17. Januar 2017

Großeltern sind Weggefährten des Glaubens

Großeltern Weggefährten des Glaubens - meinefamilie.at

Großeltern haben ihre Rolle in der Großfamilie und können unter anderem die Basis für das Glaubensleben der Enkel legen. Einige Anregungen.

„Die Omas und Opas sind heute nicht mehr die Großeltern von „anno dazumal“. Schon längst strickt die Großmama keine Strümpfe mehr und der Großpapa sitzt auch nicht mehr umringt von einer Schar Enkelkinder Pfeife-rauchend im Ohrensessel. Eher ist Oma die selbstbewusste Frau, die mit Smartphone und PC viele Kontakte pflegt. Mancher Opa möchte lieber von den Enkeln mit Vornamen angesprochen werden.

Da stellt sich die Frage: Welches Leitbild haben wir Großeltern von uns selbst? Wie finden wir unsere eigene Rolle im Generationengeflecht? Einerseits wissen wir, dass die Eltern die Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder tragen. Davon sind wir grundsätzlich befreit. Das entlastet und kann ein besonderes Vertrauensverhältnis zu unseren Enkeln entwickeln. Wie oft höre ich Michael sagen: „Opa, wir zwei sind dicke Freunde!“ Andererseits sind wir auch manchmal als „Familienfeuerwehr“ im Einsatz, wenn Mama fragt: „Könnt ihr heute unsere Kinder von der Schule abholen?“ – Kann ich morgen die Kleinen zu euch bringen?“  Natürlich freuen wir uns jedes Mal darauf, wenn die tüchtigen ABC-Schützen zu uns kommen.

Dann dürfen die Enkel den Lebensstil von uns Großeltern miterleben, auch im Hinblick auf die Begegnung mit Gott.

Natürlich muss unser Beitrag am Glauben-Lernen im glaubwürdigen Vorleben bestehen. Kinder haben ein gutes Gespür dafür.

Als Familie eine Tischgemeinschaft pflegen

Tischgemeinschaft: Gemeinsam leben, gemeinsam essen und gemeinsam dankbar sein (© Louisa Fleckenstein).

Für uns besitzt die Tischgemeinschaft einen großen Stellenwert. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten ereignet sich Familie. Dort herrscht eine handyfreie Zone. Das beginnt mit dem Tischgebet als Tischkultur. Unserem Esstisch gegenüber hängt eine Ikone von den drei Fremden in Mamre unter den Eichen bei Abraham. Auf die Frage unserer Enkelin Mirell, was das Bild bedeute, erklärte ihr meine Frau Louisa: „Diese Männer entpuppten sich als Engel Gottes, als Abraham sie zum Essen einlud. Auch  unsere Schutzengel sind bei Tisch unsichtbar bei uns.“

Als Großeltern können wir uns die Zeit nehmen, mit unseren Enkeln auf dem Sofa zu sitzen und auch auf schwierige Fragen kindgerecht zu antworten: Wo lebt Gott? Was passiert nach dem Tod? Wie hat Gott die Welt geschaffen? Ich erinnere mich an so ein Zwiegespräch mit meinem damals fünfjährigen Sohn Emmanuel, als er vom Kindergarten nach Hause kam: „Papa, die Miss Linda hat gesagt, dass Gott die Welt gebastelt hat.“-„Ja das stimmt, Emmanuel.“- „Gott hat doch alles gut gebastelt. Oder?“- Natürlich hat Gott alles gut gebastelt.“ „Papa, aber warum hat er dann den Teufel gebastelt?“ Da blieb mir zunächst einmal die Spucke weg. Ich holte tief Luft und versuchte meinem Sohn zu erklären, dass Gott nicht den Teufel, sondern einen Lichtengel mit Namen Luzifer gebastelt hatte. Dass dieser aber stolz geworden war und Gott nicht mehr gehorchen wollte. Deshalb hat er sich selbst zum Teufel gemacht.

Großeltern Glaubensgemeinschaft - meinefamilie.at
© Louisa Fleckenstein

Oma und Opa können den Glauben vermitteln

Schön ist, den Glauben in der Familie feiern zu können, zum Beispiel mit dem Bruder meiner Frau, der katholischer Priester ist. Es bedeutet für uns immer ein Höhepunkt für die ganze Familie, wenn Abuna Louis zu besonderen Anlässen mit uns am Tisch Eucharistie feiert und wir dann anschließend wie die ersten Christen als Haus-Kirche das „Liebesmahl“ miteinander halten dürfen.

