7. Dezember 2016

Advent ist Wunschzettel-Zeit: Einkäufe reduzieren

Wunschzettel - meinefamilie.at

Von Kindern, die nicht genug bekommen können und die das ewige Warten satt haben. Von langen Wunschzetteln und dem Versuch, die Einkäufe und dauernden Spielzeug-Neuzugänge zu reduzieren. Einige unvollständige Tipps.

Er sitzt in meinem Haus, mitten unter uns: der kleine Konsument.

Woran ich ihn erkenne? Der Spielzeugkatalog ist seine Tages- und Nachtlektüre und sein Wunschzettel an das Christkind wird tagtäglich länger. „Kann man eigentlich dem Nikolaus auch eine Wunschliste schicken…und dem Osterhasen?“, informiert er sich frühzeitig. Nein!

„Der Zahnfee vielleicht?“

Sein Kinderzimmer ist voll und die Sehnsucht nach immer neuen Sachen kaum zu stillen. Ronald McDonald (von der Fastfoodkette mit dem Essens-Spielzeug) und Geoffrey Giraffe (vom Spielwarenkonzern aus Übersee) haben ihre reinste Freude an ihm.

Darf sich der kleine Konsument im Geschäft eine „Kleinigkeit“ aussuchen, greift er instinktiv zur  allergrößten Packung im Regal.

Begleitet er mich beim Einkauf, scannen seine Augen permanent die Produktpalette nach kinderzimmertauglichem Kleinkram. Ihm gefällt alles, was in seinen Lieblingsfarben auf dem Markt zu haben ist, gegebenenfalls auch Rasierapparate oder Aktions-Lesebrillen. Billigware made in China mit dem charakteristischen Plastikgeruch lässt sein Kinderherz sowieso höher schlagen.

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Geschenke-Überfluss?

Hurra, ein neues Spielzeug ist da!

Ein Spielzeug-Neuzugang, den er sich, biiitte, biiitte unbedingt schon immer gewünscht hat, begleitet ihn erst einmal an den Esstisch, ins Klo, im Kindergartenrucksack und abends auch ins Bett.

Zehn Tage danach: Kisten voller Spielzeug stapeln sich im Kinderzimmer. Zwar weiß der kleine Konsument ganz genau, was er wann von wem zu welchem Anlass bekommen hat, dennoch stapeln sich Kisten voller Spielzeug im Kinderzimmer, das Neueste obendrauf!

Was kann ich tun? Einige, sehr unvollständige Tipps:

  • In mich gehen! Was stapelt sich bei mir? Im Kasten, im Keller und am Kalender? Der Apfel fällt schließlich nicht weit vom Stamm!
  • Hart aber herzlich: Spielzeugkataloge direkt vom Postkasten weg entsorgen! Aus den Augen, aus dem Sinn! Es gibt im Advent doch tatsächlich auch noch anderen Lesestoff.
  • Grundlegende Überlegungen anstellen: Ist das, was in meinem Einkaufswagen liegt, just more of the same, mehr vom Gleichen – unser zehnter Troll, das fünfzigste Brettspiel, der hundertste Drache – oder tatsächlich eine Bereicherung für das Kinderzimmer?
  • Alt, aber gut: mit Einkaufsliste ins Geschäft gehen. Abhaken nicht vergessen!
  • Überlegen, ob das zauberhafte Märchenschloss zu Hause überhaupt noch Platz hat? Wo genau?
  • An Schnäppchen heldenhaft vorüberziehen, als ob man sie nicht gesehen hätte. – Vielleicht nicht immer, aber immer öfter!
  • Sich Shopping-Limits setzen: Ich gebe mir in diesem Geschäft genau zehn Minuten Zeit!

Vom Haben zum Sein, vom Zeug zur Zeit

Bei näherer Betrachtung ist es kinderleicht: Raus aus dem Geschäft und raus aus dem Online-Shop! Ein kleiner Schritt, ein kurzer Tastenklick.

Es geht jedoch um Unbezahlbares: darum, Zeit zu gewinnen.

Wir könnten gemeinsam einen ausgedehnten Spaziergang unternehmen, die Katze streicheln und Vögel füttern. Zusammen ein Buch anschauen. Spielzeugautos sortieren. Schleichtiere zählen. Ich könnte die Nase wieder einmal in ein gutes Buch stecken, eine Haube häkeln. Die Kerzen am Adventkranz anzünden. Tief durchatmen.

Jetzt kann Weihnachten kommen!

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EIN ARTIKEL VON
  • Birgit Linhart

    Ich habe Volkskunde und Kulturmanagement in Graz studiert. Mit meinem Mann, unseren drei Schulkindern, den Katzen, Hühnern und Schildkröten lebe ich ein buntes Leben am Rand der Stadt. Ich liebe es, Kindern zuzuhören und mit ihnen zu reden, mag Spontantheater, Kinderbücher, Kernöl und den Sternenhimmel auf der Alm.



1 Kommentare
  • Anonymous, 16. Dezember 2016, 11:59 Antworten

    Es geht zu sehr um - offenbar unnötige -Neuanschaffungen und deren krampfhafte Eindämmung. Was ist mit Verzicht und Warten lehren? Bestehendes Spielzeug neu entdecken, gemeinsam überdenken und an ärmere Kinder weitergeben? Dem Kind bei der Auswahl ein Limit setzen (Geschenke um max 100.-, egal was, aber dafür Vorhandenes verkaufen oder wegschenken)? Die Hälfte der Kisten in den Keller räumen und alle paar Monate das Spielzeug im Zimmer damit austauschen? Das Kind zu einem Sozialprojekt motivieren (sich für ein Flüchtlingskind ein tolles Geschenk ausdenken und selbst besorgen)? Meine Erfahrung ist, dass Kinder in der Konsumfalle wie hypnotisiert sind und ruhig einfach herausgerissen werden dürfen. Selbst jemandem eine Freude zu machen und dafür ein Opfer zu bringen, beschert ihnen dann viel mehr Freude als erwartet und gehört gerade bei Weihnachten unbedingt dazu.

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