11. Dezember 2015

Die Zeit vor Weihnachten – warten lernen


Warum ist der Advent so lang? Warum kann das Christkind nicht jetzt schon kommen? Vom Sinn des Wartens und Vorbereitens in der Zeit vor Weihnachten.

Der Advent, die Zeit vor Weihnachten, ist die Zeit des Wartens. Warten müssen ist nicht angenehm. Besonders für Kinder ist es eine echte Herausforderung. Erst recht, wenn es sich um etwas handelt, auf das sie sich freuen. „Genieß doch die Vorfreude“ ist da meist kein Argument, das zieht. Aber Eltern können und dürfen sich gerade im Advent „Unterstützer“ holen, die das Üben des Wartens für Kinder im wahrsten Sinn des Wortes „überschaubar“ Machen. Der Adventkranz mit seinen vier Kerzen etwa, aber auch der Adventkalender mit seinen 24 Türchen sind geniale Hilfsmittel diese Zeit. Auch die Allerkleinsten bekommen damit eine Vorstellung davon, wie lange es noch dauern wird. Die Frage „Wann kommt das Christkind“ wird aber wohl trotzdem täglicher Begleiter in der Zeit vor Weihnachten bleiben.

Auch Rituale helfen

Der Advent, die Zeit vor Weihnachten, als Zeit des Wartens wirkt zunehmend nicht mehr zeitgemäß. Unsere hektische Zeit verlernt zu warten, verweigert sich dem Wartenmüssen. Wir wollen alles und das sofort. Gleichzeitig verlängert der Kommerz die gefühlte Zeit vor Weihnachten, wenn schon Mitte November, zwei Wochen vor dem liturgischen Adventbeginn, die Adventmärkte öffnen und im Oktober Lebkuchen und Weihnachtskekse zum Kauf angeboten werden.

Doch Warten ist eine Tugend und muss wie alle Tugenden gelernt und eingeübt werden. Ziel kann nicht sein, die Zeit des Wartens, die Vorweihnachtszeit, zu verkürzen, sondern diese wertvolle Zeit sinnvoll zu gestalten. Rituale helfen dabei. Ich kann mir Orte und Zeiten suchen um zur Ruhe zu kommen. Eine gemeinsame Andacht rund um den Adventkranz und die Roratemessen können Hilfen sein: Wir erinnern uns an die lange Zeit des Wartens auf die Geburt Jesu in Bethlehem. Wir warten auf das heurige Weihnachtsfest und wir warten auf seine Wiederkunft am Ende der Zeit.

Lies auch: Wie war das nochmal mit meinen Vorsätzen in der Adventzeit?



EIN ARTIKEL VON
  • Michael Scharf

    Als Priester durfte ich den Großteil meines Lebens Familien, Kinder und Jugendliche begleiten. Ich habe viel von Kindern und Jugendlichen gelernt: im Kindergarten, in der Schule, in Gruppenstunden, auf Wallfahrten und Lagern. Derzeit darf ich Jugendseelsorger der Erzdiözese Wien sein.


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