Das Vertrauen, das wir unseren Enkeln entgegenbringen, ist das geeignete Umfeld für die Glaubensvermittlung. Wenn diese ab uns zu bei Oma und Opa übernachte dürfen, dann sprechen wir mit ihnen vor dem Schlafengehen ein Gute-Nacht-Gebet und geben damit den Tag dem Himmlischen Vater zurück. So kann dann schon mal die Frage auftauchen: „Oma, wie hat dir dein Glaube geholfen, wenn es dir schlecht ging? Wie stellst du dir Gott vor? Wie betest du zu ihm?“

Durch solche, manchmal anstrengende Fragen unsere Enkel können wir Großeltern  zu Lernenden werden.

Wir dürfen gemeinsam mit ihnen Lebenswege über Höhen und Tiefen gehen. Verbunden mit neuen Sichtweisen und Glaubenserfahrungen. Dabei stellt sich ein Klima der Freude, der Wahrheit und des Friedens ein.

Als Großeltern die Glaubensbasis legen

Als Großeltern dürfen wir einen Samen des Glaubens ins Herz unserer Enkel legen. Das bestätigt auch Papst Franziskus. Immer wieder zitiert er Lebensweisheiten seiner Großmutter. Und Oma Rosa lehrte den Papst das Beten: “Sie hat mir viel beigebracht in Glaubensdingen. Noch mit seinen 80 Jahren hat er einen Zettel von ihr im Gebetbuch, ein geistliches Vermächtnis an ihre Enkel.

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Kinder brauchen uns Großeltern. Wir Großeltern brauchen Enkelkinder. Nicht nur, wenn sie uns die neuesten iPhone-Möglichkeiten erklären. Eine Generation ist auf die andere angewiesen. Indem wir füreinander da sind.

Ein Bibelwort sagt: „Der Segen der Eltern baut den Kindern Häuser“ (Jesus Sirach 3, 11). Vielleicht dürfen wir es heute erweitert so formulieren: „Der Segen der Großeltern baut den Enkelkindern Häuser.“ Auch wenn es keine Häuser aus Stein sind, so sind es Glaubenshäuser, die der neuen Generation  ein festes Fundament geben. Lebenshäuser, in denen die Enkel die Gewissheit spüren,  dass sie die Welt neu gestalten können. Friedlicher, ehrlicher, gerechter, barmherziger. Dieser Gedanke verpflichtet uns. Weil wir damit herausgefordert werden, nicht  stehen zu bleiben und einzurosten,  sondern uns mit den Zukunftsplänen unserer Enkel zu beschäftigen. Dabei bekommen wir ganz viel zurück: eine sprudelnde, ansteckende Lebensfreude. Die spontan ist, unbekümmert und draufgängerisch. Wie sollen dann noch so manche Alters-Wehwehchen eine wichtige Rolle spielen oder trübe Gedanken aufkommen?

Christliche Rituale in den Tagesablauf einbauen

Christliche Rituale wie ein Gebet oder Lied zu bestimmten Tageszeiten und Anlässen schaffen Halt, Sicherheit und gute Gewohnheiten. Die Enkel wachsen mit der Gewissheit auf, sich beim Beten an Gott wenden zu können, ihm für Schönes zu danken, um Hilfe zu bitten und sich von ihm durch den Tag begleiten zu lassen. Natürlich sollten auch wir Großeltern täglich  für unsere Enkelkinder beten:

Herr, segne unsere Enkel,  

dass sie sehen lernen mit deinen Augen,
die Liebe ihrer Eltern,
die Schönheit deiner Schöpfung,

 in  den Farben der Blumen,
in dem Schnee auf den Bergen,
in der Weite des Meeres.

Herr, segne unsere Enkel,

dass  sie  lernen, auf deine Stimme zu hören, 
auf den Klang deines Namens,
auf den Ruf des Lebens,
auf die Sprache deiner Liebe,
und das Wort deiner  Verheißung.

Herr, segne unsere Enkel,

dass sie reden lernen,
mit deinen Lippen,
von den Freuden und Sorgen,
von den Wundern des Lebens,
Herr, segne unsere Enkel,

dass sie gehen lernen,
auf eigenen  Füßen,
auf den Straßen des Lebens,

auf den Wegen des Friedens,
in das Land deiner  Verheißung.

Amen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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