13. November 2015

Gottvertrauen hilft beim Familienprojekt


Ein Ehepaar möchte Ausgrabungen in Emmaus starten – ohne Helfer, ohne Geld. Der Vater möchte fast aufgeben, aber die Mutter erinnert: Gottvertrauen haben!

Nicht aufgeben – Gottvertrauen haben

Durch unsere Arbeit, Pilger im Heiligen Land auf die Spuren der Bibel zu führen, kamen meine Frau Louisa und ich auch nach Emmaus-Nicopolis. Dort mussten wir schmerzlich feststellen, wie dieser biblische Ort, an dem der auferstandene Herr den beiden Jüngern am Brotbrechen erkenntlich geworden war, verlassen und vernachlässigt wirkte.

Ein Anliegen für Emmaus

Durch unsere Freundschaft mit der damaligen Priorin des Karmels, Mutter Saint Joseph, konnten wir ihr unser Anliegen, dass doch etwas für Emmaus zu seiner Erhaltung getan werden sollte, vortragen. Wir stießen bei ihr auf offene Ohren. „Ihr habt meinen ganzen Segen dazu“, versicherte sie uns. „Doch macht mir keine Schulden“, gab sie gleichzeitig zu bedenken.

Als ich den Gedanken anschnitt, auch Emmaus durch archäologische Ausgrabungen aus der Vergessenheit der Geschichte zu heben, meinte Louisa skeptisch: „Da wirst du eher den Mond als Astronaut erreichen als eine staatliche Grabungslizenz zu bekommen.“ Mutter Saint Joseph warf mir einen aufmunternden Blick zu mit der Bemerkung. „Ich werde für euch um eine solche Grabungserlaubnis beten!“

(c) Neu Aloyse [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Ausgrabungen ohne Geld? Gottvertrauen!

Und die Lizenz kam tatsächlich. Woher aber nun die nötige Ausgrabungsausrüstung nehmen, da wir keinerlei finanziellen Mittel zur Verfügung hatten? Da erinnerte sich Louisa an den „Millionenhut“ von Pater Weerenfried, der sich nicht scheute, für die Menschen der „Kirche in Not“ zu betteln. „Für Emmaus bin auch ich bereit zu betteln“, sprach sie sich selbst Mut zu. Gesagt, getan, bei unserer nächsten Gruppe ließen wir den „Emmaushut“ kreisen. Und die Herzen begannen nicht nur zu „brennen“, sie ließen sich auch finanziell „erweichen“.

Den ersten Spatenstich in Emmaus starteten wir damals mit unserem neunjährigen Sohn Emmanuel. „Sicherlich ein Gut-Willens-Akt“, kommentierte ich. „Aber um effektiv auszugraben, bräuchten wir doch mehr als eine Handvoll Freiwilliger, fügte ich fast etwas kleinlaut hinzu. „Dann halten wir es einfach wie Mutter Saint Joseph“, ermutigte mich Louisa, „und beten um Hände voller Freiwilliger.“

Wenn Gott etwas schenkt, dann schenkt er in Überfülle. Bei der ersten, offiziellen Grabungssaison hatten wir tatsächlich alle Hände voll zu tun, um die über 30 Volontäre aus Deutschland, USA, Russland, Litauen, Finnland, Österreich, Schweiz und anderen Ländern zu beschäftigen. So wurde das Ausgrabungsprojekt für uns im Laufe der folgenden Jahre zu einem Glaubensprojekt.

Kurz davor, aufzugeben

Sonia, eine uns befreundete Geologin von der Universität in Beerscheba, hatte mit ihrem Magnetometergerät einen Teil des Geländes in Emmaus untersucht. „Da unten muss sich eine Höhle befinden“, war ihre fachmännische Feststellung. Also begannen wir dort zu graben. Bald fanden wir im Felsen einen Spalt, der wohl von einem Erdbeben herrührte, darin auch eine Menge zerbrochener Keramikscherben aus byzantinischer Zeit. Wahrscheinlich eine Abfallgrube aus dem vierten Jahrhundert. Aber sonst weiter nichts Aufregendes. Nachdem wir Lederkorb um Lederkorb voller Kulturschutt aus dem Spalt heraushievten, hatte ich eines Tages gegen Mittag sprichwörtlich die Nase voll. „Ehrlich gesagt, mir reicht‘s! Hier suche ich nicht mehr weiter! Basta! Fahren wir zurück nach Jerusalem. Ich habe keinen sehnlicheren Wunsch als nach einer kühlen Dusche, um mir den Staub der Jahrhunderte vom Körper zu spülen.“

„Geben wir dem Himmel noch eine letzte Chance!“, antwortete Louisa lächelnd.

„Wenn wir in einer halben Stunde nichts Wesentliches entdecken, dann reicht es auch mir und wir machen heute Schluss mit der ganzen Plackerei.“

Belohnung für Gottvertrauen

Wortlos und mit innerem Widerstreben füllte ich weitere Lederkörbe. Nach 20 Minuten erkannten wir, dass der Fels an einer Seite von Menschenhand bearbeitet war. Und nach einer weiteren halben Stunde entdeckten wir die mit einem Rollstein verschlossene Eingangstür zu einer antiken Grabanlage. Was wir dort fanden, überstieg all unsere Fantasie: vier Ossuarien, steinerne Knochenbehälter aus der Zeit 60 v. Chr. bis 70 n. Chr. In einem dieser steinernen Gebeinkästen lag eine Öllampe mit einem Christusmonogramm. Also standen wir vor den Gebeinen eines Menschen, der wohl noch Jesus als auch Kleophas und den anderen Emmausjünger gekannt hatte. Der Himmel hatte uns wieder einmal beschämt und dazu noch reichlich belohnt.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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