17. März 2016

Der Jahreszeitentisch zur Osterzeit

Jahreszeitentisch - meinefamilie.at

Ein Jahreszeitentisch als Platz, um sich auf Ostern vorzubereiten, das Zuhause zu dekorieren, dem Osterfest entsprechend zu säen und zu pflanzen.

Die Idee des Jahreszeitentisches entstammt ursprünglich der Waldorf-Pädagogik. Der Gedanke dahinter: das, was sich in der Natur draußen tut, auch im Innenraum erlebbar machen. Hier finden die ersten Frühlingsboten einen geeigneten Platz, üppige Sommerblumen, die Vielfalt der Herbstfrüchte oder die kahlen Zweige des Winters. Auch die großen christlichen Feste im Jahreszyklus können thematisiert werden. So auch das Osterfest.

Mit dem Jahreszeitentisch die Natur ins Haus holen

In der Waldorfpädagogik gibt es sehr konkrete Vorstellungen für die Gestaltung eines Jahreszeitentisches. Ich persönlich habe mich dem Konzept des „Natur-Tischleins“ allerdings undogmatisch genähert. Ich finde die Idee einfach schön, im Haus einen speziellen Ort auszuwählen – egal ob Tischchen, Nische, Bänkchen – an dem alles Platz findet, was mich an der aktuellen Jahreszeit bewegt, was mir wichtig ist und mir gefällt. Für mich zählt die Freude am kreativen Schaffen und Gestalten.

Ein solcher Jahreszeitentisch ist außerdem der perfekte Ort, um die vielen, kleinen Schätze aufzubewahren und zu würdigen, die mein Sohn (2 ¾) bei seinen Streifzügen durch die Natur sammelt.

„Große“ Themen natürlich veranschaulichen

Die zentralen Themen des Osterfestes sind Tod und Auferstehung. Nicht gerade der einfachste „Stoff“ für die Kinderseele. Glücklicherweise kann die Natur helfen, solch „schwierige“ Themen subtil erlebbar zu machen. Was das Osterfest betrifft, bieten sich Aktivitäten wie Säen und Pflanzen an. Ich habe mit meinem Sohn heuer Kresse- und Grassamen in einem Topf ausgesät und die täglichen Veränderungen beobachtet. Wie aus einem Samenkorn plötzlich eine Pflanze erwächst, wie aus Altem Neues entsteht – das lässt sich auf dem Jahreszeitentisch wunderbar beobachten. Natürlich kann man die Natur auch dort studieren, wo sie ist – nämlich draußen. Allerdings haben nicht alle Menschen das Glück, mitten im Grünen zu leben. Außerdem ist der Jahreszeitentisch eine Art Ruheinsel, ein Ort des stillen Wahrnehmens.

Geheimnisvolle Vorgänge wie Säen und Keimen können hier besonders gut aufgenommen werden. Als natürliche Ereignisse. Ohne viel Erklärung.

Ein besonderer Ort

Für meinen Sohn war unser Jahreszeitentisch von Anfang an etwas Besonderes. In der vergangenen Adventszeit wurde dieses einfache Holzbänkchen zu einem Ort, den er mehrmals täglich aufsuchte und eingehend betrachtete. Manchmal still, manchmal selbstversunken kommentierend. Manchmal agierte er aber auch sehr energisch und arrangierte die einzelnen Elemente immer wieder um oder verwendete sie in Rollenspielen. Seine Arrangements brachten mich oft zum Lachen und Nachdenken.

Mir gefällt unser Bänkchen auch aus praktischen Gründen: Es ist ein Fixplatz im Haus, auf dem ich meiner Dekorationsliebe komprimiert Ausdruck verleihen kann. Ich erlebe den Jahreszeitentisch und sein ständiges Entstehen und Vergehen als sinnvolle, kreative und lustvolle Tätigkeit.

Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch, kein Schön oder Nicht-Schön.

Es zählen ausschließlich die eigenen Gedanken und Gefühle zum jeweiligen Zeitpunkt. Der Jahreszeitentisch ist für mich etwas durch und durch Persönliches.

Unser persönlicher Ostertisch

Seit Aschermittwoch befinden sich auf unserem Bänkchen ein grünes Tuch und ein „Fastenbäumchen“ aus Ringelweidenzweigen. Auf kleinen Zetteln notieren mein Mann und ich unsere Vorsätze für die jeweils kommende Woche und abends – wenn der Verzicht zum Beispiel auf Schokolade geklappt hat – heften wir eine Blüte an das Bäumchen und bringen es so bis zum Ende der Fastenzeit hoffentlich zum Erblühen.

Daneben stehen eine Vase mit Palmkätzchen-Zweigen und ein selbstgebasteltes Osterlicht (ein leeres Gurkenglas mit Transparentpapier und Teelicht). Dann gibt es noch ein Körbchen mit verschiedenen Anhängern: ausgeblasene, bemalte Eier, Küken und Osterhasen. Am Palmsonntag werden wir beginnen, die Palmkätzchen damit zu schmücken – jeden Tag ein Anhänger. Sind alle Anhänger platziert, dann ist Ostern. Zuletzt haben wir noch ein Ostergärtchen aus Erde und Moos gestaltet. In dem darin vorbereiteten Nest werden dann am Ostersonntag ein paar Eier liegen. Sofern der Osterhase den Weg zu uns findet. Unser Osterlicht wird auf jeden Fall leuchten.

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EIN ARTIKEL VON
  • Susanne Sommer

    Ich lebe mit meinem Mann und meinem Sohn (2,5) im Burgenland und bin Bewegungstrainerin und Texterin. Die Geburt meines Sohnes veränderte mein Leben grundlegend und brachte mich auf die Spur zu mir selbst. Neben dem Schreiben und Lesen sind die Natur, das Musizieren, Töpfern und Häkeln meine großen Leidenschaften.



2 Kommentare
  • Li, 17. März 2016, 18:06 Antworten

    wir haben seit 18 jahren so einen tisch (mittlerweile eigentlich 2), und er verändert sich mit dem älterwerden der kinder, ist aber immer ein zentraler ort für uns und spiegel dessen, was sich bei uns grade tut.

    • Susanne, 18. März 2016, 13:28 Antworten

      Ja, die Idee des Jahrszeitentisches gibt es schon sehr lange. Wie schön, dass er Sie und Ihre Familie schon so lange begleitet und bereichert. Das spricht für ihn. ;-) Ich bin erst durch mein Mutter-Sein damit in Berührung gekommen und freue mich auf viele gemeinsame Jahre. Und bin gespannt ... Liebe Grüße

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