18. Dezember 2014

Beten – erste Schritte


Beten, was, wie, warum tun wir das eigentlich? Vom Stoßgebet bis zum vorgeschriebenen Gebet. Am Anfang steht die Frage: Zu wem bete ich eigentlich?

Viele von uns sind mit verschiedenen Gebeten groß geworden – Kindergebeten, Abendgebeten, Gebeten bei Tisch. Bei manchen gehörte Gebet einfach dazu zum Alltag und sie geben das genauso ihren Kindern weiter. Andere empfanden es vielleicht als lästige Pflichterfüllung und kommen daher auch gut ohne aus. Manchmal passiert dann aber doch ein Stoßgebet inmitten großer Schwierigkeiten. Ich kenne persönlich niemanden, der gar nie betet.

Wer mit seinen Kindern beten will, selbst wenn er/sie selbst nicht oft betet, sollte sich vorweg selbst ein paar grundlegende Gedanken zum Thema machen:

In meiner Vorbereitung des Themas „Warum und wie bete ich?“ für den Jugend-Alpha-Glaubenskurs hab ich mir einige Gedanken darüber gemacht, die ich auch hier gerne mit euch teilen möchte.

Was ist Gebet?

Im Internet (Wikipedia) hab ich folgende Erklärung gefunden: „Das Gebet (abgeleitet von bitten) bezeichnet eine zentrale Glaubenspraxis vieler Religionen. Es ist eine verbale oder nonverbale rituelle Zuwendung an ein transzendentes Wesen (Gott, Gottheit).“

Verschiedene Formen des Gebets

Da ich selbst schon viel gereist bin und mich immer schon für Spiritualität interessiert habe, durfte ich verschiedenste Formen von Gebet kennenlernen.

In Asien, speziell in China und Tibet, gab es Gebete in Form von bunten Gebetsfahnen und Gebetsmühlen, die, durch den Wind oder Berührung angetrieben, das Beten „übernahmen“. In Indien waren wir bei verschiedenen Zeremonien dabei, wo Statuen von Gottheiten mit vielen Kerzen als Opfergabe in den Fluss geworfen wurden. Sowohl im Buddhismus als auch im Hinduismus wurden Räucherstäbchen, Butterlampen und ähnliches für Götter angezündet, um sie milde und gnädig zu stimmen. Wir sahen sogar Pilger, die, Gebete vor sich hinmurmelnd, auf den Knien rutschten oder den Weg zu einem bestimmten heiligen Ort mit ihren Körperlängen abmaßen, indem sie sich immer wieder bäuchlings auf den Boden legten.
Das ist soweit nicht Neues. Schon in der Antike gab es ähnliche Bräuche, um Gottheiten, die zum Teil sehr menschliche Züge aufwiesen, zu besänftigen. Manchen von ihnen wurden Speisen und Tiere, anderen sogar Menschen geopfert. (das muss man kleinen Kindern nicht unbedingt erzählen…auch wenn die Geschichte von Abraham und Isaak an diese Bräuche erinnert)

Warum beten wir?

Warum aber beteten und opferten die Menschen damals und auch heute überhaupt? Meist, da sie etwas brauch(t)en: Gesundheit, eine gute Ernte, Schutz vor Unwetter und anderen Katastrophen. Erfolg, glückliche Beziehungen, Kinder,…
Warum beten wir? Aus denselben Gründen…. Oder?

Die wichtige Frage: Zu wem bete ich?

Nun, für mich stellt sich da erst mal eine ganz wichtige Frage: zu wem bete ich eigentlich? Wer ist dieser Gott, an den ich glaube? Ich kenne genug Leute, die zwar an „irgendetwas da oben“ glauben, aber nicht so genau sagen können, wie dieser Gott ist.

Meist ist unser Gottesbild, d.h. unsere Vorstellung davon, wie Gott ist, sehr von unseren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen geprägt. Hatten wir liebevolle, aufmerksame Bezugspersonen, haben wir keine Probleme, an einen liebevollen Gott zu glauben.
Waren sie sehr kontrollierend, entsteht in uns eher ein Bild von einem „Polizisten-Gott“, der uns ständig auf die Finger schaut.

Waren sie „Diktatoren“, stellen wir uns auch Gott als einen vor, der uns mit dem Finger droht, wenn wir nicht genau das tun, was er will.

Waren sie eher abwesend, entsteht das Bild von einem, der irgendwo da oben schwebt und sich nicht wirklich für uns interessiert.

Noch eine andere Variante ist der „Automaten-Gott“: Ich bete, Gott gibt mir dafür das, was ich möchte. So, wie wenn man eine Münze in einen Kaugummiautomaten wirft und dann das Gewünschte sofort bekommt.

Aber ganz so funktioniert das mit Gott auch nicht…

Überlege mal, wie du da persönlich geprägt bist. Auch im Umgang mit unseren eigenen Kindern ist das ein wichtiger Denkanstoß.

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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