17. Februar 2015

Ausmisten in der Fastenzeit


Wir haben tausende und abertausende Dinge und ärgern uns über volle Schränke und verstellte Flächen. Die Fastenzeit ist eine tolle Zeit, um das Ausmisten anzugehen.

118 Dinge besitzen? Nicht ein Teil mehr oder weniger? Ich habe einen kurzen Fernsehbeitrag über einen Studenten gesehen, der noch genau 118 Dinge besitzt. Ich glaube, alleine meine Sockenlade überbietet das. Da gibt es Sportsocken, normale Socken, schwarze und bunte Socken, Socken für Bergschuhe, Füßlinge, Strumpfhosen, Leggins, warme Kuschelsocken, selbstgestrickte Socken von meiner Mutter und, und, und… Gut, es mögen keine 118 sein, aber jede Menge. Wieviel davon brauche ich wirklich?

Die Fastenzeit ist eine gute Zeit um sich zu überlegen, was man wirklich braucht. Wir haben tausende und abertausende Dinge, ärgern uns über volle Schränke und verstellte Flächen, die, wenn wir sie putzen wollen, erst einmal abgeräumt werden müssen. Putzen wir sie nicht, sammelt sich der Staub. Auch nicht schön.

Jeden Tag verlässt etwas meine Wohnung

Mein Vorsatz für die Fastenzeit: Ich werde jeden Tag etwas aus meiner Wohnung entfernen.

Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ich sortiere etwas aus, das kaputt ist – indem ich es endlich repariere oder wegschmeiße. Oder ich gebe etwas weg, das ich nicht mehr verwenden mag – oder noch besser, nie gemocht habe. Völlig egal ob es ein Geschenk war, wertvoll ist oder ich es eventuell in 100 Jahren wieder brauchen könnte. Wie oft behalten wir Dinge, die wir hässlich finden? Oder die uns an Menschen erinnern, die uns nicht gut tun, nur weil das Ding “wertvoll” ist? Nach dem Tod können wir nichts mitnehmen. Warum fällt es uns im Leben so schwer, Besitz loszulassen?

Hier ein paar Vorschläge für eine Wohnungsdiät:

Das Badezimmer ausmisten

Wie voll ist unser Kosmetikschrank? Wie viele Cremes, Lidschatten, Lippenstifte, Labellos (man verliert sie ja ständig, kauft einen neuen, nur um kurz danach den alten wiederzufinden…), Nagellacks, Duschgels und ähnliches brauchen wir? Was davon ist schon abgelaufen – denn ja, auch Kosmetik läuft ab und vergammelter Lippenstift tut nicht gut. Daher: halbleere Packungen aufbrauchen oder weggeben und die Übersicht im Badezimmerschrank genießen.

Kleidung ausmisten

“Ich hab nichts anzuziehen”, sprach sie und stand vor dem vollen Kleiderschrank.

Kleiderschränke platzen, nicht bei allen, aber bei vielen Menschen aus allen Nähten. Variante eins – gerne von Werbung und Co. propagiert – mehr Stauraum kaufen: einen größeren Schrank, Kisten bis an die Decken, noch mehr Wände, die verbaut werden könnten… Ich bin eher für Variante zwei: aussortieren. Was in unserem Kasten ziehen wir wirklich an? Weniger als wir denken.

Es gibt ein paar einfache Tricks, sich in der Fastenzeit dessen bewusst zu werden.

