13. Mai 2016

Wie viel Süßes braucht mein Kind?

Wie viel Süßes - meinefamilie.at

Wir brauchen Zucker nicht ganz vom Speiseplan streichen, aber wo liegt die Grenze? Was ist von alternativen Süßungsmitteln zu halten? Und wie viel Süßes darf überhaupt sein?

Ein Zuckerl beim Einkaufen, ein Stück Schoko als Belohnung, ein Traubenzuckerschlecker zwischendurch, danach noch ein Almdudler… Und ehe wir’s uns versehen, haben unsere Kinder viel mehr Zucker an einem Tag gegessen als in einer Woche gesund ist. Doch wo genau liegt da die Grenze? Nach welchen Richtlinien kann man sinnvollerweise vorgehen?

Zucker ganz wegzulassen ist eine Illusion. Also wie ist die Sache realistisch in den Griff zu bekommen?

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo es beides gab. Viel genascht durfte bei uns grundsätzlich nicht werden, und auch nicht täglich. Ab und zu durften wir bei Oma, die im gleichen Haus wohnte, ein wenig naschen, dafür hatte sie immer Süßigkeiten wie Kochschokolade oder Schnitten in ihrer Metallkiste bereit. Sie backte und kochte auch ganz klassisch mit Weißmehl und Zucker. Meine Mutter hatte eine Phase, wo sie Zucker als „Vitaminräuber und Zahnzerstörer“ grundsätzlich ablehnte. Es gab Honig zum Süßen, getrocknete Früchte und Nüsse zum Naschen und gebacken wurde mit braunem Rohrzucker. Ab und zu gab es ein Stück Rohrzuckerschokolade, aber die schmeckte etwas komisch.

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„Eine Handvoll Süßes am Wochenende muss reichen, oder?“

Zucker in Maßen

In diesem Bereich hat sich sehr viel getan in den vergangenen 30 Jahren. Heute kann man verschiedene Süßigkeiten mit unterschiedlichen Süßstoffen und Zuckerersatzstoffen kaufen, es gibt Spezialprodukte für Diabetiker, die fast nicht anders schmecken als die „normalen“ und ständig werden am Markt neue „gesunde“ Snacks für zwischendurch angeboten. Die Auswahl ist riesig und manchmal stehe ich ziemlich ratlos davor. Was ist nun wirklich gesund? Und vor allem wie viel davon?

Mein Mann und ich sind grundsätzlich der Meinung, dass unsere Kinder in Maßen Zucker essen dürfen. Ihn ganz zu verbieten oder vom Speiseplan zu verbannen, finden wir unrealistisch. Sie essen am Morgen Frühstückscerealien, die meist auch Zucker enthalten und sonst gibt’s frisches Obst, Trockenfrüchte, Honig- oder Marmeladebrot und Kakao oder Tee. Zu trinken gibt es verdünnte Fruchtsäfte oder Wasser, selbstgemachte Limonaden mit Stevia, aber auch Sirup. Einmal die Woche koche ich eine Süßspeise und am Wochenende gibt’s eine Handvoll Süßes, also Schokolade, Gummizeug oder ähnliches. Ab und zu lege ich den Kids in die Frühstücksschüssel ein Vitaminbärchen (Dm) oder ein kleines Stück Schoko. Aber das sollte genügen. Oder?

Obst statt Süßigkeitenlade

Natürlich bekomme ich mit, dass in anderen Familien viel mehr genascht wird. Es gibt da bei manchen eine Süßigkeitenlade, die jederzeit zugänglich ist. Das finde ich nicht gut. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der hohe Zuckerkonsum krank macht (nach Weihnachten und Ostern gibt’s meist eine Krankheitsphase, deshalb bitte ich vorbeugend die Omas darum bitte, mehr Obst als Zuckerzeug zu schenken). Außerdem will man mehr und mehr davon, wird also „süchtig“ danach. Was ist also nun ein gesunder und zufriedenstellender Umgang damit?

Da ich in den vergangenen paar Wochen einige Diskussionen mit meinen älteren Kindern hatte, die sich über meinen sparsamen Umgang mit Zucker aufgeregt haben, beschloss ich, nachzuforschen. Eine Freundin, die Ernährungsberaterin ist, hat mich auf die Seite www.zentrum-der-gesundheit.de aufmerksam gemacht.

Verschiedene Süßungsmittel

Ich habe mich über die gängigsten Süßungsmittel informiert und möchte nun mein Ergebnis kurz zusammenfassen. Wer sich damit genauer auseinandersetzen möchte, kann gern selbst weiterforschen (ich bin auch für Tipps dankbar!).

  1. Raffinierter, weißer Haushaltszucker ist definitiv nicht gesund
  2. Naturbelassener Rohrohrzucker ist etwas besser, da er Mineralstoffe enthält
  3. Honig eignet sich gut als Brotaufstrich, zum Süßen von Joghurt oder Obstsalat. Nicht aber für heißen Tee oder zum Backen (dabei werden alle Inhaltsstoffe zerstört)
  4. Synthetische Süßstoffe wie Aspartam sind nicht empfehlenswert
  5. Datteln eignen sich sehr gut zum Süßen von Smoothies und Cremes, oder aber als Nascherei zwischendurch
  6. Ahornsirup ist ein gutes Süßungsmittel für Desserts und Pfannkuchen, allerdings sehr teuer
  7. Xylit (Birkenzucker) gilt als idealer Süßstoff, ist wie Zucker zu dosieren, nur leider sehr teuer und wirkt in größeren Mengen abführend
  8. Stevia kann gut zum Süßen von Getränken verwendet werden, beim Backen braucht man etwas Erfahrung.
  9. Salz – sehr interessant – eine Prise Salz macht die Eigensüße von Obst stärker!

