25. Dezember 2014

Beten zu Gott


Beten zu Gott: Da Danken und Bitten wir für unser Leben, unsere Familie. Aber zu wem beten wir eigentlich? Wie ist dieser Gott?

Wie ist der Gott zu dem wir beten?

Bei der Frage, „Wie ist unser Gott?“ hilft es uns, in der Bibel, dem zentralen Buch unseres christlichen Glaubens, nachzuforschen. Hast du dich noch nicht so viel damit beschäftigt, wirst du bestimmt irritiert sein durch manche Widersprüchlichkeit.

Der Gott im Alten Testament

Der Gott im Alten Testament ist ein strafender Gott, der Adam und Eva aus dem Paradies vertreibt und fast die gesamte Menschheit in der Sintflut auslöscht. Schon kleinen Kindern lesen wir dies aus der Kinderbibel vor. Wie passt das mit einem Gott der Liebe zusammen, den wir ihnen doch vermitteln wollen?

Und doch, wenn wir die verschiedenen „Stationen“ der Heilsgeschichte, das ist die Geschichte Gottes mit uns Menschen, genauer betrachten, dann fällt uns eines auf: es gibt eine Veränderung, eine Entwicklung. Zuerst, nach dem Sündenfall, war alles eher roh und rau, die Sitten und Gebräuche gingen in die Richtung, dass ein Mord z.B. siebenmal gerächt wurde. Da war das Gesetz: „Aug um Aug, Zahn um Zahn“ schon eine drastische Milderung, indem man Gleiches mit Gleichem vergalt.

Die 10 Gebote: “Du sollst” oder “Du wirst”

Später dann hat Gott Mose die 10 Gebote gegeben, als Richtlinie, wie wir miteinander umgehen sollen. Wir kennen die Formulierung eher als: „Du sollst…, du sollst nicht…“ Die eigentliche Übersetzung, das haben mir einige Theologen bestätigt, heißt aber: „Du wirst….“ Wenn du ein gutes Leben in Frieden führen willst, dann wirst du dies und jenes tun bzw. unterlassen, weil es einfach gut und förderlich ist. Was zuvor wie ein strenges Gebot erschien, klingt nun ganz einfach logisch.

Die “Goldene Regel”

„So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“ lautet die sog. „Goldene Regel“, die wir im Matthäusevangelium 7,12 finden. „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg’ auch keinem anderen zu.“ Das habe auch ich schon als Kind gelernt und gebe es an meine eigenen Kinder weiter. Eine zeitlose Weisheit, um uns das Zusammenleben mit anderen Menschen zu erleichtern.

Jesus hat es vorgelebt

Jesus hat uns das konkret vorgelebt. Er hat schließlich als Gott und auch als Mensch bei uns gelebt und Gott direkt repräsentiert. Er war der lebendig gewordene Gott zum „Anfassen“ und sein Umgang mit Menschen entsprach teilweise so gar nicht den damaligen Konventionen.

So sprach er beispielsweise ganz ungeniert mit fremden Frauen (z.B. Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen), nahm Kinder auf seinen Schoß und stellte eines von ihnen sogar als Beispiel in die Mitte, pflegte Freundschaft mit Zöllnern, Prostituierten und anderen, die am Rande der Gesellschaft standen und von allen gemieden wurden.

Jesus war eigentlich ein wandelnder Affront, eine Beleidigung für viele seiner Zeitgenossen, die sich durch ihn provoziert fühlten. Speziell die strengen, gesetzestreuen Schriftgelehrten, die Pharisäer, hatten es schwer mit ihm. Warum? Weil es ihm weniger um Gesetze und Regeln und viel mehr um das Herz der Menschen ging.

Gott geht es um unser Herz

Denn so ist Gott: es geht ihm nicht darum, dass wir möglichst alles richtig machen, nicht sündigen etc. Er weiß, dass wir Menschen das sowieso nicht allein schaffen!

Nein, es geht ihm um unser Herz! Gott möchte eine ganz persönliche Beziehung mit jedem von uns aufbauen und pflegen. Er nennt uns seine Kinder. Gott hat uns geschaffen, um uns zu lieben!

Weil wir unsere Kinder lieben

Wir bekommen ja auch nicht Kinder, um Haushaltssklaven zu haben J (auch wenn sie das in gewissen Pubertätsphasen vielleicht sogar behaupten), sondern um uns an ihnen zu freuen, Gemeinschaft mit ihnen zu haben, das Leben mit ihnen zu teilen.

Insofern besteht ein großer Unterschied zwischen unserem christlichen Gott und verschiedenen anderen Götterfiguren auf der Welt. Er ist nicht nur eine kosmische Kraft oder eine launische Gottheit, die besänftigt werden muss. Der Gott, den wir Christen kennen und anbeten, ist vollkommen, und er ist reine, lebensspendende Liebe. Er hat uns einen freien Willen gegeben, damit wir kein Sklavendasein führen, sondern uns aus freien Stücken für ihn entscheiden können. Er liebt jeden Menschen unendlich, aber er zwingt niemanden dazu, diese Liebe zu erwidern.

Die Freundschaft Gottes

Wenn uns bewusst wird, was es bedeutet, dass der allmächtige Gott, der Schöpfer des ganzen Universums, uns seine Freundschaft anbietet, einfach so, dann können wir eigentlich nur sagen: „Wow! Danke!“

Es geht uns so wie den Kindern von Narnia, als sie dem Löwen Aslan begegnen: Ehrfurcht und Dankbarkeit erfüllt sie über diese unglaubliche Ehre, ihn kennen, ja sogar Freundschaft mit ihm haben zu dürfen.

Beim beten zu Gott, Danke sagen

Unsere Antwort auf Gottes Angebot ist also ausgesprochene Dankbarkeit – eine Form von Gebet. Weil wir durch ihn existieren und alles von ihm haben, dürfen wir ihm ab und zu einfach mal „Danke“ sagen…

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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