13. Dezember 2017

Stiller Advent mit Kindern? Von wegen…

Stiller Advent mit Kindern? - meinefamilie.at

Advent, die stillste Zeit im Jahr. Gibt es eigentlich irgendjemanden, der daran noch glaubt? Ich bin sicher: Gott lässt sich auch durch Hektik und Lärm nicht davon abhalten, um in unser Leben zu kommen.

Advent, die stillste Zeit im Jahr. Gibt es eigentlich irgendjemanden, der daran noch glaubt? Weihnachtsfeiern in der Firma und im Fußballverein, Geschenkejagd auf überlaufenen Einkaufsstraßen, Lernstress in der Schule. Die Zeit vor Weihnachten zählt für die meisten Menschen wohl zu den stressigsten des ganzen Jahres.

In unserer Familie kann von Stille sowieso keine Rede sein. Da flitzt der Sechsjährige wie aufgezogen durch die Wohnung, der Zweijährige stößt sein Glas wieder einmal vom Tisch und kommentiert die Scherben lapidar mit einem „Kaputt!“. Unsere Tochter hört bereits zum vierten Mal in Folge in voller Lautstärke ihr Lieblingshörspiel „Conny auf dem Bauernhof“. Dazwischen meldet sich das Baby wegen der vollen Windel, und ich schimpfe, weil sämtliche Duplosteine im Wohnzimmer verstreut sind.

Hektischer Advent – Weihnachten abblasen?

Und jetzt? Frustriert die Sache mit Advent und Weihnachten abblasen, weil es uns nicht gelingt, Stille, Besinnlichkeit und Frieden in unser hektisches Leben einziehen zu lassen?

Ich muss oft an Maria, die Mutter Jesu, denken: Hochschwanger auf einem Esel die hundertfünfzig Kilometer von Nazareth nach Bethlehem reisen, die Straßen von Bethlehem wegen der Volkszählung voll mit Menschen, kein kuscheliges Bett, um nach der langen Reise die geschwollenen Beine hochlagern zu können, nur ein zugiger Stall, in dem ihr Baby zur Welt kommen wird. Stress pur!

Jeden Tag kurze Zeit für Stille

Ich habe kein Rezept für einen Advent ohne Hetzerei und Lärm. Und ja, manchmal frustriert es mich sehr, wenn vor lauter Eile in der Früh keine Zeit für ein liebes Wort bleibt. Oder wenn am Abend alle erschöpft und grantig sind, die Türen knallen und keiner mehr Lust hat, beim Adventkranz gemeinsam zu singen.

Aber ich habe die Gewissheit: Gott kommt! Mitten hinein in meinen geschäftigen Alltag, in meine oft so rastlose Betriebsamkeit, in den Unfrieden meiner Familie.

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© Sandra Lobnig

Der kleine Jesus hat sich damals in Bethlehem von den ungemütlichen Umständen rund um seine Geburt auch nicht davon abhalten lassen, auf die Welt zu kommen. Meine Strategie, um mein Herz auf Weihnachten vorzubereiten ist ein Weg der (ganz) kleinen Schritte: Ich schaffe es momentan nicht, mir jeden Tag eine ausgiebige Zeit zum Beten zu nehmen. Hin und wieder ein ehrliches Gebet à la „Jesus, hilf mir!“ oder „Danke, Herr, dass du da bist“ ist aber drin.

Oder heute Morgen: Im Auto auf der Fahrt zum Kindergarten haben mein Sohn und ich spontan gebetet, mitten im Wiener Morgenverkehr. Ein Lied, ein paar Bitten, das Vater Unser. So versuche ich dem großen Gott ein kleines Türchen in meinem Herzen aufzumachen und bitte ihn herein. Dass er sich ganz klein machen kann, hat er ja damals in Bethlehem schon gezeigt.



EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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