17. Februar 2016

Worum es beim Fasten eigentlich geht

Fasten - meinefamilie.at

In der Fastenzeit auf Gewohnheiten verzichten, sinnvolle Ziele im Blick haben und den Alltag auf neue Lebensqualitäten ausrichten: So kann das Fasten gelingen.

Alles hat seine Zeit: das Lachen und Weinen, die Fülle und der Verzicht.

Den duftenden Köstlichkeiten der Weihnachtszeit schließt sich mit knallenden Sektkorken und Feuerwerk nahtlos der Fasching an. Krapfen statt Keksen, Party und Ball statt Familienfest. Gleich bleibt die Hochsaison der Genüsse für alle Sinne. Möglicherweise als Antwort auf die Enthaltsamkeit der Natur. Im Außen müssen wir uns mit Kälte und Finsternis abfinden. Umso lebendiger wird es in Wohnungen und Ballsälen.

Doch mit dem Aschermittwoch beginnt die Trendwende. Jetzt sind Mäßigung und Enthaltsamkeit angesagt. Nicht nur bezüglich der kulinarischen Genüsse – immer mehr Menschen versuchen in anderen Lebensbereichen auf selbstverständlich gewordene Gewohnheiten zu verzichten: Fahrten mit dem Auto aus Bequemlichkeit, abendliche Fernsehstunden, Nutzung von Facebook, Twitter & Co.WorWor

Mit Hilfe dieser guten Vorsätze und der Unterstützung durch die Fastenzeit, in der ja Veränderung quasi „in der Luft liegt“, soll das Pendel rasch in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen. Damit es nach Ostern hoffentlich wieder zu einem sinnvollen Mittelmaß ohne Übertreibung in die eine oder andere Richtung kommt.

Angeblich müssen neue Gewohnheiten 21 Mal geübt werden, bis sie in Fleisch und Blut übergehen. Die 40 Tage der vorösterlichen Zeit bieten sich also wunderbar an, neue Wege zu beschreiten.

Fasten soll sinnvoll sein

In jedem Fall soll Fasten sinnvoll sein. Sinn entsteht durch Wert(e)-Schöpfung – also wenn Werte gelebt werden. Wenn Möglichkeiten, Ziele, Vorsätze zur Wirklichkeit werden. Was braucht es jetzt, damit das das Fastenbrechen nicht schon wenige Tage nach dem Aschermittwoch beginnt?

Zum einen muss das Ziel stimmig sein, das heißt die Verwirklichung der neuen Einstellung, des neuen Verhaltensmusters muss weit oben auf der persönlichen Prioritätenliste für Veränderungen stehen.

Es geht weniger um das Loslassen schlechter Gewohnheiten, sondern viel mehr um die Ausrichtung auf neue Lebensqualitäten.

Da es auch hier hilfreich ist, manche Schritte als Paar, als Familie gemeinsam zu gehen, sollte der gemeinsame Vorsatz nicht lauten: „Wir schalten am Abend nach den Nachrichten den Fernseher aus.“ Stattdessen entstehen verlockendere Bilder im Kopf, wenn es heißt: „In der Fastenzeit wird das Wohnzimmer zur Bibliothek!“ Vielleicht auch mit gegenseitigem Vorlesen, vielleicht gibt es ein „Fastenbuch“, das gemeinsam gelesen und dann natürlich besprochen wird.

Spannend kann es auch sein, bei einem gemeinsamen Essen bewusst zu schweigen. Der Verzicht auf Worte lenkt die Aufmerksamkeit automatisch auf andere Ebenen der Kommunikation, auf andere Sinneskanäle. Besteckgeräusche werden vielleicht so zur Tafelmusik, Augen-Blicke bringen Humor und Dankbarkeit zum Aufblitzen.

„Verzichts-Ziele“ machen uns das Leben unnötig schwer. Wenn ich weniger Schokolade essen möchte, ist es besser, mir in Gedanken einen köstlichen Obstteller auszumalen, als ständig an Scho… zu denken.

Nach Enttäuschungen weitermachen

So gelingt es leichter, auch im Falle von Rückschlägen und entmutigenden Ausnahmen immer wieder einzusteigen. Wenn ich gestern vielleicht zu müde, zu erschöpft, enttäuscht war und so wieder in meine alten, eher selbstschädigenden Muster verfallen bin, so ist heute ein neuer Tag mit einer guten Möglichkeit, wieder in den Fasten-Zug einzusteigen. Wir alle haben eine gute Portion Trotzmacht in uns, die hilfreich ist, den inneren Schweinehund immer wieder zu überwinden.

Ein weiteres Qualitätsmerkmal von Fastenzielen ist die Transzendenz. Wenn das Überschreiten einer Ziellinie nicht nur meinem Ego dient, sondern sich andere Menschen darüber freuen beziehungsweise wenn dieses Ziel im wahrsten Sinn „Gott gefällig ist“. Wenn ich also mit dem Weg diesem Ziel, der Idee, die Gott von mir hat, immer näher komme.

Ziele müssen aber auch realistisch sein. Dazu helfen Ausnahmen – Rezeptbücher alter Klosterküchen sprechen hier Bände: Am 7. Tag stand nach sechs Tagen des Verzichts und der Askese Genuss und Fülle am Speiseplan. So gelingt das Einüben der Balance – auch für die Zeit nach Ostern.

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EIN ARTIKEL VON
  • Brigitte Ettl

    Als gelernte Juristin habe ich mich nach Jahren im Journalismus, in der Privatwirtschaft und der Kirche (KAÖ-Forum Beziehung) als Ehe- und Familienberaterin, Psychotherapeutin, Mediatorin und Wirtschaftscoach selbstständig gemacht. Mit meinem Mann verbinden mich 28 Ehejahre und die gemeinsame Leitung einer Unternehmensberatung.


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