13. November 2015

Von Anfang an: Essstörungen vorbeugen


Essstörungen haben eine seelische Ursache, aber auch die Grundeinstellung zu Essen spielt eine Rolle. Da müssen wir Eltern mit gutem Beispiel voran gehen!

„Immer mehr Mädchen haben Essstörungen“ und „30% der Schulmädchen haben schon eine Diät gemacht“. Die Schlagzeilen des Tages haben mich dazu motiviert, meine Gedanken zu diesem Thema, die ich mir schon lange mache, endlich auch niederzuschreiben.

Natürlich haben Essstörungen eine tiefe seelische Ursache, das ist nicht mein Gebiet und drüber werde ich auch nicht schreiben. Ich glaube aber, dass die grundsätzliche Einstellung zu Essen und Ernährung auch eine Rolle spielen und da müssen wir Eltern mit gutem Beispiel voran gehen!

Für die Mamis

Kinder nehmen sich ein Beispiel an uns Eltern. Wenn wir Mütter uns nicht so annehmen, wie wir sind und uns nur durch unser Aussehen definieren, werden das unsere Kinder auch tun!

Nach Schwangerschaft und Geburt sind viele Mütter nicht ganz glücklich mit ihrer Figur. In den ersten paar Jahren sind sie jedoch so beschäftigt mit den Kleinen, dass keine Zeit und Kraft bleibt, daran etwas zu ändern. Die Unzufriedenheit ist jedoch da. Kinder sind sehr sensibel und hören auch so nebenbei gesagte Kommentare wie „Ich bin so dick“ ganz genau.

Für die Papis

Wenn das Selbstbewusstsein einer Frau bezüglich ihres Aussehens nach einer Geburt im Keller ist, dann haben die Väter eine ganz wichtige Rolle: es wieder aufzubauen. Liebe Väter, sagt eurer Frau wie wunderschön ihr sie findet, und zwar ganz ganz oft! Auch für kleine Mädchen ist es so wichtig, oft von ihrem Papa zu hören, wie hübsch sie sind.

Achtung bei Diäten

Viele Mamis machen ein paar Monate nach der Geburt Diäten oder Entschlackungskuren. Das ist natürlich nichts Schlechtes und kann dem Körper wirklich gut tun. Dass man sich während so einer Kur ganz besonders mit Gewicht und Essen beschäftigt, merken aber auch die Kinder. Oft wird das Aussehen dadurch zum Gesprächsthema: „Mama, warum ist die X so dick?“.

Passen wir gut auf, dass wir andere Menschen nicht nach Gewicht beurteilen: „Na weißt eh, die Dicke mit den dunklen Haaren“. Je kritischer wir sind, desto kritischer werden unsere Kinder sein, auch mit sich selbst.

Gutes und böses Essen?

In unserer Gesellschaft herrscht zur Zeit ein Hype um gesunde Ernährung. Oft werden dabei Lebensmittel in „gesund“ und „böse“ eingeteilt. Und das finde ich schlecht. Es kommt immer, bei jedem Lebensmittel, auf die Menge an.

Lebensmittel als schlecht zu bezeichnen, macht Angst vor dem Essen. Geben wir das unseren Kindern nicht weiter! Viel besser ist es, Kindern zu vermitteln, wie gut es uns geht. Wir haben z.B. immer, das ganze Jahr über, frisches Obst und Gemüse. Kein Mensch muss bei uns hungern: ein Privileg, das auch in unserer Zeit nicht alle Menschen auf der Erde haben.

Anstatt uns zuviel mit gesunder Ernährung zu beschäftigen, freuen wir uns und geben wir unseren Kindern Dankbarkeit darüber weiter.

Essenskampf

Ob und wie viel unsere Kinder essen, ist für jede Mutter ein wichtiges Thema. Da sind die Emotionen oft stärker als der Verstand. Isst das Kind nicht, machen wir uns Sorgen. Das ist ganz normal.

Trotzdem: Lassen wir das Thema Essen nicht zum Druckmittel der Kinder gegen uns werden! Ein Kind verhungert nicht vor dem vollen Teller. Fängt die Mama aber zum Bitten und Betteln an – „Aber jetzt iss doch was! Du hast ja noch gar nicht gegessen. Ein Löffel noch, bitte“ – merkt das Kind schnell, dass es damit die Aufmerksamkeit der Mutter bekommt und sie mit Nicht-Essen bestrafen kann.

Essstörungen vorbeugen: Genießen lassen

Lassen wir unsere Kinder bei Geburtstagsfeiern ruhig ein zweites oder drittes Stück Torte oder so viele Gummibärli essen, wie sie wollen (so genug für alle da ist). Und zwar ohne negative Kommentare: „Jetzt hast du aber wirklich schon genug. Das ist ja so ungesund.“ Im Alltag gibt es das dafür dann gar nicht.

Kochen wir zu besonderen Anlässen ein besonderes, ruhig auch „ungesundes“ Essen. Unter der Woche gibt es dann eben wieder mehr Gemüse. Um eine gute Einstellung zum Essen zu bekommen, ist es nämlich wichtig, genießen zu lernen. Ohne schlechtes Gewissen.

Auch interessant: Was tun mit Gemüsemuffeln?

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EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Thonhauser

    Ich habe Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert und bin Mutter von fünf Kindern. Ich koche leidenschaftlich gerne und beschäftige mich sich seit Jahren mit Fragen zum Thema "richtige" Ernährung. Mit meiner Familie lebe ich in Wien.


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