25. November 2019

Nachhaltig leben als Familie – im Advent

Nachhaltig leben als Familie – im Advent

Advent, Weihnachten und Nachhaltigkeit. Passt das zusammen? Wir erzählen, wie wir unsere Gewohnheiten hinterfragt und neue Traditionen und Rituale gefunden haben, die in mehr als einer Bedeutung nachhaltig sind.

Alle Jahre wieder beginnt im Herbst das Überlegen und Planen: Adventskranz, Adventskalender, Christbaum, Geschenke, Dekoration, Kekse, Weihnachtsessen… Natürlich gefallen uns die modernen, neuen Dinge, die man so kaufen kann. Kerzen in den Trendfarben, Deko im aktuellen Stil, Servietten und Geschirr extra für Weihnachten, mal wieder etwas Neues… aber seit ein paar Jahren haben wir bewusst Nein gesagt.

Nein zu ständig neuen Dingen, nein zu vergänglichen Modetrends und Nein zu Unmengen an „Zeug“.

Nachhaltig im Advent

Das bedeutet für uns vor allem, dass wir stattdessen auf das schauen, was bleibt. Was wird unseren Kindern in Erinnerung bleiben und was ist uns in Erinnerung geblieben?
Es sind lieb gewordene Traditionen, die wir aus unseren Familien mitgenommen haben. Es sind besondere Stücke, an die wir uns aus unserer Kindheit erinnern können. Es sind bestimmte Lieder, die gemütlichen Stunden, die besonderen Aktivitäten.

Als uns das bewusst geworden ist, hat der Konsum ganz von allein seinen Reiz verloren. Wir brauchen wirklich nicht noch mehr. Jedes Jahr kommen Kleinigkeiten dazu, die wir geschenkt bekommen. Manches ergänzt unsere Sammlung, anderes darf weiter ziehen.

Kurz vor dem Adventsbeginn räumen wir gründlich auf, sortieren aus und achten darauf, dass viel freier Platz in unserem Haus (und dadurch in unseren Herzen) ist.

Die Lieblingsstücke werden sorgfältig im Haus verteilt, manches neu arrangiert und zu vielem erzählt, woher wir es haben und woran wir uns erinnern. Je älter unsere Kinder werden, desto mehr wissen und kennen sie schon. So zieht langsam der Advent ein, bevor wir gemeinsam den Adventskranz binden. Auch das ist eine wichtige Tradition für uns geworden. Einer schneidet die Zweige, einer bindet den Kranz, die Kinder möchten immer mehr mitmachen, bringen, helfen und genießen.

Kerzengießen – unser neues Ritual

Vor einigen Jahren haben wir begonnen, mit den Kindern Kerzen zu gießen. Nachdem sich ein riesiger Sack mit Kerzenresten angesammelt hatte, den wir nicht wegwerfen wollten, wurde aus dem Versuch ein neues Ritual. Jedes Jahr entstehen neue Farben und Formen und gleichzeitig vermitteln wir unseren Kindern dadurch den achtsamen und wertschätzenden Umgang mit unseren Ressourcen (zusätzlich auch eine Fertigkeit, die nicht jeder kann).

Der Adventskranz wird jedes Jahr nahezu gleich geschmückt, nämlich mit Dingen die wir schon haben: Zimtstangen, Strohsternen oder -engerl, kleine Bockerl, Anissterne, Orangenscheiben, Rindensterne und ein langes Band. Das lässt sich mit Funden aus der Natur leicht erweitern, mit Nussschalen, Bucheckern, Moos oder kleinen Zweigen.

Auch unser Adventskalender ist jedes Jahr ähnlich

Es gibt so viele schöne Geschichten-Kalender, von denen wir jeden Tag ein Stück lesen. Dazu gibt es entweder ein Poster oder ein Fensterbild, das wachsen darf bis Weihnachten. Diese Kalender kaufen wir Second Hand (meist über willhaben, medimops oder rebuy). Wenn sie uns besonders gut gefallen, dürfen sie für eines der nächsten Jahre bleiben und sonst werden sie weitergeschenkt oder verkauft.

