8. April 2016

Krabbelgottesdienste für die Kleinsten

Krabbelgottesdienste - meinefamilie.at

Krabbelgottesdienste sind eine lockere und kindgerechte Form, in Kontakt mit der Kirche zu kommen und den Glauben aktiv zu erleben. Wie funktionieren sie praktisch?

Bisher wenig bekannt, doch bei näherer Auseinandersetzung gar nicht so selten praktiziert: Krabbelgottesdienste. Mini- oder Mäusegottesdienst, Kirche kunterbunt oder Kinderkirche – all das sind Bezeichnungen für eine Gottesdienstform, die sich an die allerjüngsten Kinder Gottes richtet, an Kinder von 0 bis 6 Jahren. Doch wie erfolgt die „Glaubensvermittlung“ eigentlich (in dieser Altersgruppe)? Einige Gedanken dazu.

Krabbelgottesdienste – was sich dahinter verbirgt

Ich kam mit dem Konzept „Krabbelgottesdienst“ vor einigen Monaten in Berührung, als mich der Pfarrer unserer Gemeinde auf der Straße fragte, ob ich denn mitmachen wolle. Er plane so einen Gottesdienst. Da ich neugierig war, sagte ich zu und erschien gemeinsam mit Mann und Sohn (2 ¾) bei der Vorbesprechung. Dort beschäftigten wir uns mit dem Thema „Verkleiden: Warum verkleiden wir uns manchmal? Macht man das nur zum Fasching oder auch an anderen Tagen? Fühle ich mich wohl in meiner Haut oder möchte ich auch manchmal jemand anderer sein, in eine andere Rolle schlüpfen, einmal aus meiner Haut fahren, um dann wieder zu mir selbst zurückzukehren und mich als ICH-BIN-ICH anzunehmen? Und: Inwiefern kann Glaube auf dem Weg zur Selbstakzeptanz und -liebe ein wertvoller Unterstützer und Begleiter sein?

Natürlich gibt es unendlich viele weitere Themen und genauso viele Gestaltungsmöglichkeiten eines solchen Gottesdienstes.

Prinzipiell geht es darum, neben Gebeten und Denkanstößen andere gestalterische Elemente wie Musik, Gesang, Theaterspiel, Zeichnen, Tanz und Ähnliches einzubauen.

Der zeitliche Rahmen von zwanzig Minuten sollte nicht überschritten werden.

Auseinandersetzung in den eigenen vier Wänden

Da ich in die Vorbereitungen intensiv eingebunden war, sprach ich mit meinem Sohn bereits vor dem eigentlichen Krabbelgottesdienst über das, was dort passieren wird. Wir studierten folgendes Mini-Theaterstück mit Handpuppen ein: Das Mädchen Susi verkleidet sich als Hexe, weil sie ausprobieren möchte, wie es ist, auch einmal übermenschliche Fähigkeiten zu haben, auch einmal jemand anderer zu sein. Ihr Freund Stefan gibt ihr zu verstehen, dass er das lustig findet, dass er sie aber im Grunde einfach gern hat, so wie sie ist. Da mein Sohn zu diesem Zeitpunkt in einer „heißen“ Handpuppen-Phase war, war dieses Gestaltungselement für uns perfekt.

Außerdem sangen wir bereits zu Hause im Vorfeld die für den Gottesdienst geplanten Lieder „Ja, Gott hat alle Kinder lieb“ und „Schwarze, weiße, rote, gelbe – Gott hat uns alle lieb“. Mein Sohn wusste also, was ihn erwarten würde. Die Programmpunkte, die er schon von der Vorbereitungszeit zu Hause kannte, gestaltete er mit Begeisterung und Stolz mit. Das zusätzliche Angebot (schminken und verkleiden, Polonaise durch das Gemeindezentrum, sich selbst malen etc.) verfolgte er mit großem Interesse. Der Gottesdienst tauchte viele Wochen lang in seinen Fragen, seinen Rollenspielen, in seinem Liedrepertoire auf.

