26. Februar 2019

Narrenfreiheit – was es mit der Faschingszeit auf sich hat

Narrenfreiheit - was es mit der Faschingszeit auf sich hat - meinefamilie.at

Was hat es mit der Faschingszeit auf sich? Woher stammen die Bräuche und wie hängt das bunte Treiben mit Ostern und der Fastenzeit zusammen?

Die Hauptbedeutung hat der Fasching durch die Fastenzeit. Seit rund 1000 Jahren wird ab dem Dreikönigsfest ausgelassen Fasching gefeiert, was sich dann bis zum Aschermittwoch immer mehr steigert. Es darf hemmungslos gezeigt werden „wie man falsch lebt“ hätte man vor 100 Jahren gesagt. Man kann sich also erlaubterweise wie ein Narr verhalten, ein Spötter, „weltzugewandt und verloren in Sinneslust“. Faschingstreiben ist als ein Spiel zu verstehen, nicht als Realität, die „Fasnacht“ (Unsinn-Zeit) kündigt schon den Carne vale (Fleisch ade) an, aber zuvor darf noch so richtig „daher gefaselt“ und viel Unsinn verzapft werden. Dem Unsinn folgt der Ernst, nach der „Zeit des Fleisches“ kommt im katholischen Kirchenjahr eine „Zeit des Geistes“: die Fastenzeit als Vorbereitungszeit auf das Osterfest.

Am 11.11. um 11:11 beginnt’s

Narrenfreiheit - was es mit der Faschingszeit auf sich hat - meinefamilie.at

Immer häufiger ist der 11.11. Starttermin für das Närrische. Die 11 gilt als Narrenzahl, als Zahl des Ungehorsams, die die Zehnzahl der Gebote überschreitet. Der Martinitag wurde im 19. Jahrhundert als „Auftakt, Appetitmacher“ auf den späteren Fasching eingeführt, weil er ja ähnlich dem Fasching vor der Fastenzeit ein Tag großen Feierns war. Knechte und Mägde erhielten ihren Lohn, es gab Gänsebraten und jungen Wein. Und am Tag nach Martini begann der Advent, die sechswöchige Vorbereitungszeit und Fastenzeit hin auf Weihnachten – ähnlich der vorösterlichen Fastenzeit, der ebenfalls das ausgelassene Feiern vorangeht.

Genug der kalten Jahreszeit

Narrenfreiheit - was es mit der Faschingszeit auf sich hat - meinefamilie.at

Neben Brauchtum und Glaube hat der Fasching auch eine starke Wurzel in der Natur. Vor allem bei uns in Österreich ist es an der Zeit, „den Winter zu vertreiben“. Es ist genug der kalten Jahreszeit, der Frühling möchte närrisch willkommen geheißen werden, nach den kalten Wintermonaten bricht die Sehnsucht nach Wärme durch.

Tanzen gegen die winterliche Kälte

In Niederösterreich und Wien ist die Faschingszeit geprägt durch die Ballsaison.
Der Wiener Walzer und das Ballwesen überhaupt leiteten im 19. Jahrhundert eine gesellschaftliche Revolution ein. Der Walzer erlaubte es, dass Männer Frauen öffentlich an den Hüften berührten, Menschen aller sozialen Schichten tanzten und die hypnotisierenden Drehungen rissen Tänzerinnen und Tänzer heraus aus ihrer Lebensrealität.

Kaiser Franz Josef und Sissi luden immer im Jänner 2000 Gäste ein und jeweils eine Viertelstunde nach Mitternacht endete jeder Ball mit einem letzten Walzer. In Wien gibt es auch heute jährlich circa 450 Bälle mit mindestens 300.000 BesucherInnen. Viele Berufsgruppen haben ihren eigenen Ball: So gibt es den Polizei-, Zuckerbäcker- oder Kaffeesiederball, aber auch den Ball der Mechatronik oder den Flüchtlingsball.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Anita Nussmüller

    Ich lebe in einer 4-Generationenfamilie - ideal für meine Arbeit als Referentin der Fachstelle Beziehung-Ehe-Familie. Es ist nicht einfach, meine eigenen Familien-Menschen mit meiner Begeisterung anzustecken – deshalb lebe ich meine Werte vor, hinterfrage mich selbst und erkläre warum ich tue was ich tue.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at