18. September 2019

Erziehung ist (k)ein Kinderspiel – Wenn Karli den Kühlschrank ausräumt


Der Kühlschrank, leider in Bodenhöhe, erweckt regelmäßig das Interesse des 18 Monate alten Karli…

Der Vater reagiert: „Karli, was machst du da!? Mach das nicht!“ Er geht hin und fordert seinen Sohn auf: „Komm, räumen wir gemeinsam wieder ein!“ Dieser läuft weg und lässt den Vater allein werken. Der Vater, halbherzig: „Komm, magst mir nicht helfen? Die Butter wieder einräumen? Immer musst du Unordnung machen!“ Während der Vater einräumt, fährt er fort zu schimpfen bis Karli weint: „Wieso weinst du, Karli? Ich habe dir gesagt, du sollst das nicht tun, immer alles ausräumen! Das geht kaputt, wenn es draußen ist!“ Als er fertig ist, geht er hin zu ihm, streichelt ihm über den Kopf und tröstet: „Du musst nicht weinen, es ist alles wieder gut!“

Grenzen mit Ambivalenzen

Schauen wir uns diese harmlose Szene voller Ambivalenzen genauer an. Die Aufforderung, gemeinsam einzuräumen ist gut, aber sie muss auch umgesetzt werden, anstatt den Sohn weglaufen zu lassen. Die Frage „Magst mir nicht helfen?“ ist ein Eigentor, weil Karli das Nein förmlich in den Mund gelegt wird. Er versteht nicht, dass der Vater wirklich meint, was er sagt. Dass Karli nicht mitmacht, ist deshalb nicht verwunderlich.

(c) iStock

Anstatt dies zu erkennen, überfordert der Vater seinen Sohn mit Erklärungen, Fragen und Vorwürfen, die negative Gefühle erzeugen. Das könnte Trotz und Protest erzeugen. Karli hingegen fühlt sich verletzt, was er durch sein Weinen ausdrückt. Der Vater tröstet, verpasst aber die Chance, seinem Trost ein ernstes Wort hinzuzufügen („Ich merke, es tut dir leid!“). Deshalb hat Karli keine Motivation, sein Verhalten zu ändern.

Verständnis, Klarheit, Konsequenz

Der Vater darf nicht akzeptieren, dass Karli einfach davon läuft. Er könnte ihn sich spielerisch einfach schnappen: „Wir räumen jetzt alles wieder ein, machen zu und aus!“ Helfen besteht in diesem zarten Alter mehr in symbolischen Gesten, die aber wichtig sind, auch wenn der Vater allein schneller fertig wäre. Es geht um das Tun. Danach wird Karli gelobt: „Danke, brav!“ Zusatz, mit tiefem Blick in die Augen: „Der Kühlschrank ist nichts für kleine Kinder, OK?!“ Wenn man merkt, dass Karli wieder einmal in Versuchung kommt, muss sofort eingeschritten und Karli daran gehindert werden. Konsequenz ist wichtig, damit Karli lernt, Verbote ernst zu nehmen.

Kinder brauchen Verständnis, kurze, klare Ansagen und freundliches, konsequentes Handeln.



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