22. März 2016

Sind Nahrungsergänzungsmittel notwendig?

Nahrungsergänzungsmittel - meinefamilie.at

Eine gesunde und ausgewogene Lebensweise macht Arbeit. Nahrungsergänzungsmittel scheinen eine einfache Alternative zu sein. Sind sie aber wirklich notwendig?

Unser Salz ist jodiert, die Zahnpasta flouridhaltig und hinter der E-Nummer 300 – häufig zugegeben in Fleisch- und Wurstwaren, Fruchtsäften und Kindernahrungsmitteln – verbirgt sich Vitamin C. Unsere Nahrung wird also ohnehin ergänzt. Braucht es noch mehr? Die offizielle, durch wissenschaftliche Untersuchungen untermauerte, Meinung dazu ist: Nein. Für einen gesunden Menschen, der sich ausgewogen ernährt, bringen Nahrungsergänzungsmittel keinen Mehrwert.

Wofür überhaupt die Nahrung ergänzen?

Dass spezielle Personengruppen allerdings Nahrungsergänzungsmittel konsumieren sollten, ist Gang und Gäbe: Frauen, die schwanger sind oder es werden wollen, bekommen zumindest Folsäure empfohlen. Leistungsorientierte Sportler/innen wollen mit diversen Produkten ihre Ergebnisse verbessern, beispielsweise durch eine verkürzte Regenerationszeit. Und vegan essende Menschen sollten zumindest Vitamin B12 substituieren, um langfristig keine Mangelerscheinungen zu bekommen.

Ich zähle mich zu keiner dieser Personengruppen. Nahrungsergänzungsmittel nehme ich trotzdem seit einigen Jahren. Und damit bin ich nicht alleine. Angeblich greifen etwa zwei Drittel der Österreicher/innen auf diverse Präparate zurück.

Warum das? Zweifeln wir daran, uns ausgewogen zu ernähren? Vertrauen wir nicht darauf, dass wir durch die – bei uns doch ohnehin im Überfluss vorhandenen Lebensmittel – ausreichend versorgt werden können? Oder versuchen wir, durch Nahrungsergänzungsmittel diverse Krankheitswellen zu umgehen?

Das Thema polarisiert

Jeder Konsument wird andere Gründe für seine Entscheidung und seine Produktwahl haben. Viele wünschen sich auch professionellen Rat. Ich habe mich mit dem Thema erst näher auseinandergesetzt, als ich als Diätologin bei Ernährungsberatungen immer und immer wieder nach Empfehlungen bzw. Bewertungen diverser Produkte gefragt wurde. Doch auch bei Fachleuten gehen die Meinungen auseinander. Ich kenne Personen, die – auf ärztliches Anraten hin – gleich zehn verschiedene Pulver, Kapseln und Säfte konsumieren, während etwa mein eigener Hausarzt eine klare Nichtempfehlung bezüglich Nahrungsergänzung ausspricht. Das Thema polarisiert einfach.

Bekommt man keine Empfehlung, ist die Orientierung bei der enormen Auswahl an Produkten schwierig. Das Angebot ist riesig! Und die Angaben auf den Verpackungen sind gesetzlich eingeschränkt.

„Die Kennzeichnung und Aufmachung von NEM (Nahrungsergänzungsmitteln, Anm.) sowie deren Bewerbung dürfen keinen Hinweis enthalten, mit dem behauptet oder der Eindruck erweckt wird, dass bei einer ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung im Allgemeinen die Zufuhr angemessener Nährstoffmengen nicht möglich ist. Angaben wie: ‚aufgrund unserer verarmten Böden ist eine ausreichende Mineralstoffversorgung grundsätzlich nicht mehr möglich’ sind daher beim Inverkehrbringen von NEM nicht zulässig. […] NEM zeigen eine ernährungsspezifische oder physiologische Wirkung. Im Gegensatz zu Arzneimitteln dienen NEM nicht zur Heilung, Linderung oder Verhütung von menschlichen Krankheiten.“

Es verwundert mich nicht, dass ein großer Teil der Nahrungsergänzungsmittel daher über persönliche Empfehlung im Direktvertrieb an die Frau und den Mann gebracht wird. Hier ist einerseits Zeit für umfassende allgemeine Informationen, andererseits werden oft auch „Erfolgsgeschichten“ aus erster Hand geboten.

Das Ziel: Gesund und zufrieden leben

In meinem Bekanntenkreis stößt es oft auf Verwunderung, dass gerade ich Nahrungsergänzungsmittel nehme. Wo ich doch sonst so „natürlichkeitsliebend“ bin: Den Balkon mit Essbarem zupflanze, mein Mehl selbst mahle und möglichst in Bio-Qualität einkaufe. Obwohl viele Nahrungsergänzungsmittel nicht synthetisch hergestellt werden, sondern etwa einfach Pflanzenextrakte beinhalten, wirken sie auf viele Menschen „unnatürlich“. Verglichen mit dem Nahrungsangebot in einem Supermarkt, gibt es für mich persönlich da einige Lebensmittel, die ich bezüglich ihrer Natürlichkeit weiter hinten reihen würde, als so manches Nahrungsergänzungsmittel.

Egal welche Einstellung man gegenüber solchen Produkten hat, das Ziel ist doch bei den meisten Menschen das gleiche:

Alle wollen möglichst gesund und zufrieden leben. Und die unersetzbare Basis dafür ist ein gesunder Lebensstil. Also viel Bewegung, hochwertige Nahrung, ausreichend Entspannung, eine gesunde Beziehungspflege.

Darauf sollte unser Hauptaugenmerk liegen, wenn wir auf der Suche nach Gesundheit und Ausgeglichenheit sind. Ob und welches Nahrungsergänzungsmittel einem zusätzlich gut tut, muss im Endeffekt jeder für sich selbst herausfinden.

Dazu empfehle ich, sich erstmal etwas Zeit zu nehmen, um sich einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Verschiedene (qualifizierte) Meinungen einholen, Produkt-Homepages unter die Lupe nehmen und hier Verweise auf wissenschaftliche Studien suchen.

Will man ein Produkt ernsthaft testen, sollte man sich dafür schon ein paar Monate Zeit nehmen. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Medikamente, von denen man sich rasche Veränderungen erwarten kann. Sie zählen an sich zu den Lebensmitteln und ihre Verwendung entspricht somit in gewisser Weise einer Nahrungsumstellung.

Welche Vorteile können Nahrungsergänzungsmittel bringen?

Um zu beurteilen, ob das Pimpen der Ernährung einen Mehrwert bringt, muss man seinen Körper beobachten. Positive Auswirkungen könnten sein:

  • Schnelleres Wachstum und bessere Beschaffenheit von Haaren und Nägeln
  • Schöneres Hautbild
  • Weniger Müdigkeit, geringerer Kaffeekonsum
  • Verbesserte Blutwerte

Denn nur weil wir Nahrungsergänzungsmittel nicht brauchen, heißt das nicht, dass man nicht trotzdem davon profitieren kann.



EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


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