13. März 2018

Ostern – Der Austausch von Geben und Nehmen

ostern geben und nehmen - meinefamilie.at

Ich kam auf die Idee, meinem Sohn spielerisch beizubringen, als Dankeschön für ein Geschenk eine kleine Gegenleistung zu bringen. So üben wir dies nun von Fest zu Fest.

Letztes Jahr zu Ostern überraschte mich mein Mann mit der Information, dass er ein Fahrrad für unseren Sohn gekauft hatte. Zuerst war ich geschockt und vollkommen dagegen, da dies ohne Absprache geschah und in meinen Augen ein viel zu großes Geschenk war, das nur unnötige Erwartungen an die kommenden Feste mit sich bringen würde. Sein Argument, dass wir ihm dies bereits zum Geburtstag versprochen hätten, überzeugte mich letztendlich doch. Immerhin war dieser schon fast ein Jahr her.

Geschenke sind nicht selbstverständlich

Dennoch ließ mir das Ganze keine Ruhe und so kam ich auf die Idee, meinem Sohn erneut spielerisch beizubringen, als Dankeschön für ein Geschenk eine kleine Gegenleistung zu bringen. Dies hatten wir bereits zu Weihnachten geübt, indem wir dem Christkind Kekse hingestellt hatten. Im ersten Jahr war unser Sohn bitter enttäuscht darüber, dass das Christkind nichts davon gegessen hatte. Meine Mutter rettete schließlich die Situation mit der Bemerkung, dass wir vergessen hätten ein Glas Milch dazuzustellen. So achtete ich im nächsten Jahr darauf ein Glas Milch mit Keksen vorzubereiten und beim heimlichen Geschenke verteilen auch etwas davon zu trinken und zu essen. Was zu großen verwunderten Begeisterungsstürmen führte und jedem erzählt wurde.

Neue Familientradition

Und so geschah es schließlich auch zu Ostern. Der Osterhase bekam eine riesige, dicke Karotte, die dem Geschenk mehr als angemessen war. Als der große Tag endlich da war, war diese wie von Zauberhand verschwunden und stattdessen ein Fahrrad im Garten. „Stell dir vor, er hat die riesige Karotte gleich aufgefressen“, erklärte unser Sohnemann seiner Kindergartentante später stolz.

So üben wir von Fest zu Fest auch etwas zu geben. Am Nikolaustag halfen wir dem Nikolo, indem wir unseren Nachbarn kleine Geschenke vor die Tür stellten. Und siehe da in den kommenden Tagen standen – auch für uns überraschend – kleine Geschenke vor unserer Tür.
Als ich zum Geburtstag Freunde mit und ohne Kindern zu uns nach Hause einlud, bekam nicht nur ich Geschenke, sondern auch mein Sohn, von unseren Freunden mit Kindern. Als wir später darüber sprachen, dass es üblich ist, Gastgeschenke als Dank für eine Einladung mitzunehmen, meinte er, dass er seiner Oma eine Zeichnung mitnehmen möchte, wenn sie uns zum Frühstück einlädt.

Abhängigkeiten gar nicht erst entstehen lassen

Dieser Ausgleich von Geben und Nehmen ist mir als ehemalige Sozialarbeiterin sehr wichtig. Denn oft kommt es zu einem Ungleichgewicht, das sich schnell zu einer Machtverschiebung entwickeln kann, wenn nur empfangen wird. Auch wenn der Geber in guter Absicht handelt, besteht die Gefahr, dass der Empfänger in die Rolle des Abhängigen gedrängt wird.

Schenken macht auch Kindern eine Freude

Sie kennen sicherlich alle die Situation, wenn Ihnen Ihre Kinder ganz aufgeregt erzählen, dass sie zum Muttertag mit Papa ein Frühstück für Sie machen werden, und damit die ganze Überraschung verderben. Und auch wenn gebrauchtes Spielzeug – eingewickelt in Kopierpapier, mit riesigen Tixo-Streifen fixiert – auf den ersten Blick kein angemessenes Geschenk ist – sind dies die ersten unbeholfenen Versuche zu zeigen, „ich habe dich lieb, ich möchte dir auch etwas schenken“.

Ohne Aufforderung, im Rahmen der kindlichen Möglichkeiten. Ein Ausgleich von Geben und Nehmen.

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