25. August 2018

Der Kinderteppich – Ein Spielplatz in der Kirche?

Der Kinderteppich - Ein Spielplatz in der Kirche? - meinefamilie.at

Kindern kann man heute – Gott sei Dank – nicht mehr verordnen mucksmäuschenstill zu sein und ja nicht zu stören. Wunderbar, dass Kinder sich gerne bewegen und neugierig sind. Also gestalten wir Haus und Garten so, dass sie für ihr Spiel angeregt werden. Warum also nicht auch die Kirche? Die Kinder sollen auch in der Kirche eine für sie vorbereitete Umgebung erleben. Sie sollen spüren, dass sie von der Feierlichkeit der hl. Messe nicht ausgeschlossen sind sonder sich willkommen fühlen!

Wenn wir als Familie uns Sonntagfrüh vornehmen, zur Kirche zu gehen, dann läuft das ungefähr so ab: Zu allererst hängt der Messbesuch davon ab, wie lange die Kinder (1 und 3 Jahre) schlafen. Sind alle rechtzeitig wach und das Frühstück verläuft ohne gröbere Vorfälle, kommt es nur noch darauf an, die Windel rechtzeitig zu wechseln, um nicht noch einmal umkehren zu müssen. Frisch gewickelt kommen wir dann noch gerade rechtzeitig zum Einzugslied. Eine Zeit lang bleiben die Kinder ruhig, aber spätestens mit Beginn der Predigt wollen sie sich bewegen. Will ich nicht auffallen, dann ist es ratsam, die Kinder irgendwie zu beschäftigen und ich frage mich dann oft selber am Ende der Messe, was der Pfarrer heute eigentlich gepredigt hat.

Ich habe schon gesehen, dass es auch Familien gibt, die es gut schaffen, eine Sonntagsmesse mit drei kleinen Kindern ruhig zu Ende zu bringen, für uns ist der gemeinsame Sonntagsgottesdienst aber mühsam, weil unsere Kinder unruhig werden. Viele Familien, die ich kenne, stellen sich dieser Herausforderung gleich gar nicht und bleiben weg. Das ist für die Kirche und den Gottesdienst nicht sehr erfreulich – soll Kirche doch ein Ort für uns alle sein.

Die Lösung des Problems

Ich habe mich diesem Problem aber angenommen: Seit 10 Jahren gestalte ich für die Sonntagsgottesdienste in meiner Pfarre eine vorbereitete Umgebung für Familien mit jungen Kindern. 2-Jährige können sich an Ausmalbildern zum Evangelium austoben, diejenigen die das nicht möchten können mit Schaumstoffelementen bauen, Magnete ausprobieren, mit Kugeln experimentieren oder in unterschiedlichen Kinderbüchern schmökern. Auch eine Playmobil-Kirche, mit der gerne gespielt wird, steht zur Verfügung.

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Wichtig sind mir Materialien, die keinen Lärm erzeugen und dass die Eltern in der Nähe des Spielteppichs bleiben. Junge Kinder wollen mit Mama und Papa in Verbindung sein und würden diese sehr bald suchen wenn sie nicht in der Nähe sitzen würden. Damit dies möglich ist, stellen wir Erwachsenensessel beim Kinderteppich zur Verfügung.

Der wichtigste Punkt für den Start des Projekts “Kinderteppich” war ein geeigneter Platz in der Kirche, von dem aus Kinder und Eltern freien Blick zum Altar haben. Die Kinder können jederzeit ihr Spiel unterbrechen und dem Hauptgeschehen Aufmerksamkeit schenken. Besonders akustische Signale sind eine Einladung, den Blick zu heben: Glocken, ein Wechsel der Stimmen oder schöner Gesang.

Wer möchte, kann den ganzen Gottesdienst am Kinderteppich verbringen, aber kaum ein Kind bleibt sitzen, wenn wir zum „Vater unser“ nach vorne zum Altar ziehen, da kommen sie alle gerne mit.

Und sollte es einmal nicht so lautlos klappen, dann hilft vielleicht der Gedanke, dass wir einen biblischen Auftrag haben, Kinder zu Jesus kommen zu lassen.

Familien sind bei uns willkommen

Im Mai 2008 waren wir uns im Pfarrgemeinderat darüber einig, dass wir ein Signal an Familien mit jungen Kindern senden wollten. Damals war zwar die Eltern-Kind-Gruppe gut besucht, aber in den Gottesdienst kam von den jungen Familien niemand. So entwickelten wir das Angebot eines „betreuten Kinderteppichs“. In der Einführungsphase gab es den Kinderteppich nur einmal im Monat und einige interessierte Familien kamen regelmäßig.

Unser Pfarrer lud immer wieder herzlich dazu ein, und so füllte sich der Kinderteppich sehr bald auch mit Gästen von weiter weg. Um allen Familien die Sicherheit eines betreuten Kinderteppichs geben zu können, auch jenen, die spontan zum Gottesdienst kamen, wurde das Angebot des Kinderteppichs sehr bald schon auf alle Sonntage ausgedehnt. Begleitend zu jeder Heiligen Messe gab und gibt es nun den Kinderteppich und mittlerweile auch ein Team an Betreuenden. Das Angebot wird sehr gut angenommen.

Fazit nach 10 Jahren

Für Familien: Viele sagen mir, dass sie nicht kämen, gäbe es den Teppich nicht.

Für die Pfarre: Alle, die heute ministrieren, haben am Kinderteppich begonnen.

Der Kinderteppich ist kein Parallelprogramm zur Heiligen Messe, sondern eine optimale Möglichkeit, dass Eltern UND Kinder Gottesdienst feiern. Dies ist gar nicht so selbstverständlich. Für Familien mit Kleinkindern ist der gemeinsame Sonntagsgottesdienst oft anstrengend, weil die Kinder unruhig werden und schon bald wieder gehen wollen. Sie sind es gewohnt, in einer Umgebung zu sein, in der sie selbstständig handeln können. Und dies gewährleistet der Kinderteppich. Das Angebot des Kinderteppichs fügt sich problemlos in einen ruhigen, gewohnten Messablauf ein, bei dem sich niemand gestört fühlen soll.

Der Kinderteppich ist als generationenfreundliches Angebot aufgebaut, wo die Bedürfnisse der Erwachsenen nach Ruhe und Ordnung nicht geschmälert werden und Kinder trotzdem lebendig sein können.

Und sollte es einmal nicht so lautlos klappen, dann hilft vielleicht der Gedanke, dass wir einen biblischen Auftrag haben, Kinder zu Jesus kommen zu lassen.

Wer darüber Genaueres wissen möchte ist herzlich eingeladen Frau Anita Nussmüller zu kontaktieren, sie beantwortet alle Fragen gerne:

Anita Nussmüller, MEd.
0676 / 82 66 15 328
a.nussmueller@kirche.at

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EIN ARTIKEL VON
  • Anita Nussmüller

    Ich lebe in einer 4-Generationenfamilie - ideal für meine Arbeit als Referentin der Fachstelle Beziehung-Ehe-Familie. Es ist nicht einfach, meine eigenen Familien-Menschen mit meiner Begeisterung anzustecken – deshalb lebe ich meine Werte vor, hinterfrage mich selbst und erkläre warum ich tue was ich tue.


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