18. April 2017

Den Glauben an den Osterhasen nehmen oder nicht?

Glauben an den Osterhasen nehmen oder nicht? - meinefamilie.at

Die Eier versteckt zu Ostern natürlich der Osterhase, so wie das Christkind zu Weihnachten die Geschenke bringt. Wie lange kann, ja, sollte man als Eltern diese Illusionskulisse aufrechterhalten?

Für unsere Kinder ist die Welt ganz selbstverständlich verzaubert. Ostern kommt der Osterhase, Weihnachten das Christkind. Dazwischen halten Feenstaub und magische Einhörner die Welt in ihren Angeln. Religion ist derzeit – noch – etwas wunderbar Selbstverständliches, der Himmel ist so dicht bevölkert, dass sich der liebe Gott fast schon ein bisschen bedrängt fühlen muss angesichts von Feen, Trollen und Elfen, die hinter jedem Baum lauern.

Das gilt selbst für unsere „Große“ noch – trotz ihrer inzwischen 7 Jahre hält sie eisern am Osterhasen fest, ja, sie setzt ihre Hoffnungen in ihn. Schließlich wünscht sie sich ein Holzpferd von ihm. Wie ein einziger zotteliger Feldhase das alles bewerkstelligen soll – Eier verstecken, Holzpferd bringen, Süßigkeiten bringen –, steht nicht zur Debatte. Wir sind darüber tatsächlich überrascht. Spätestens in der jetzigen zweiten Klasse sollte diese Illusionskulisse doch in sich zusammenbrechen – dachten wir. Aber entweder sind die wundersamen Aktivitäten von Christkind und Osterhase unter den Schülern kein Thema – oder aber unsere Tochter will sich dem scharfen Licht der Entzauberung ihrer Welt nicht aussetzen.

Keine “Aufklärung” über Osterhasen durch die Schulkollegen

An einer Verstandesschwäche mangelt es bei ihr diesbezüglich weiß-Gott nicht. Kaum etwas bleibt der 7-Jährigen inzwischen mehr verborgen, alles wird hinterfragt, die Diskussionsschleifen über Fernsehverbote oder Bett-Geh-Zeiten können sich ewig drehen. Aber wenn es um Ostern oder Weihnachten geht ist offenbar Schluss mit lustig. Ist das schizophren? Ist das gar fahrlässig von uns Eltern, sie nicht „aufzuklären“?

Schmerzt die Entzauberung umso mehr, je länger wir sie hinauszögern?

Ostern und Osterhase - entzaubern oder nicht? - meinefamilie.at
Wer bringt die Ostereier?

Fragen wie diese beschäftigen uns tatsächlich sehr. Noch dazu, da wir noch zwei weitere, jüngere Kinder haben, die das Thema natürlich genauso betrifft. Bislang haben wir uns zurückgehalten – warum soll man ihnen gewaltsam ein Stück ihrer heilen Welt nehmen? Warum vorzeitig zerstören, was der Seele so schmeichelt? Insgeheim haben wir auf die Schule, auf die Schulfreunde gesetzt – Aufklärung auf Augenhöhe, sozusagen. Jetzt, wo diese bis heute ausgeblieben ist, werden wir weitermachen; werden wir abendlich auf der Fensterbank platzierte Briefe an Osterhasen und Christkind nächtlich verschwinden lassen und manchmal gar mit einem goldenen Christkind-Haar auf einem Tannenzweig positiv beantworten.

Wenn der Zeitpunkt kommt, wo die Zweifel überwiegen, werden wir nicht nachstehen, klare Antwort zu geben. Aber ein wenig ängstlich sehen wir diesem Zeitpunkt dennoch entgegen. Und auch ein wenig traurig, da er wieder ein Stück Kindheit begräbt.

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EIN ARTIKEL VON
  • Henning Klingen

    Semmeln heißen bei mir Brötchen, Erdäpfel Kartoffeln. Selbst nach 14 Jahren in Österreich halte ich die Fahne meiner niederrheinischen Heimat hoch. Von meiner Frau und meinen drei Kindern belächelt. Beruflich bin ich als Journalist für die Presseagentur Kathpress sowie die Zeitschrift „miteinander“ tätig.


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