30. Oktober 2015

Was tun mit kleinen Gemüsemuffeln?


Kleine Gemüsemuffel mit klugen Argumenten überzeugen? Das funktioniert nur manchmal. Wir haben kreativere Wege, um Kindern Gemüse schmackhaft zu machen.

„Mein Kind isst ja kein Gemüse!“, den Satz höre ich oft. Da Gemüse aber so gesund ist, versuchen viele Eltern ihre Schützlinge doch noch für die vielfältigen Gartenfrüchte zu begeistern. Die Trickkiste reicht hier von guten Argumenten („Das ist gesund und gut für die Augen.“), über Bestechung („Wenn du den Brokkoli aufgegessen hast, gibt es ein Stück Kuchen.“), Theatervorführungen („Mhmmm…so gute Gemüselaibchen hab ich noch nie gegessen!“) bis hin zu guten Verstecken (geriebene Karotten in der Sauce Bolognese oder Zucchini im Kuchen). Es gibt Kinder, da hilft das. Und es gibt Kinder wie mich damals.

Nichts hilft bei Gemüsemuffeln!

Während andere Mütter darüber jammerten, dass ihr Kind am liebsten nur Nudeln mit Tomatensauce essen würden, servierte mir meine Mutter Nudeln mit Butter, weil ich die Sauce verweigerte. Gab es bei uns zuhause das Lieblingsessen von vielen Kindern – Pizza – wurde mir schon beim Betreten des Hauses schlecht. Tomatensauce konnte ich einfach nicht riechen. Salat war mir zu sauer, Gurke war mir zu schlatzig. Den Geschmack eines Bissens Paprikas bekam ich tagelang nicht aus dem Mund und befand sich in einem Gericht auch nur ein Molekül einer Olive, konnte ich das schmecken. Mittlerweile weiß man, dass etwa ein Viertel der Menschen sogenannte „Supertaster“ sind, also einen bestimmten Geschmack (meist bitter) besonders gut wahrnehmen können.

 

Über Geschmack lässt sich nicht streiten

Glücklicherweise wurden meine Geschmacksempfindungen akzeptiert. So hatte ich die Chance als Jugendliche – ohne negativer Vorerfahrungen – mit dem Gemüse-Essen anzufangen. Weil ich im Studium lernte, wie toll und wichtig Gemüse für uns Menschen ist. Und vor allem, weil ich sah, dass es anderen auch zu schmecken schien. Ich fing an zu kosten, mich selbst herauszufordern. Heute esse ich alles, sogar Paradeiser. Und das gerne. Das liegt daran, dass der Mensch mit 10.000 Geschmacksknospen auf die Welt kommt, im Erwachsenenalter davon allerdings nur noch etwa 2.000 übrig bleiben. Die Säuren oder Bitterstoffe aus dem Gemüse, die mich früher so gestört haben, kann ich jetzt einfach nicht mehr so gut wahrnehmen.

Was also tun mit dem kleinen Gemüsemuffel?

Als Kindergärtnerin, die noch dazu Diätologin ist, haben sich viele Eltern meiner Kindergartenkinder erhofft, dass ich ihr Problem lösen würde. Enttäuscht stellten sie fest, dass ich die Kinder nicht mal zum Kosten nötigte. Mein Zugang ist ein anderer. Mir ist wichtig, dass Gemüse immer angeboten wird. Beim Essen gehe ich mit gutem Beispiel voran. Und ich achte sehr darauf, dass Gemüse nicht negativ besetzt wird und den Kindern dennoch vertraut wird. Geholfen hat mir dabei Guiseppe Arcimboldo.

 

Aus Gemüse wird Kunst

Arcimboldo malte Bilder, auf denen Gemüse und andere Gegenstände aus der Natur zu Gesichtern drapiert wurden. Eine Tätigkeit, die den meisten Kindern auch wahnsinnig viel Spaß macht. So bekamen meine Kindergartenkinder immer wieder einmal ein großes Buffet aus Gemüse und Obst aufgetischt, wo sie zugreifen durften, ohne essen zu müssen. Stattdessen entstanden auf Tüchern tolle Legebilder. Nebenbei lernten die Kinder die verschiedenen Gemüsesorten kennen und konnten sich an Konsistenz und Geruch derselben mit etwas Abstand vom Teller gewöhnen. Wenn alle Bilder fotografisch festgehalten waren, wurden die Früchte natürlich verarbeitet. Zu Suppe, Aufstrich, Salat oder Strudel. Auch wenn ein Kind etwas nicht essen möchte, darf es lernen, wie man es gut zubereitet. Und wenn man dann vielleicht sogar noch aus einem Paprika- oder Paradeiserkern gemeinsam eine neue Pflanze entstehen sieht, kann man Gemüse doch nur super finden. Auch wenn man den Geschmack vielleicht (noch) nicht mag.

Passend dazu: Wie Kinder Gemüse lieben



EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Nach den Babyjahren sind wir aus Wien hinaus in Häuschen mit Garten gezogen. Ich begeistere mich für die Natur und ihren Schutz, beschäftige mich damit, wie Beziehungen gelingen können und brenne für unkonventionelle Ideen.


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