20. März 2018

Nach dem Fasten wird gebacken! Rezept für Ostersonnen

Nach dem Fasten wird gebacken! Rezept für Ostersonnen - meinefamilie.at

Bald sind die 40 Tage des Fastens vorüber und schon jetzt fühle ich mich innerlich gestärkt und mir selber, Gott und der Welt ein Stück näher. „Fasten“ (your seatbelt), mich im Auto fest machen und sichern, klingt ähnlich wie „Fasten“ in der Bedeutung des absichtlichen Reduzierens. Auch dieses Fasten macht mich fest und sichert mich, dort wo ich vielen Reizen ausgeliefert bin. Ich gehe bewusst diesen Weg des Ent-Scheidens und spüre, dass mir das gut tut. Mein Selbstvertrauen wächst und zugleich die Freude, 40 Tage bewusst auf etwas verzichtet und durchgehalten zu haben. So gestärkt gehe ich in die Karwoche. Diese „heiligen Tage“ sind mir aus meiner Kindheit noch recht lebhaft in Erinnerung.

Karwoche:

  • Am Palmsonntag ging es mit den frisch gebundenen Palmbuschen zum Gottesdienst,
  • am Gründonnerstag wurden die Eier gefärbt,
  • am Karfreitag wurden sämtliche Bildbrote gebacken,
  • am Karsamstag durfte kein Radio eingeschaltet werden.

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    © Anita Nussmüller

„Das machen wir immer so“ – ohne Begründung

Bei uns in der Familie war üblich, dass diese Abläufe eingehalten wurden, aber eine Begründung dazu wurde mir als Kind niemals geliefert. Erst viele Jahre später, als ich im Zuge meiner Unterrichtsarbeit auf Feste Bezug nahm, erschlossen sich mir die Hintergründe. Es ist mir daher besonders wichtig, Menschen genau zu erklären und zu vermitteln „Warum“ und „Wieso“ wir Dinge machen wie wir sie eben machen.

Heute weiß ich, dass „kar“ soviel wie Kummer und Klage bedeutet, dass das „Grün“ des Gründonnerstages das Weinen der Menschen bezeichnete, die neu in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen wurden und mit dem Abend des Gründonnerstags das Bußfasten vom Trauerfasten abgelöst wird. Heute macht vieles Sinn, was früher aufs erste Hinschauen jeglichen Sinn entbehrte.

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© Anita Nussmüller

Gelebte Großzügigkeit

Noch heute beeindruckt mich die Großzügigkeit, die bei uns in der Familie zu Ostern allen Menschen galt. Am Ostermorgen kamen Landstreicher und arme Menschen zum Bauernhof und fragten nach Speisen, die in den Tagen zuvor schon in Voraussicht für sie mitgebacken und hergerichtet worden waren. Zu Ostern sollten sich alle so richtig satt essen können. Das Fest hatte so große Bedeutung, dass man auf jegliche moralischen Urteile verzichtete und offenherzig schenkte.

Das Leben wurde neu gefeiert – diese Botschaft trage ich bis heute im Herzen. Diese Botschaft zeigte sich auch in den Osterstriezeln, die gebacken wurden. Das waren nicht etwa die geflochtenen Zöpfe, sondern Formen, die als Zeichen für das Leben gelten: Sonnen und Spiralen. Dieses Backen der Bildbrote ist mir bis heute besonders lieb geworden, so gibt es bei uns kein Osterfest ohne Ostersonne. Wie wir diese machen, ist schnell gesagt: (Kochvideo)

Ostersonnen backen – Rezept

Zutaten für das Dampfl

  • etwas warme Milch
  • 2 TL Zucker
  • 1/2 Würfel Germ

Zutaten für den Teig

  • 500g Mehl
  • Prise Salz
  • 1 Packung Vanillezucker
  • 2 EL Öl
  • 2 Eier
  • 1/4 Milch
  • etwas zusätzliches Mehl

  1. Germteig zubereiten (das Rezept und eine Anleitung findet ihr im Video auf unserer Facebook-Seite)
  2. Ein Kreuz formen. Die frohe Osterbotschaft beginnt mit dem Tod Jesu am Kreuz.
  3. In die Mitte dieses Kreuzes drücke ich ein gekochtes, gefärbtes Ei. Das Ei ist seit jeher ein Zeichen für das Geheimnis des Lebens. Verborgen im Kalkmantel wächst neues Leben, was nach außen hin leblos aussieht, bereitet nach innen hin Lebendigkeit vor.
  4. Jedes Ende des Kreuzes drehe ich spiralförmig ein, bestreiche den Teig mit Milch, streue Hagelzucker darüber und backe das Sonnenrad bei ca. 180°C 10-15 Minuten.
    Jahrhundertelang machten Gebildebrote aus Germteig die Hauptaussage eines Festes deutlich und so greife ich besonders gern diesen Brauch auf, für den garantiert auch Kinder jeden Alters zu begeistern sind.
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© Anita Nussmüller

So wie auch Weihnachten ist Ostern jenes Fest, das mehr als an sonstigen Sonntagen Menschen in den Gottesdienst ruft. Wer Interesse hat, in der Zeit nach Ostern auch noch andere Gotteshäuser zu erkunden, ist herzlich zu kurzen Exkursionen in den St. Pöltner Dom, die ehemalige Synagoge und die Osman Pasa Moschee in St. Pölten-Wagram eingeladen. Es geht darum, diese Orte der Gottesbegegnung in unterschiedlichen Religionen wahrzunehmen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und Unterschiede zu achten.

Kontakt:

Anita Nussmüller

Tel.: 0676 / 82 66 15 328

E-Mail: a.nussmueller@kirche.at

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EIN ARTIKEL VON
  • Anita Nussmüller

    Ich lebe in einer 4-Generationenfamilie - ideal für meine Arbeit als Referentin der Fachstelle Beziehung-Ehe-Familie. Es ist nicht einfach, meine eigenen Familien-Menschen mit meiner Begeisterung anzustecken – deshalb lebe ich meine Werte vor, hinterfrage mich selbst und erkläre warum ich tue was ich tue.


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