Jeden Abend setzen wir uns um den Adventskranz, singen zumindest ein Adventslied, lesen die Geschichte und überlegen, wofür wir heute dankbar sind.

In den letzten Jahren hatten wir zusätzlich Türchen-Adventskalender mit Bildern, einen Karten-Adventskalender, wo wir jeden Tag eine Weihnachtskarte geschrieben und verschickt haben oder einen Aktivitäten-Adventskalender. Da war für jeden Tag eine gemeinsame Tätigkeit versteckt, manchmal größeres wie Kekse backen, einen Besuch machen oder einen Christkindlmarkt besuchen, manchmal kleineres wie ein Buch lesen, eine CD hören, ein Ausmalbild oder ein Spiel spielen.

Innerlich auf das Weihnachtsfest vorbereiten

Wir haben besondere Bücher, CDs und eine Spielkrippe, die nur in der Weihnachtszeit herausgeholt werden.  Diese besonderen Elemente und die möglichst ruhige, stressfreie Zeit führen dazu, dass sich unsere Kinder innerlich intensiv auf das Weihnachtsfest vorbereiten. Im letzten Jahr (mit 3 und 5) war ihr Lieblingsspiel „Maria bekommt ein Baby“ und „Der Besuch der Könige“. Heuer, mit 4 und 6, werden vor allem Lieder erfunden und gesungen und die gesamte Geschichte immer wieder erzählt, vorgelesen und nachgespielt.

Nachhaltig leben als Familie – im Advent
(c)iStock

Ganz wichtig ist uns der 24.Dezember

Wir gestalten den Tag so, dass alle in Ruhe ohne Stress mithelfen können und dieses besondere Fest mit frohem Herzen feiern können. Die Feiern mit den Großeltern, Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen sind auf die nächsten Tage aufgeteilt. Am Weihnachtstag vormittags, schmücken wir mit den Kindern den Christbaum, vor allem mit Glaskugeln und Strohsternen (und ein bisschen Schokolade). Auch das sind Dinge, die wir schon länger haben und die eine Bedeutung für uns haben.

Jedes Jahr laden wir jemanden ein, der sonst alleine feiern müsste und gemeinsam besuchen wir eine Kindermette und gestalten sie meist auch mit. Danach lesen wir die Weihnachtsgeschichte, singen unsere Lieblingslieder und teilen gemeinsam die Geschenke aus. Auch hier gilt für uns, lieber weniger, dafür mit mehr Sinn. Unsere Kinder schreiben (noch?) keine Wunschzettel und wissen, dass wir etwas für sie ausgesucht haben. Sie wissen auch, dass wir den Geburtstag von Jesus feiern und uns deshalb gegenseitig eine Freude machen wollen.

Damit sich auch wirklich alle freuen können, packen wir in der Adventszeit für uns fremde Kinder und Jugendliche ein oder zwei Packerl, z.B.: über die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ oder Aktion Christkindl. Solidarität und Nachhaltigkeit hängen unserer Meinung nach zusammen und das versuchen wir auch unseren Kindern zu vermitteln.

Nachhaltig leben im Advent, das heißt für uns …

Vor allem, viel weg zu lassen. Es geht uns weniger um das Verwenden oder Anschaffen nachhaltiger Materialien und mehr um den Sinn und Inhalt. Wir sind nicht auf vielen Adventsmärkten, Nikolausfeiern oder überhaupt unterwegs.

Wir genießen stimmungsvolle Treffen mit lieben Menschen und bewusste gemeinsame Erlebnisse. Wir versuchen, die Vorfreude und das Warten erlebbar zu machen und statt vieler Geschenke und schnell vergessener Momente mit unseren Kindern Erinnerungen an besondere Traditionen zu schaffen.



EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!


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