24. Mai 2018

Religiöse Erfahrungen mit Kindern teilen

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Vor kurzem waren wir in Assisi. Zusammen mit einer Gruppe von „Firmlingen“. Näher kommt man der Frage wohl nur schwer, wie man religiöse Erfahrungen und Spiritualität mit Kindern „teilen“ und gemeinsam erfahren kann.

Das Leben von Franz von Assisi war eindrucksvoll. So eindrucksvoll, dass man eigentlich nicht erwartet, dass es Kinder sofort verstehen. Warum hat er beispielsweise dem Reichtum eine Absage erteilt und die Armut und das sehr einfache Leben präferiert? Dennoch hören die Kinder aufmerksam zu, als der mitreisende Pfarrer von seiner Entscheidung und von seinen Entwicklungen erzählt.

Von seinen Kindern überrascht

Später, nach einer langen Busfahrt, steht eine Feldmesse an. Als gefragt wird, wer noch eine Fürbitte formulieren möchte, überrascht mich unsere Jüngste, erst vor kurzem sechs Jahre alt geworden. Sie formuliert, glasklar in ihrer Aussprache, offenbar überhaupt nicht aufgeregt und inhaltliche präzise, was sie sich erhofft und was sie erbittet. Ich staune, während ich schweige und ihr den Vortritt überlasse. Meine eigene Bitte formuliere ich im Stillen.

In den nächsten Tagen sehen wir viele Orte und Stätten, an denen Franziskus entweder temporär gelebt oder gewirkt hat. Viele der Orte sind abgeschieden, wenig luxuriös. Unsere Kinder stellen keine einzige Frage dahingehend, warum es sich Orte suchte, die „ab vom Schuss“ liegen. Entweder erscheint es ihnen logisch oder sie akzeptieren zumindest seine damaligen Entscheidungen. Während ich zum Teil mit Unverständnis auf seine zum Teil unwirtlichen Schlafplätze reagiere äußern sie keine Fragen in dieser Richtung.

Geschichte(n) erleben

In der Stadt Assisi erleben wir Geschichte und Geschichten auf Schritt und Tritt. Kaum ein Platz findet sich, an dem uns nicht Geschichten erzählt werden. Auch hier hören unsere Kinder aufmerksam zu. Es ist als ob die Stadt gleichermaßen mit Geschichten und Erzählungen „überzogen“ wird. Sie verändert sich mit jedem Wort. Wir nehmen anders wahr, bewusster. Die Stadt ist auch nicht mehr einfach nur eine Stadt, sondern sie wird zu einem spirituellen Kraftort.

Ein gemeinsamer Kraftort

Obwohl wir nicht explizit darüber sprechen herrscht ab diesem Zeitpunkt eine Übereinkunft vor. Es ist zu unserem gemeinsamen „Kraftort“ geworden. Ein Ort, der uns weit weg bringt von unserem Alltag. Ein Ort, an dem wir auftanken können. Ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart zu etwas verdichten, das weit mehr als nur die Jetzt-Zeit ist. So erleben wir gemeinsam Spiritualität und spirituelle Empfindungen. „Geister“ der Vergangenheit umgeben uns und Gott ist zugleich höchst präsent im Hier und Jetzt.

Gott als Bindeglied

Als wir zurückkommen sind wir verändert. Wir haben erfahren, wie wir zugleich ganz gegenwärtig leben können, aber mit einer erhöhten Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gegenüber dem, was früher war. Wir stellten uns in Assisi die Frage so stark wie noch nie zuvor, wie das, was bereits vergangen ist, in das Heute hineinreicht, was wir davon lernen können und was das alles mit Gott zu tun haben könnten.

Die Antwort ist verblüffend einfach: Er ist das Bindeglied zwischen den Zeiten, der „Überzeitliche“, der alles zusammenhält und den Bogen spannt. Unsere gemeinsame religiöse und spirituelle Erfahrung wird bleiben. Wir haben uns gemeinsam verändert und haben gemeinsam erkannt.

 

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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