2. Dezember 2016

Wie viel heiliger Nikolaus darf sein?

heiliger nikolaus schoko - meinefamilie.at

„Feste wie das des heiligen Nikolaus bereichern das Leben unserer Kinder“, sagt Susanna Haas, pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung. Über den Stellenwert religiöser Feste im Kindergarten und die Feier des heiligen Nikolaus.

Ich erinnere mich noch genau an die beiden – an den „heiligen Nikolaus“ und den „Krampus“, die mich vor vielen, vielen Jahren als Kind im Kindergarten besuchten: Groß war der Nikolaus, sehr groß und sehr imposant mit seiner Bischofsmütze und dem Bischofsstab. Er hatte einen dichten, langen, weißen Bart und ein großes Buch, aus dem er vorlas, was er sich über mich notiert hatte. Neben ihm der Krampus, laut und unheimlich mit seiner großen Eisenkette und seinem Sack voller Kohlen. Ich erinnere mich, dass ich aufgeregt und sehr erleichtert war, als klar wurde, dass in dem Buch nur Gutes über mich stand und der Krampus demnach für mich nichts haben würde.

Keine Angst vor’m Nikolaus

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© St. Nikolausstiftung/Knittel

Heute ist das alles anders. Wenn der Nikolaus heute in den Kindergarten kommt, hat das nichts mit Angstmache und dem Aufzählen von Verfehlungen zu tun. „Wenn man es richtig anlegt, wenn das Fest vom Wirken des Heiligen geprägt ist, ist Nikolaus ein großartiges und wichtiges Fest im Kindergarten“, sagt Susanna Haas, pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung: „Geprägt von Fröhlichkeit und Freude.“

In den Kindergärten der St. Nikolausstiftung ist man schon in den letzten Jahren dazu übergangen, die Feierpraxis im Hinblick auf den großen Bischof kindgerecht zu gestalten. Wenn, dann komme eine den Kindern bekannte Person in den Kindergarten und verkleide sich vor den Augen der Kinder als Nikolaus. „Unsere Erfahrung ist, dass Kinder den Nikolaus so als gut erleben und keine Angst vor ihm haben“, sagt Susanna Haas. Das Fest verliere dadurch für die Kinder auch nicht an Zauber, der Nikolaus bleibe eine faszinierende Gestalt.

„Gerade Kindergartenkinder leben in dieser Welt des magischen Denkens – Gespieltes wird im nächsten Augenblick als real empfunden. Die Person, die sich verkleidet hat, wird für die Kinder tatsächlich zum hl. Nikolaus mit allem, was dazugehört.“

Der Krampus mit seinen schweren Ketten und der Rute und auch der Nikolaus, der die Verfehlungen der Kinder aufzählt, hat in der St. Nikolausstiftung keinen Platz.“

Ein wunderbares Fest im Kindergartenalltag

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© St. Nikolausstiftung/Knittel

Generell gehören Feste wie das des heiligen Nikolaus in den Kindergartenalltag. Gerade in den Kindergärten der St. Nikolausstiftung, die in Wien rund 6000 Kinder betreut, ist die Vermittlung religiöser Feste und religiösen Wissens elementarer Bestandteil des Bildungsalltags. „Religion wird bei Festen wie Nikolaus erlebbar“, sagt Susanna Haas, die pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung:

„Religion wird dabei sozusagen in den Alltag der Kinder übersetzt. Es wird ihnen gezeigt, was katholischer Glaube ist, was er vermag und auch, was er für ihr Leben bedeuten kann. Probleme wie Armut und soziale Ausgrenzung genauso wie Werte wie Mitgefühl und Solidarität werde durch die Lebensgeschichten Heiliger auch für die Kleinsten verstehbar.“

Wer war der hl. Nikolaus? Wie hat er gelebt? Was war ihm wichtig? Wie können wir heute für unsere Mitmenschen da sein, so wie der hl. Nikolaus damals in seiner Zeit? Das sind Fragen, mit denen sich Kindergartenkinder, angeleitet von den Pädagoginnen und Pädagogen, gerne und auch sehr intensiv auseinandersetzen.

Angst, dass den Kindern bei den Festen etwas aufgezwungen wird, müssten die Eltern dabei nicht haben. „Für die Kinder ist jedes Fest eine Bereicherung. Sie erleben es als schönen Moment, als etwas, das den Alltag in angenehmer Art und Weise unterbricht und genießen es auch“, so Susanna Haas: „Und: Wir sagen den Kindern nicht, was sie glauben sollen. Glauben ist nicht vermittelbar, sondern wird eben durch Rituale und Feste erlebbar gemacht.“

Gemeinsam religiöse Vielfalt erkunden

Und die Feste jener Kinder, die anderen Religionen angehören? Schließlich stehen die Kindergärten der Nikolausstiftung Kindern, die einer anderen Glaubensgemeinschaft angehören, offen. „Nun, im Kindergarten werden die meisten Mädchen und Buben zum ersten Mal mit verschiedenen Kulturen und Religionen konfrontiert“, sagt Susanna Haas:

„Somit kommt dem Kindergarten – als erste Bildungseinrichtung – eine wichtige Bedeutung zu und es gibt die große Chance, Offenheit und Respekt im Umgang miteinander zu üben und zu lernen.“

In der Praxis bedeute das, dass Feste anderer Religionen durchwegs Thema sein können – „etwa, wenn ein muslimisches Kind im Kindergarten erzählt, welches Fest es gerade zu Hause gefeiert hat“, so Susanna Haas. „Dieses Thema kann aufgegriffen werden, indem z.B. ein Familienmitglied in den Kindergarten eingeladen wird, um über das Fest zu erzählen. Aktiv können Pädagoginnen und Pädagogen das Fest nicht gestalten, da es nicht authentisch wäre. Wichtig ist, dass das jeweilige Kind in seiner Lebenswelt anerkannt wird.“ St. Martin bleibe damit in den Kindergärten der St. Nikolausstiftung auch das Fest des heiligen Martin und sei nicht „nur“ ein Laternenfest, bei Nikolaus gehe es nicht nur um den Schokoladen-Nikolaus und Ostern bleibt das Fest der Auferstehung und nicht das des Osterhasen.



EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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