11. Dezember 2015

Wie viele Süßigkeiten sind für Kinder zuviel?


Gerade mit Kindern entkommt man Süßigkeiten in der Adventszeit schwer. Was also tun? Wie viel Zucker ist für Kinder erlaubt? Oder gleich gar nichts Süßes?

Süßigkeiten reduzieren statt verbieten

Mit Adventskalender, Weihnachtskeksen und Nikolosackerl ist der Advent ziemlich sicher die süßeste Zeit des Jahres. Dabei war der Advent ja eigentlich eine Fastenzeit vor dem Weihnachtsfest. Gerade mit kleinen Kindern entkommt man den neuen süßen Traditionen nur schwer. Überall liest man aber auch, wie schlecht Zucker eigentlich ist. Was also tun? Wie viel Zucker ist für Kinder erlaubt? Oder gleich gar nichts Süßes?

Keine Süßigkeiten ist auch keine Lösung

Ich finde es falsch, Kindern gar keine Süßigkeiten zu erlauben. Ähnlich wie mit dem Fernseher kann ein Totalverbot dazu führen, dass Kinder heimlich naschen und die süßigkeitenfreien Jahre kompensieren, wenn sie älter sind. Besser ist es, den Kindern einen guten Umgang mit Zucker beizubringen und ihnen altersgerecht zu erklären, warum zu viel schlecht ist.

Maßhalten zu lernen ist für Kinder wertvoll und auch für andere Lebensbereiche sehr nützlich.

Zum Maßhalten gehört aber auch, dass man eben eine gewisse Menge ohne schlechtes Gewissen essen darf. Bei uns in der Familie gilt z.B. die Regel, dass es im Advent außer der kleinen Süßigkeit, die sich jeden zweiten Tag im Adventskalender befindet (an den anderen Tagen gibt es ein kleines Spielzeug wie etwa Playmobilfiguren oder Buntstifte) nichts zum Naschen gibt. Ausnahmen gibt es natürlich zum Nikolobesuch und am Wochenende, wenn wir eine neue Kerze am Adventskranz anzünden.

Und am Heiligen Abend dürfen dann die Süßigkeiten vom Christbaum nach Herzenslust genascht werden.

Wie viel Süßes ist für ein kleines Kind ok?

Es ist sehr schwer, eine bestimmte Süßigkeitenmenge, die für Kinder noch in Ordnung ist, zu definieren. Das hängt nämlich stark davon ab, wie sich ein Kind insgesamt ernährt. Ein Kind, das regelmäßig „normale“ Nahrungsmittel isst – und damit meine ich: Gemüse, Suppen, Fleisch, Fisch, Ei, Getreide, Brot, Bohnen, Reis, Erdäpfeln, Käse, Topfen, etc. – und auch ausreichend Wasser und stark verdünnte Säfte trinkt, verträgt Süßigkeiten sicher besser, als ein Kind, das sehr heikel ist und sich einseitig von wenigen Nahrungsmitteln und hauptsächlich süßlichen Dingen, wie Obst, Striezel, Fruchtzwerge, etc. ernährt und wenig Flüssigkeit zu sich nimmt.

Ich persönlich finde, es sollte maximal einmal am Tag etwas zu naschen geben und das auch nicht jeden Tag.

Wie schafft man es, den Zuckerkonsum reduzieren?

Oftmals findet sich Zucker nicht in typischen Naschereien: Viele Müslis und Frühstückscerealien aus dem Supermarkt, Milchprodukte wie Fruchtzwerge aber auch Fruchtjoghurt, Obstprodukte wie Fruchtmus, Dörrobst (Rosinen) haben einen hohen Zuckergehalt. Frisches Obst kann viel Zucker enthalten, Bananen bestehen zu fast 20 Prozent (!) aus Zucker. Und auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält, dass der Zucker aus „natürlichen Quellen“ wie z.B. Obst gesünder sei, stimmt es NICHT.

Natürlich mögen Kinder diese Nahrungsmitteln gerne, denn sie schmecken ja süß. Wie schafft man es nun, den Zuckerkonsum der Kleinen zu reduzieren?

Süße ist etwas, an das man sich gewöhnt. Isst man viel Süßes, kommt es einem gar nicht mehr so süß vor und man benötigt immer mehr Zucker, um das „Level“ zu halten. Und umgekehrt, verzichtet man zB. eine Zeit lang auf den Zucker im Kaffee, schmeckt der Kaffee dann schon mit ganz wenig Zucker sehr süß. Bei Kindern, die sich schon sehr an süße Lebensmittel gewöhnt haben, ist es deshalb gut, die Zuckermenge Schritt für Schritt zu reduzieren. Also zB. den Saft immer mehr mit Wasser zu verdünnen, das Fruchtjoghurt mit Naturjoghurt zu mischen und dabei den Anteil des Naturjoghurts zu steigern, etc.

Kinder können der Schoko-Versuchung nicht widerstehen

Noch ein paar weitere Tipps:

  • Wenn man selbst Kuchen oder Kekse bäckt, die Zuckermenge aus dem Rezept einfach um 20%-30% reduzieren. Meistens schmeckt das Ergebnis noch besser, weil der Geschmack der anderen Zutaten mehr zur Geltung kommt.
  • Bei Müslis und Cerealien lohnt es sich, auf die Packung zu schauen und Produkte mit niedrigem Zuckergehalt zu kaufen bzw. Müslis selbst zusammenzustellen.
  • Viele Kinder trinken nicht gerne Wasser. Vereinbaren, dass es den Becher Saft erst gibt, wenn man zuvor einen Becher Wasser getrunken hat.
  • Wenn es zu Hause keine Naschereien gibt, dann erspart man sich viele Diskussionen und vermeidet das elterliche „Schwachwerden und Nachgeben“. Ich habe mir angewöhnt, die vielen Süßigkeiten, die von Omas und Tanten regelmäßig geliefert werden, einfach wegzuschmeißen. Und hab jetzt gar kein schlechtes Gewissen mehr dabei!
  • Wenn es eine Naschlade gibt, dann unbedingt außer Reichweite der Kinder. Die wenigsten Kinder sind dazu fähig, im Angesicht der Schokolade der Versuchung zu widerstehen.



EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Thonhauser

    Ich habe Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert und bin Mutter von fünf Kindern. Ich koche leidenschaftlich gerne und beschäftige mich sich seit Jahren mit Fragen zum Thema "richtige" Ernährung. Mit meiner Familie lebe ich in Wien.


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