Mit der Kirche in Kontakt kommen

Für mich war es eine schöne Erfahrung, gemeinsam als Familie einen Gottesdienst nicht nur zu erleben, sondern auch mitzugestalten. Es fühlte sich gut an, Gleichgesinnte, Interessierte, einfach Menschen als Gemeinschaft zu erleben. Nun könnte man einwenden: Es gibt doch ohnehin überall Familiengottesdienste; da kann man doch die Kleinen mitnehmen. Ja, aber nicht immer sind dabei Rahmen und Inhalte passend. Mein Sohn zum Beispiel empfindet unser (in meinen Augen sehr schönes) Kirchengebäude als bedrohlich. Zu groß, zu ungemütlich, zu übermächtig. Allein das Orgelspiel lässt ihn umgehend den Ausgang suchen. Ein Krabbelgottesdienst dagegen kann auch in einem informellen Rahmen stattfinden, in einem Gemeindezentrum zum Beispiel. Zwischen Sitzpolstern, auf meinem Schoß und umringt von sanften Gitarrenklängen fühlte sich mein Sohn sichtlich wohler. So kann eine erste Berührung mit Gottesdiensten und kirchlichen Abläufen stattfinden.

Glaube – leben oder lehren?

Der Krabbelgottesdienst brachte mich außerdem zum Nachdenken.

Ja, eigentlich wage ich zu behaupten, dass der Krabbelgottesdienst für mich ein größerer Gewinn war als für meinen Sohn.

Intuitiv tauchten bei mir in der Vor- und Nachbereitung Fragen auf wie: Lässt sich Glaube eigentlich vermitteln? Und wie ist es zu schaffen, dass Kinder Glaube als spür- und fühlbare Bereicherung erleben (und nicht bloß als eine Ansammlung von Bibelgeschichten, Gebeten und abstrakten, nicht greifbaren Bekundungen à la „Gott ist für dich da, er hat dich lieb, du kannst immer zu ihm kommen“)?

Ich beschäftigte mich intensiv mit diesen Fragen und entdeckte in mir folgende Antworten: Glaube hat für mich viel mit Urvertrauen zu tun. Wenn Kinder (und Erwachsene) Verlässlichkeit in ihren Alltagsbeziehungen und -erlebnissen erfahren, wenn sie darauf vertrauen dürfen, dass sie und ihre Bedürfnisse gesehen werden, dass man nach Schwierigkeiten immer wieder neu anfangen und anknüpfen kann, dass man sich an den kleinen Wundern der Schöpfung und des Augenblicks wirklich und herzlich erfreuen kann und darf, dann ist auch ein Vertrauen in die Verlässlichkeit Gottes möglich. Der Glaube an Gott beginnt für mich mit dem Vertauen ins Leben. Mit dem Gefühl, alles ist gut.

Und so wurde mir in der Auseinandersetzung mit dem Krabbelgottesdienst einmal mehr klar, wie sehr ich als Mutter die Glaubensfähigkeit und -bereitschaft meines Sohnes beeinflusse und mittrage. Ein Krabbelgottesdienst kann mir diese Verantwortung nicht abnehmen. Aber er kann ein kleines Mosaiksteinchen bei der Errichtung jenes Fundaments sein, das man für ein Leben im Glauben und Vertrauen braucht. Er kann wunderbar begleiten, anregen, bereichern, nähren. So wie auch alle anderen Formen des Gottesdienstes. Ich freue mich auf viele zukünftige Krabbeleien.

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EIN ARTIKEL VON
  • Susanne Sommer

    Ich lebe mit meinem Mann und meinem Sohn (2,5) im Burgenland und bin Bewegungstrainerin und Texterin. Die Geburt meines Sohnes veränderte mein Leben grundlegend und brachte mich auf die Spur zu mir selbst. Neben dem Schreiben und Lesen sind die Natur, das Musizieren, Töpfern und Häkeln meine großen Leidenschaften.


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