  • Der Klassiker
    Alles was gerade spannt, man gerade nicht tragen will, zu weit ist, aus der Mode ist, sorgfältig in eine Kiste packen, verstauen und frühestens nach sechs Monaten wieder hervorkramen. Ausnahme: Man vermisst ein Teil aus eben dieser Kiste. Aus eigener Erfahrung und der aus dem Freundeskreis kann ich sagen, das kommt so gut wie nie vor.
  • Die Rechts-Links-Methode
    Wer eine Kleiderstange zu Hause hat, tut sich bei dieser Methode besonders leicht. Alles was getragen wurde (Basics, die man drunter trägt, zählen hier nicht) kommt nach dem Waschen auf die rechte Seite des Kastens und bleibt dort aus. Zur Auswahl hat man nur die linke Seite. Ganz erstaunlich, auf welche Kombinationen man kommt und welches Teil endlich wieder Tageslicht sehen darf. Ausnahme sind Kleidungsstücke, die nur alle heiligen Zeiten getragen werden, aber doch immer wieder – wie das Ballkleid oder das teure Kostüm. Finden sich am Ende auf der linken Seite das Kastens Teile, die man in all den Wochen noch nicht getragen hat, aber auch nicht mehr tragen will – weg damit. Freunde fragen, einem Flohmarkt spenden, auf einer Internetplattform verkaufen, egal was – weg damit. Wer keine Kleiderstange hat: in jeder Lade und jedem Fach erfüllen zwei Stapel das gleiche Prinzip.
  • Eine Tauschparty veranstalten
    Oft hat man Teile, die teuer waren, die man früher heiß und innig geliebt hat, die aber nicht mehr gut passen, oder die man einfach nicht mehr trägt… Um die loszuwerden: Freunde einladen und eine Tauschparty machen. Jeder bringt mit, was er nicht mehr braucht, alles kommt auf einen Haufen und jeder kann sich nehmen, was gefällt. Zumindest mir fällt es wesentlich leichter, mich von “geliebten” Teilen zu trennen, wenn ich weiß, sie werden wieder getragen. Und man trifft seine Freunde zu einem gemütlichen Nachmittag.

Upcycling

Einfach mal in Google “Upcycling” eingeben und dazu, was man an Material so zuhause hat. Egal ob alte Plastikflaschen, T-Shirts, Pölster, Geschirr oder Möbel: Das Internet liefert hunderte Vorschläge, Ideen und Inspirationen, wie wir aus Altem etwas Neues machen können und das mit viel Spaß – oft auch mit den Kindern zusammen.

Ein Vorsatz für meine Fastenzeit, auf den ich mich schon sehr freue: Endlich das ganze alte Wachs, das sich über die Jahre angesammelt hat, zu neuen Kerzen zu schmelzen. Die Dochte sind für nicht einmal einen Euro schon besorgt und ein paar leere Gläser wandern nicht in die Altglassammlung, sondern werden bald zu Kerzen.

Ein paar Inspirationen: Hipp Baby-Gläschen Upcycling oder Recycling: Brettspiel aus Nespresso-Kapseln

Lebensmittelfasten

Nein, damit meine ich keine Diät, keine Ernährungsumstellung. Auch wenn ich es sehr befürworte in der Fastenzeit möglichst fleischarm, regional und selbst gekocht zu essen. Ich meine Produkte, die sich über Jahre in unsern Küchenschränken ansammeln, selbst Gekochtes, dass die Tiefkühltruhe verstopft usw. Die Fastenzeit ist die perfekte Zeit, um vor jedem Einkauf einen Blick auf die eigenen Vorräte zu werfen und diese bis Ostern zu reduzieren. Denn Lebensmittel aufzuräumen, auszumisten, Ordnung zu schaffen ist alleine aus hygienischen Gründen wichtig.

Ich selbst tendiere dazu, “besondere” Lebensmittel zu horten. Die Eierschwammerl aus dem Sommer, Mamas Himbeeren aus dem Garten, die Vanillecreme, die ich letztes Jahr in Rom gekauft habe,… Nur, die Dinge werden nicht besser. Ganz im Gegenteil, zu oft übersehe ich den Zeitpunkt der Haltbarkeit und all die Kostbarkeiten wandern in Müll. Mein Vorsatz für die Fastenzeit: alles aufessen!

Das waren einige Vorschläge für einen bewussten Blick auf die Dinge, die wir besitzen. Natürlich geht noch viel mehr – Bücher in offene Bücherkästen stellen, altes Geschirr an karitative Einrichtungen… Zumindest aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Ausmisten tut gut.

Zum Thema passend: Nachhaltigkeit im Familienalltag

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EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Spörk

    Lesen und Schreiben – meine zwei Leidenschaften zu vereinen, war immer ein großer Wunsch. Seit acht Jahren ist es auch mein tägliches Tun: als Redakteurin bei der Erzdiözese Wien. Das Arbeiten im Web fasziniert mich, die redaktionelle Mitarbeit für meinefamilie.at ist jetzt die Zugabe.


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