Kleinsten, was Geborgenheit ist. Jesus und die Gottesmutter sind ihnen besonders nahe in unserem Hausheiligtum. Und eingebettet in diese Vertrautheit erzählen wir ganz unkompliziert von Jesus.

Die Kinder sollen Jesus kennen lernen, lieben lernen!

So lesen wir Geschichten aus der Kinderbibel, später aus der „echten“ Bibel, und versuchen, eine Verbindung zum eigenen Leben herzustellen. Die Bibel, das Wort Gottes,  darf nicht theoretisch bleiben!

Da erlebt unser Michael in seiner Klasse, dass ein Bub ausgegrenzt wird. Und wir lesen die Bibelstelle von Zachäus (Lk 19): „Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“ Konkret heißt das für uns, den Ausgegrenzten zu uns nach Hause einzuladen. Beim Elternsprechtag habe ich erfahren, dass das betroffene Kind auf die Frage „Wo fühle ich mich am wohlsten?“ geantwortet hat: „Beim Michael zuhause.“ Es ist wirklich gelungen, den Buben in die Klassengemeischaft zu integrieren.

Plötzlich ist die Bibel nicht mehr ein uraltes, verstaubtes Buch, sondern wird Nahrung und Richtschnur für uns und unsere Kinder!

Gott hautnah erleben

So begleiten wir die Kinder durch ihre ersten Jahre. Wir bemühen uns nach Kräften, unseren Glauben zu leben. Denn das ist für P. Kentenich die Voraussetzung: „Wir als Erzieher müssen eine innige Beziehung zu Gott haben.“

Das heißt, ich versuche, mit Gott in lebendigem Kontakt zu bleiben.

Wie das geht? Ich werde regelmäßig still (Pater Kuller nennt das „Verweil-Übung“) und frage mich in diesen 20 oder 30 Minuten: Wo ist mir Gott heute begegnet? Ich versuche, mein Leben mit den Augen Gottes zu sehen und frage mich: Was möchte Gott heute von mir? Wo ist ein Auftrag für mich? Was soll ich verändern?

Wir bemühen uns, trotz unserer Fehler und Schwächen die Liebe Gottes durch uns durchscheinen zu lassen. Aber wir müssen auch im Blick behalten: Wenn das Kind erwachsen geworden ist, soll es seine eigene, starke Beziehung zu Gott entwickelt haben! Also müssen wir Eltern im Laufe der Zeit immer mehr zurücktreten; es soll immer mehr Platz für die Entwicklung der eigenen Spiritualität, für das eigene Glaubensleben des Jugendlichen werden.

P. Kentenich sagt: „Das ist das Ziel unserer Erziehung: Dass wir die uns Anvertrauten bereit und fähig machen, selbständig und selbsttätig das Leben eines Gotteskindes zu leben.“

Entscheidungen mit Gott

Das kann beispielsweise bedeuten, dass wir nicht alles vorgeben. Wenn ein Kind nach Hause kommt und fragt: „Der XY hat mich auf seine Geburtstagsparty eingeladen, soll ich hingehen?“, sagen wir gern darauf: „Hast du Jesus schon gefragt?“ Dann gehen wir gemeinsam ins Hausheiligtum, zünden die Kerze an, sprechen die Randbedingungen durch, erzählen Jesus die Sache und bitten um seinen Heiligen Geist. Dann ist es schon vorgekommen, dass das Kind nach der Stille sagt: „Ich habe das Gefühl, ich soll besser in der Zeit einen anderen Freund besuchen“– oder „Ich denke, es wäre gut, wenn ich hingehe.“

Auch größere Entscheidungen – z.B. die Auswahl der Schule – treffen wir gemeinsam mit den Kindern im Gebet. Wir holen möglichst viele Informationen ein, listen alle Für und Wider auf – und tragen sie vor Jesus. In der Stille spüren wir meistens einen Zug in eine gewisse Richtung. Die Kinder erfahren, dass Jesus hat einen ganz konkreten Plan für mich, für mein Leben hat. Einen guten Plan!

Persönliche Beziehung fördern

Wir sind überzeugt: Gott wirkt auch heute noch! Es gibt in der christlichen Literatur viele Zeugnisse, wie Menschen Gottes Wirken ganz konkret erfahren, durch Befreiung aus der Sucht, Bekehrung oder Rettung aus großer Gefahr. Gott will unser Freund und Gesprächspartner werden! Wenn wir dem Herrn unsere Sorgen und Nöte anvertrauen und unsere Freuden mit ihm teilen, werden wir sein Eingreifen erleben.

In der Phase, wo die Jugendlichen auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens sind – ihrem persönlichen Ideal, wie es P. Kentenich nennt – sind sie für Erlebnisse mit Gott besonders ansprechbar. Welche Heiligenbiografie spricht mich an: die radikale Armut des Franziskus? Der Eroberergeist des Paulus? Die bedingungslose Hingabe der Mutter Teresa?

Religiöse Kindererziehung ohne Zwang

„Man geht am Sonntag in die Kirche“, hat man früher den Kindern gesagt. Wie gehen wir damit um, wenn unsere Kinder nicht (mehr) wollen?