Ich merke, ich habe mich da auf eine Reise begeben, die so schnell noch nicht abgeschlossen sein wird. Ich werde im Alltag versuchen, möglichst ohne weißen Zucker auszukommen und den Kindern gute Alternativen anzubieten. Ab und zu eine ungesunde Nascherei wird aber trotzdem erlaubt sein. Ich möchte da nicht zu gesetzlich werden. Ernährung ist wichtig, sollte aber nicht zu einer Religion werden.  In diesem Sinne: Viel Freude beim Ausprobieren!

Lies auch: Wie viele Süßigkeiten sind für Kinder zu viel?

 



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.



5 Kommentare
  • Kathi, 18. Mai 2016, 9:47 Antworten

    Zentrum der Gesundheit ist nur leider eine sehr fragwürdige Quelle, wenn man sich das etwas genauer anschaut.

    • Katharina, 18. Mai 2016, 14:27 Antworten

      Da geb ich dir recht. Außerdem ist es einfach falsch zu glauben dass Rohrzucker oder Zucker aus Datteln gesünder als normaler Zucker ist.

  • Angela, 18. Mai 2016, 9:50 Antworten

    Meiner Meinung nach - und ich bin jetzt seit über 17 Jahren Mutter, wenn auch keine Ernährungsexpertin - ist es beim Zucker genauso wie bei jedem anderen Thema. Verstand, Herz und Bauchgefühl statt Angst und Hysterie. Die Kinder einfach, natürlich und gesund ernähren, für viel frische Luft und Bewegung sorgen, damit sie die Energie wieder verbrennen, und ansonsten Augen und Ohren zumachen, wenn irgendwer oder irgendwas mit tollen "Kinderprodukten" daher kommt. Ich hab immer im Hinterkopf gehabt, was die Mütter der früheren Generationen ihren Kindern gefüttert haben. Auch sie sind groß geworden. Grundsatz ist bei mir immer: Je weniger verarbeitet oder künstlich, desto besser. Kinder brauchen das ganze Zeug nicht, das man uns einredet. Was nicht heißt, dass es nicht manchmal praktisch ist, sowas auf einen Ausflug mitzunehmen oder gelegentlich dem Kind mitzubringen. Aber als Highlight. Nicht als Alltagsessen. Wenn Wassertrinken normal ist, ist das Cola was Besonderes. Und schadet auch nicht. Wenn täglich Obst und Gemüse gegessen werden, kann es ruhig eine süße Nachspeise geben. Oder was zum Naschen. Oder einen Saft. Kinder haben übrigens ein natürliches Gespür dafür was sie brauchen und ihnen gut tut. Da soll man gar nicht zu viel eingreifen. Ich halte daher auch nix von Zuckerabstinenz. Das kann voll nach hinten losgehen. Und jedes Kind, das sich aus Übermut einmal bis zur Übelkeit vollgenascht hat, kennt spätestens danach seine Grenze. Der Umgang mit Zucker muss genauso gelernt werden wie der Umgang mit Medien. Ein gesundes Maß ist der beste Weg.

  • Sabine, 18. Mai 2016, 11:38 Antworten

    Zentrum der Gesundheit ist nicht super als Grundlage. Sonst find ich meine Familie immer sehr gut geschrieben.

  • Julia, 18. Mai 2016, 16:30 Antworten

    Bei dieser ganzen Frage nach Zucker werden oft - meiner Meinung nach auch hier - zwei Dinge in einen Topf geworfen oder zumindest nicht deutlich genug unterschieden. 1) Weißer Zucker ist nicht gesund. Hab ich schon oft gelesen, kenn mich aber zu wenig aus, um ein Urteil abzugeben. Vll ists da so wie mit Weizen: dass viel weißer Zucker zu fast unnatürlichen Züchtungen gehört oder voll ist mit Chemikalien oder oder... keine Ahnung. Auf alle Fälle helfen die Tipps im Artikel dabei, weißen Zucker zu vermeiden. Aber 2) Zu viel Zucker ist ungesund, kann sogar die Leber schädigen oder Diabetes auslösen. Das ist unbestritten, aber Achtung: da steht nix von WEISSEM Zucker! Das betrifft jeden und dann ist Honig genauso schlecht wie brauner Zucker, Fruchtzucker, der Zucker im Ahornsirup,... Ich glaube, dass sich "Zucker macht süchtig" auch auf alle Zucker bezieht. Da gehts nämlich um Geschmacksprägung. Da helfen die Tipps des Artikels nicht, sondern da gehts um Sachen a la: sich (wieder) daran zu gewöhnen, wie ein Joghurt richtig schmeckt (eben nicht süß wie die Zuckerbomben Fruchtjoghurts, sondern wie Naturjoghurt), dass Wasser oder ungesüßter Tee bessere Durstlöscher sind als pure Fruchtsäfte,... Sprich: dass es mehr Geschmacksrichtungen gibt als süß

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