30. November 2015

Was der Advent eigentlich bedeutet


Was sich zuhause im Advent ändert, warum wir einen Adventkranz haben und wie ein Advenkalender wirklich helfen kann, sich auf das Weihnachtsfest vorzubereiten.

Angeblich ist er ja die „stillste Zeit im Jahr“ – der Advent. Meist fällt das vor allem uns Eltern gar nicht auf. Zum einen weil uns von den Medien ununterbrochen vermittelt wird, wir müssten kaufen, kaufen, kaufen, zum anderen, weil wir von einem Fest zum anderen hetzen: von der Adventfeier im Kindergarten, zur Weihnachtsfeier der Firma, am nächsten Tag zum Adventturnier des Sportvereins, am Wochenende zum Adventmarkt der Pfadfinder, dann zum Punschtrinken mit den Freunden usw. Und auf einmal ist er schon da: der 24. Dezember. Wie kann man diesem stressigen Treiben entkommen? Oder kann man ihm etwas entgegenhalten?

„Entschleunigung“ im Advent

Eigentlich ist ja auch der Advent eine Fastenzeit, so wie die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern. Daher trägt der Priester in der Adventzeit in der Kirche die Farbe Lila (Ausnahme: der dritte Adventsonntag, an dem die Farbe Rosa getragen wird). Fasten heißt „verzichten“ – in der stillsten Zeit im Jahr wäre es doch passend, auf Stress und Lärm zu verzichten. Einfach mal „runterkommen“, ausruhen, besinnen, ja, relaxen. Die Hektik vor der Tür ausschließen und gemütlich hinsetzen.

Eine kleine Adventfeier, eine kleine Andacht stellt auch und besonders für kleinere Kinder eine wunderbare Möglichkeit dar, das Besondere dieser 24 Tage des Advents zu erleben.

Adventkranz erleichtert das Warten

Adventkranz, Adventkranz, du bist ein tolles Ding“ heißt es in einem beliebten Adventlied und tatsächlich ist diese in ihrem Ursprung evangelische Erfindung eine ganz wunderbare: An jedem Adventsonntag zünden wir eine Kerze mehr am Adventkranz an und unser Zimmer wird daher immer heller. Johann Wichern erfand Mitte des 19. Jahrhunderts in Hamburg den Adventkranz, da er mit diesem den bei ihm untergebrachten Kindern die verbleibenden Tage bis Weihanchten verdeutlichen wollte. Dazu steckte er 24 Kerzen – vier rote und 20 kleinere weiße Kerzen – auf ein mit Tannenreisig umwickeltes Holzrad. Jeden Tag wurde nun eine Kerze mehr entzündet, an den Sonntagen jeweils eine von den roten, und im Raum wurde es immer heller. Als alle 24 Kerzen brannten, war das Weihnachtsfest da! Damit könnte man ihn auch als Erfinder des Adventkalenders bezeichnen: Damals waren es 24 Kerzen, heutzutage sind es 24 Türchen, Säckchen oder Schachtelchen.

Besonderes Gute-Nacht-Ritual im Advent

Advent - meinefamilie.at
24 Teelichter am Fensterbrett: Es wird immer heller!

Der Advent bietet sich dazu an, das übliche Ritual beim Zubettgehen zu ändern. Normalerweise gehen wir mit dem Kleinen nach dem Abendessen die Zähne putzen, dann legt er sich in sein Bett, bekommt eine Geschichte vorgelesen, wir beten das Abendgebet und dann schläft er ein. Im Advent aber sieht dies ein bisschen anders aus: Da zünden wir nach dem Abendessen die Kerze(n) am Adventkranz an und lesen im Kerzenschein eine Geschichte vor. Wir singen ein Adventlied und sprechen das Abendgebet bereits beim Adventkranz, nicht erst im Bett.

In Anlehnung an den Adventkranz des Johann Wichern stehen bei uns am Fensterbrett 24 Teelichthalter mit Teelichtern, von denen pro Tag eines mehr angezündet wird, während am Adventkranz erst eine oder zwei oder drei Kerzen brennen.

So wird es im Zimmer immer heller in dieser Zeit, in der wir auf das Kommen des Christkinds warten. Wenn dann am Heiligen Abend die Lichter am Christbaum brennen, sind es noch einmal mehr Kerzen als die 24 am Fensterbrett und es wird das Symbol des Christbaumes noch deutlicher – wir feiern die Geburt unseres Herrn Jesus Christus: Er ist das Licht der Welt!

Adventkalender – Zuckerl, Bildchen, Schokolade … Spielzeug?

Was Adventkalender angeht, gibt es ja wirklich „von – bis“: kleine Bildchen, Schokolade in jeder Form und Qualität, Bilderbüchlein, Rubbelfelder, Tee, Geschichten, Spielzeug … von Lego über Playmobil bis hin zu Schmuck und Schminkutensilien und vieles andere mehr: Sämtliche Marken und Unternehmen kreieren Adventkalender, um ihre Produkte an den Mann zu bringen.

Adventkalender selbst basteln - meinefamilie.atMeiner Meinung nach gehen viele dieser Kalender völlig am Sinn vorbei. Denn wenn man schon 24 Tage lang ein Geschenk bekommt, warum soll man sich dann noch auf den Heiligen Abend freuen? Außerdem ist der Advent, wie bereits oben erwähnt, eine Fastenzeit und dient der Vorbereitung auf das große Fest der Geburt Jesu Christi. Was haben Nagellacke, Plastikfiguren, mit Überraschungen gefüllte (Oster?-)Eier usw. damit noch zu tun?

Um diesem Konsumwahnsinn zu entkommen, habe ich seit Jahren selbst gemachte Adventkalender für meine Kinder, die zwar auch mit einer kleinen Süßigkeit pro Tag gefüllt werden, aber auch mit kleinen Zettelchen: Auf diesen finden meine Kinder entweder einen lieben Gruß oder eine kleine Aufgabe, Bitte, Aufforderung. Von „Ich hab dich lieb!“ über „Heute räume ich den Geschirrspüler aus“ bis hin zu „Heute schlage ich die Tür meines Zimmers nicht zu“ (ja, ja, die Pubertät) reichen die Aufgaben, wobei sie bei unserem Jüngsten beispielsweise so klingen: „Heute ziehe ich mich selbst an!“ oder „Heute gehe ich ganz brav ins Bett!“ oder „Heute störe ich meinen großen Bruder nicht beim Lernen!“

Advent - meinefamilie.atAls ich damit begann, waren die Kinder zugegebenermaßen nicht sehr begeistert. „Das ist gemein! Die anderen haben nur was Süßes, ich muss was tun!“ Aber als ich es letztes Jahr vergessen hatte, verlangten die Großen: „Und wo sind die Zettel? Wir wollen die wieder haben!“ Mein Kleiner setzte sich heuer hin und bastelte mir einen Adventkalender aus den Hüllen von Teesäckchen. In jeder „Tasche“ steckt nun eine Zeichnung oder ein kleiner Text für mich!

Johannes, Rufer in der Wüste

Ein Adventkalender, wie oben beschrieben, wird meiner Meinung nach beiden Seiten gerecht: Den Kindern, die sich etwas Süßes, eine kleine Überraschung, wünschen, ebenso wie der religiösen Einstimmung auf das Weihnachtsfest frei nach dem biblischen Hintergrund aus dem Markusevangelium, in dem Johannes, der Rufer in der Wüste, die Menschen auffordert: „Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“

Größere Kinder und Erwachsene gehen ja aus diesem Grund auch (wieder einmal) zur Beichte vor dem Weihnachtsfest – aber das ist eine andere Geschichte…

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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