11. März 2016

Für Kinder geeignet: Kinderkreuzweg

Kinderkreuzweg - meinefamilie.at

Viele Eltern meinen, dass der Kreuzweg für ihre Kinder zu grausam, zu brutal, zu gewalttätig ist. Leider ist er das ja tatsächlich: Die Leidensgeschichte unseres Herrn ist wirklich nichts für zarte Gemüter. Dennoch bin ich persönlich der Meinung, dass man die Kinder auch im Kindergartenalter nicht davon fern halten sollte. Wie also damit umgehen?

Die erste Möglichkeit ist natürlich, mit den ganz Kleinen einen Kinderkreuzweg, einen konkret für Kinder gestalteten Kreuzweg zu besuchen. Dies wird in vielen Pfarren angeboten und man kann sich auch zuvor informieren, wie er gestaltet ist: ob und wie auf Folter und Grausamkeit der Kreuzigung eingegangen wird oder nicht.

Den Kreuzweg selbst begehen

Allen Eltern steht frei, mit ihren Kleinen in eine Kirche zu gehen und die 14 (oder 15) Stationen selbst zu begehen. Dabei können die Großen jene Bilder aussuchen, die sie ihren Kindern „zumuten“ wollen und andere einfach auslassen. Wenn dies den Kindern auffällt, werden sie zwar darauf eingehen müssen, können dies aber mit ihren eigenen Worten tun und daher Worte wählen, die sie ihrem Kind zumuten wollen.

In der Gestaltung der Kreuzweges gibt es so viele Varianten, dass es durchaus auch möglich ist, eine Kirche auszusuchen, in der die Bilder derart abstrakt sind, dass Kinder die Brutalität der einen oder anderen Station nicht konkret erkennen können.

In unserer Kirche beispielsweise sind Natursteinmosaike, bei denen man sich wirklich schwer tut, die Details zu erkennen. Ich persönlich halte diese Kreuzwegbilder für besonders kindgerecht.

14 oder 15 Stationen?

Ein Kreuzweg hat von der Verurteilung Jesu bis hin zur Grablegung 14 Stationen, in manchen Kirchen und auch in Arbeitshilfen, Broschüren und Materialien ist eine 15. Station hinzugefügt. Dies aus gutem Grund: Entlässt man besonders Kinder mit der letzten Station, bei der Jesus tot ins Grab gelegt wird, so gehen sie mit dem Gefühl der Trauer, der Endgültigkeit, der Unabänderlichkeit des Todes nach Hause. Das wahre Geheimnis unseres Glaubens, die Auferstehung, bleibt in diesem Fall den Kindern vorenthalten. Das Leid Jesu wird aber doch erträglicher, wenn das Ende – das eben kein Ende ist – betont wird: Die Auferstehung des Gekreuzigten. Jesus lebt! Er ist nicht im Tod geblieben! Dass das Osterfest, an dem wir diese Auferstehung feiern, erst nach dem Begehen des Kreuzwegs gefeiert wird, ist dabei ja kein Problem – wir kennen eben die ganze Geschichte und nur im Lichte der Auferstehung ist der Kreuzweg – auch für Kinder – erträglich.

Auswahl von Stationen beim Kinderkreuzweg

Besonders für kleine Kinder wäre es sinnvoll, ganz bestimmte Kreuzwegstationen auszusuchen, nämlich jene, in denen es nicht um das Foltern, die Quälerei, die Schmerzen des Verurteilten geht, sondern die, in denen dem Leidenden andere Menschen zur Hilfe kommen.

So begegnet Jesus seiner Mutter, die ihn liebt, wie nur eine Mutter ihr Kind lieben kann, egal, ob es noch ein Kind oder, wie Jesus, schon erwachsen ist: Eine Mutter lässt ihr Kind nicht allein!

Simon von Cyrene hilft Jesus, das Kreuz tragen: Er wird zwar dazu gezwungen, aber immerhin packt er an und nützt seine Stärke, er tut das, was er gut kann, um einem Schwachen zu helfen. Zumindest einen gewissen Teil des Weges muss Jesus nicht allein die schwere Last des Kreuzes tragen.

Kinderkreuzweg Veronika - meinefamilie.at
© kathbild.at / Franz Josef Rupprecht

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch: Sie sieht sein Leid, sie hat nur eine kleine Möglichkeit, ihm zu helfen: Sie reicht ihm ihr Tuch, damit er Schweiß, Blut und Tränen abwischen kann. Veronika versucht, seine Qual ein wenig zu lindern – viele Mittel stehen ihr nicht zur Verfügung, aber was sie kann, tut sie auch, ohne Wenn und Aber.

Als Jesus den weinenden Frauen begegnet, merkt er auch, dass ihn nicht alle Menschen verachten: Einige seiner Anhänger sind ihm treu geblieben und begleiten ihn auf seinem schweren Weg. Er selbst denkt bei dieser Begegnung nicht an sich selbst, sondern daran, was diese jungen Menschen wohl in der Zukunft erwarten wird. „Weint nicht um mich, weint um euch und eure Kinder!“ Den Kindern kann an dieser Stelle zugesagt werden: „Wir Eltern wollen uns bemühen, deine Zukunft schön zu gestalten, dir ein schönes Leben zu bieten!“

Schließlich kann den Kindern durchaus die Kreuzigung gezeigt werden, immerhin haben viele Familien das Kreuz als christliches Symbol zu Hause hängen, eben deshalb, weil er am Kreuz starb.

Zum Abschluss aber sollte auf jeden Fall die Auferstehung angesprochen werden. Ob dies mit einem Bild gezeigt oder mit einer als Symbol für die Auferstehung angezündeten Kerze dargestellt wird, ist ziemlich egal: Wichtig ist, dass die Kinder wissen, der Tod Jesu war nicht sein Ende – er ist auferstanden, er lebt!

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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