13. Juli 2017

Ich wünsche mir lebhafte Kinder in der Kirche

Ich wünsch mir lebendige Kinder in der Kirche - meinefamilie.at

„Gewöhnliche“ Gottesdienste sind oft langweilig für die Kinder und anstrengend für mich. Da sind Familiengottesdienste ideal. Doch Jesus würde die Kinder immer mit offenen Armen willkommen heißen!

Oft gehen wir als ganze Familie zum Gottesdienst und Georg und ich teilen uns die Zuständigkeit für unsere beiden Kleinen. Auf diese Weise funktioniert es meist ganz gut. Neulich war ich allein mit Sara und Gregor, was ich als sehr herausfordernd empfand. Zu allem Überfluss saßen wir in der ersten Reihe, vor den Augen aller anderen Gottesdienstbesucher. In solchen Situationen frage ich mich oft, was wichtiger ist: für Ruhe und Ordnung bei den Kindern zu sorgen, damit die anderen einen ungestörten Gottesdienst haben oder eher dafür, dass die Kinder die Zeit in der Kirche genießen können.

Ich merke, ich bin hin-und hergerissen zwischen dem Wunsch, die Kinder Disziplin zu lehren, was ja auch wichtig ist, und dem Wunsch nach mehr kindgerechten Gottesdiensten, wo Kinder einfach Kinder sein dürfen.

Familiengottesdienste sind ideal für kleine Kinder

Einmal im Monat gibt es in unserer Pfarre einen solchen Kinder- oder Familiengottesdienst. Da wimmelt es von kleinen Kindern, die zum Teil vorne mit im Chor und zum Teil in den Bänken mitsingen oder auch „frei“ herumlaufen. In diesem Gottesdienst stört es niemanden, wenn es ein wenig lebhafter zugeht. Er ist für Familien mit kleinen Kindern ideal.

Im normalen Sonntagsgottesdienst ist es nicht so locker. Da wird erwartet, dass kleine Kinder sich ruhig verhalten. Für „Notfälle“ und schreiende Babys gibt es einen Extraraum mit Videoübertragung, aber ich habe keine Lust, den ganzen Gottesdienst dort zu verbringen. Somit habe ich als Mama alle Hände voll zu tun, um meine beiden in der Kirchenbank zu beschäftigen. Manchmal schauen sie kleine Bücher an, aber das ist ihnen nach einer Weile meist zu langweilig. Dann versuchen sie, beide auf meinem Schoß zu sitzen und rangeln herum. Von der Predigt bekomme ich selbst in solchen Situationen sehr wenig mit, da ich zu beschäftigt bin. Für mich ist so ein Gottesdienst kein Genuss, um ehrlich zu sein. Ich frage mich oft, warum ich mir und den Kindern das antue. Natürlich möchte ich, dass sie einen Zugang zum Glauben und auch zum Gottesdienst bekommen. Aber manchmal frage ich mich, ob es sinnvoll ist, sie jeden Sonntag zu etwas mitzunehmen, das sie großteils als langweilig empfinden.

Jesus holt die Kinder in die Mitte

Das Zentrum unseres Glaubens ist ja Jesus. Jesus war garantiert nicht langweilig für Kinder. Sie liebten ihn! Und er liebte sie! Die bekannteste Bibelstelle über Jesus im Zusammenhang mit Kindern finden wir in Markus 10,13-15, aber auch bei Matthäus 19,13-15 und bei Lukas 18,15-17. Drei der Evangelisten berichten darüber, also muss diese Situation bedeutsam sein. Es steht geschrieben:

„Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.“ Ich muss schmunzeln. Genauso empfinde ich die Haltung vieler Gottesdienstbesucher.

Man wünscht sich mehr junge Leute in den Kirchen, aber lebhafte Kinder werden oft als störend empfunden… Weiter im Bibeltext:  „Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ Also Jesus reagiert da sehr klar und eindeutig. Er wird sogar unwillig! Er weist seine Jünger zurecht und setzt sich vehement dafür ein, dass die Kleinen zu ihm kommen dürfen. Dann stellt er sogar noch als Beispiel ein Kind in die Mitte und sagt: „Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ Das ist stark!

Jesus für Kinder und Erwachsene erfahrbar machen

„Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.“

Man stelle sich das einfach mal bildlich vor! Jesus nimmt die Kinder in die Arme! Dabei sind sie sicher nicht in Zweierreihen artig vor ihm gestanden, um sich eine Umarmung abzuholen. Auf das Signalwort: Kommt! sind sie sicher auf ihn losgestürmt, haben sich auf seinen Schoß gesetzt, ihn von hinten umarmt, seinen Bart und seine Haare angefasst. Mit den Größeren hat er vielleicht gerangelt. Heute würde er vielleicht mit den Jungs Fußball spielen. Er war ein kinderliebender Mensch. Und ein Gott zum Anfassen. Für jeden hatte er ein nettes Wort und einen Segen.

Ich weiß, es ist nicht immer einfach, die vielen Interessen und Bedürfnisse der Gottesdienstbesucher unter einen Hut zu bekommen. Aber wenn ich mir eines wünsche, dann das: Dass Jesus in unseren Kirchen noch deutlicher und direkter erfahrbar wird, ganz speziell für die Kinder und Jugendlichen – und dadurch auch für uns Erwachsene!

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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