11. Februar 2015

Von bösem Zucker und der Gesundheitslüge


Zucker hat schlechten Ruf. Weil Kinder Süßes mögen, sind Eltern auf der Suche nach Alternativen. Angeblich zuckerfreie Rezepte sind es jedoch nicht – besser ist, insgesamt weniger Zucker zu essen.

Mann und Kinder sind bei einer Faschingsfeier und ich hab endlich einmal Zeit, im Kaffeehaus zu sitzen und zu schreiben. Und welches Thema bietet sich in der Faschings- und Krapfenzeit besser an als Zucker?

Zucker und sein schlechter Ruf

Mit Zucker ist normalerweise Saccharose gemeint, ein Disaccharid, also ein Zucker aus zwei Zuckermolekülen: Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker). In Österreich kommt der Zucker vor allem aus der Zuckerrübe. Zucker macht Krapfen und das Leben süß. Leider ist er aber kariogen (verursacht Zahnfäule), zu viel davon macht dick und kann Krankheiten auslösen. Vor allem der weiße „Haushalts- oder Industriezucker“ hat in der alternativen Ernährung einen schlechten Ruf.

Alternativen zu Zucker gibt es inzwischen viele. Vor allem wir Mütter sind daran sehr interessiert, lieben doch die meisten Kinder süßes Essen. Und Fasching ohne Krapfen kann es einfach nicht geben. Vor einiger Zeit hörte ich etwa von einem zuckerfreien Kuchenrezept, das bei Kindern unglaublich gut ankommen soll – also der Kuchen, nicht das Rezept – und als „gesunde Alternative“ angepriesen wurde.

Rezept ohne Zucker – trotzdem süß?

Neugierig besorgte ich mir das Rezept und wirklich: kein Zucker auf der Zutatenliste. Dafür, neben Rosinen und Orangensaft, viele getrocknete Datteln. Datteln sind bekanntlich süß – weil sie aus viel Zucker bestehen (in getrocknetem Zustand zu bis zu 81%). Nicht etwa aus einem besonderen und „gesünderen Dattelzucker“, sondern aus Saccharose und Invertzucker, der eigentlich das Gleiche wie Saccharose ist. Besagtes Rezept hat übrigens, ich habe es nachgerechnet, einen für Kuchen ganz durchschnittlichen, nicht einmal besonders niedrigen Zuckergehalt. Trotzdem wird es als „zuckerfreie, gesunde Alternative“ verkauft. Das finde ich ärgerlich.

Zucker versus Dattel

Der Grund für solche Aussagen liegt oft in der Angst vor verarbeiteten, prozessierten Lebensmitteln – mit Zucker. Alles, was hingegen naturbelassen ist, wie zum Beispiel Datteln, wird als gut betrachtet. Nur so einfach ist es nicht! Hier der Versuch, die ganze Sache etwas objektiver zu beleuchten: Datteln enthalten viele Spurenelemente und Vitamine, die sind gut und gesund. Allerdings sind das viele andere Kuchenzutaten auch: Eier, Nüsse, Äpfel und Karotten – zwar nicht unbedingt im gleichen Ausmaß. Dafür müssen Datteln von weit her importiert werden. Und wie viele von den Vitaminen nach 180°C im Backrohr noch bestehen, ist eine andere Frage. Wobei das natürlich auch für alle anderen Zutaten gilt.

Kristall- oder Staubzucker enthält gar keine Vitamine, Mineralstoffe oder ähnliches. Zucker ist nämlich das Lebensmittel, das mit der höchsten Reinheit hergestellt werden kann. Zucker ist wirklich nur Zucker, weil er durch Kristallisation gewonnen wird. Er hat keine Vitamine – dafür aber auch keine Reste von Pestiziden, Düngemitteln oder anderen Schadstoffen.

Besser insgesamt weniger Zucker

Es spricht nichts dagegen, Datteln als Zuckerquelle zum Kuchenbacken zu verwenden. Nur darf dabei nicht erwartet werden, etwas Gesünderes zu backen. Egal ob Kristallzucker oder Datteln: Gleich süß heißt gleich viel Zucker, mit der gleichen Wirkung auf Zähne und Körper.

Ich finde es sinnvoller, Zuckermenge und -konsum zu reduzieren, anstatt auf Alternativen auszuweichen. Wenn man Süßes isst, kann man es dann ohne schlechtes Gewissen tun. Deshalb genieße ich jetzt meinen Faschingskrapfen!

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EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Thonhauser

    Ich habe Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert und bin Mutter von fünf Kindern. Ich koche leidenschaftlich gerne und beschäftige mich sich seit Jahren mit Fragen zum Thema "richtige" Ernährung. Mit meiner Familie lebe ich in Wien.


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