Schon von Kindesbeinen an erklären wir den Kindern den Wert der Messe: Wir treffen uns mit anderen Christen und erleben Gemeinschaft. Wir hören in den Lesungen und der Predigt, was Gott uns sagen möchte. Und wir treffen – als Höhepunkt – Jesus ganz persönlich in der Eucharistie. Jesus kommt in mein Herz und will mich heil machen und mit seiner Liebe beschenken! Die Messe hat eine tolle Wirkung: Sie hilft uns, heiliger zu werden; ein besserer Mensch zu werden.

Wir erzählen den Kindern, auch wenn die Predigt einmal nicht so spannend ist oder manches fad erscheint, ist die Messe ist eine tolle Gelegenheit, Jesus danke zu sagen. Es ist ja nicht ohne, was er für uns getan hat! Da kommt er aus seinem Luxus-Himmel auf die Erde, in Armut und Einsamkeit. Und er erzählt uns ohne Rücksicht auf Verluste von seinem Vater im Himmel – er hat sogar sein Leben für uns gegeben, um uns zu erlösen. Es ist uns ein Anliegen, ihm mindestens einmal in der Woche dafür zu danken.

Wenn es die Möglichkeit verschiedener Sonntagsmessen gibt, ist es gut, den Kindern freizustellen, welche davon sie besuchen wollen. Es kann die Vorabendmesse vor der Disco sein oder die Abendmesse am Sonntag – wo möglich, sollen wir die eigene Entscheidung fördern. Eine Entscheidung, die gut durchdacht ist – „zu müde“ für die Messe lassen wir nicht durchgehen.

Im Laufe der Erziehung hoffen wir, dass die Kinder mitbekommen: Wenn die Kirche etwas empfiehlt, z.B. die Sonntagsmesse, macht sie das, weil es gut für uns ist! Nicht, weil sie uns ärgern oder schikanieren will.

Helfer in der Glaubensvermittlung

Religiöse Kindererziehung - meinefamilie.atWir sind im Glauben nicht allein. Jesus hat seine Kirche als Gemeinschaft gegründet. So sind wir gut beraten, uns Verbündete zu suchen.

Da gibt es auf der einen Seite irdische Helfer. P. Kentenich rät: „Was kann ich tun, um von der öffentlichen Meinung und Miterziehern unabhängig zu sein? Uns in Gemeinschaften zusammenschließen!“ Guten Religionsunterricht, die Angebote in der Pfarre oder christliche Veranstaltungen (von Konzerten über Sommerlager bis zu Weltjugendtagen). Gute Freundschaften unserer Kinder sollten wir unbedingt fördern, auch wenn das Hol-/Bringdienste und finanziellen Aufwand bedeutet. Die Kinder werden oft die einzigen sein, die in die Messe gehen – wenn sie gleichgesinnte Freunde regelmäßig treffen, ist das leichter zu ertragen.

Noch toller ist es, wenn sie bei solchen Veranstaltungen mitmachen: bei der Musik spielen, mithelfen, einfach Verantwortung übernehmen.

Auf der anderen Seite haben wir auch himmlische Helfer: die „Gemeinschaft der Heiligen“ endet ja nicht mit dem Tod. Wir können unsere Kinder der Gottesmutter anvertrauen; sie ist in Schönstatt die Erzieherin. Dem Schutzengel, dem Namenspatron,… zu wem auch immer wir einen guten Draht haben.

Gottes Initiative

Wir tun unser Möglichstes – und trotzdem schaut es so aus, als ob unsere Kinder vom Glauben abdriften?

Wenn unsere Kinder nicht mehr selbst in die Messe gehen, nehmen wir sie bewusst im Geist mit. Wir legen sie sozusagen auf den Altar.

Wir müssen uns bewusst sein, dass unsere Kinder umkämpft sind. P. Kentenich sagt ganz drastisch: „Es gibt einen Miterzieher, den wir nicht ausschließen können: Das ist der Teufel.“ Die Entscheidung FÜR oder GEGEN Gott müssen unsere Kinder letztlich selber treffen. Allerdings dürfen wir dabei nicht nur mit menschlichen Augen sehen. Wir dürfen das Eingreifen Gottes, seine Gnade und die Fürbitte der Heiligen nicht unterschätzen. Wir dürfen niemals die Hoffnung für unsere Kinder aufgeben, denn: „Das Gebet ist die größte Erziehungsmacht im Himmel und auf Erden!“ (P. Kentenich)

Fragen für das Ehe-Team

  • Wie geht es mir mit der täglichen Stille bzw. Verweil-Übung?
  • Wo erfahren wir persönlich das Wirken Gottes?
  • Wie können wir unseren Tagesrhythmus mit Gott verbinden? (z.B. Morgengebet, Abendgebet,…)
  • Wo können wir unseren Kindern die Möglichkeit geben, in Gemeinschaften heimisch zu werden?
  • Gibt es bei uns anstehende Entscheidungen, die wir gemeinsam vor Gott bringen wollen?

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