4. Dezember 2015

Obst und Gemüse im Winter


Die Alternativen zu frischem Obst und Gemüse im Winter: tiefgefroren, getrocknet, eingemacht oder lagerfähige Sorten – die Möglichkeiten im Überblick.

In meiner Küche steht eine Schüssel mit den letzten selbstgezogenen Paradeisern von unserem Balkon. Noch grün geerntet, reifen sie hier gerade zu einer stattlichen Röte nach, während sie im Freien dazu keine Chance mehr hätten. Was ich hier mache war für meine Vorfahren noch wesentlich, um auch im Winter gut mit Lebensmitteln versorgt zu sein und etwas Abwechslung zu haben. Meine Uroma wurde von ihren Enkeln oft damit aufgezogen, dass sie die Paradeiser „ausbrüte“, da sie aus Platzgründen zum Nachreifen unter dem Bett gelagert waren. Ich freue mich, dass mir solche Geschichten überliefert wurden, während ich mir ein paar rote Früchte für das Frühstück aus der Schüssel fische.

Es sind wohl die letzten Paradeiser, die ich bis zur nächsten Saison frisch essen werde. Im Winter steige ich um auf Tomatenstücke aus der Dose, Passata aus dem Glas oder auch getrocknete Exemplare.

Saisonalität, Regionalität und Vielfalt auch bei Obst und Gemüse im Winter

Ich bin davon überzeugt, dass Vielfalt und Gesundheitswert des Essens nicht sinken, wenn ich auch im Winter auf Saisonalität und Regionalität achte. Im Gegenteil: Das Zurückgreifen auf Alternativen zu importiertem Obst und Gemüse bereichert meinen Speiseplan oft enorm!

Auf Eis

Die wohl verbreitetste Alternative zu frischem Gemüse ist tiefgerorenes. Mittlerweile dürfte sich herumgesprochen haben, dass unverarbeitetes Gemüse durch die rasche Tiefkühlung oft deutlich mehr Nährstoffe enthält als frisch gekauftes, welches durch frühe Ernte, Transport, Licht im Geschäft etc. viel des potentiellen Nährstoffgehaltes einbüßt. Zugegeben: Ich halte das Angebot an unverarbeitetem Gemüse in der Tiefkühlabteilung nicht für allzu groß, aber da ich es im Sommer nicht verwende, habe ich im Winter dann schon richtig Gusto auf klassisches Mischgemüse. Auch meinem Mann und meiner Tochter kann ich momentan mit einem Teller gekochter Erbsen größte Freude bereiten.

Und für Joghurt, Müsli, Strudel oder Milchreis greife ich sehr gerne auf tiefgefrorene Beeren zurück. Da Beeren im Jahr nur sehr kurz Saison haben, ist das eine gute Möglichkeit, um sich mehr von den tollen Inhaltsstoffen dieser Früchte zu gönnen. Beeren haben zum Beispiel einen unheimlich positiven Effekt auf die Durchblutung, vor allem auch der sehr kleinen Blutgefäße. Sehr zu empfehlen also für diejenigen, die im Winter stets unter kalten Händen und Füßen leiden. Und das Schönste ist: Wer in Österreich viel in der Natur unterwegs ist, findet sicherlich Stellen, wo Ribiseln, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Co. selbst gepflückt werden können.

Getrocknet

Ebenfalls sehr empfehlenswert ist die Verwendung von getrocknetem Obst – wenn auch in Maßen, da zuckerreich – und Gemüse. Allen voran Hülsenfrüchten: Bohnen, Kichererbsen, Linsen. Bei letzteren gibt es auch Sorten, die vor dem Kochen nicht eingeweicht werden müssen und daher spontan verwendet werden können (z.B. rote Linsen). Aber auch getrocknete Steinpilze, Tomaten und Nüsse können viele Gerichte geschmacklich aufwerten. Und sowieso immer dabei sein können Kräuter aller Art.

Zu beachten: Getrocknete Kräuter besser länger mitkochen lassen, tiefgefrorene eher erst zum Schluß ins Essen geben.

Eingemacht

Ich liebe Marmelade, Röster und Mus. Doch Erdbeeren, Marillen und Co. schmecken mir roh einfach viel zu gut, als dass sie es jemals in ein Einmachglas schaffen würden. Aber zum Glück gibt es auch eine Menge Früchte, die erst durch das Kochen für uns so richtig genießbar werden. Also mache ich Quittenmus, Hollerkoch oder Hagebuttenmarmelade. Hagebutten sind echt Nährstoffgiganten! Im Winter besonders interessant: Sie übertreffen Orangen in ihrem Vitamin C-Gehalt um ein Vielfaches! Und selbst in der Stadt finden sich genug Plätze, wo gepflückt werden kann. Aber bitte auch den Vögeln etwas übrig lassen.

Wintergemüse und lagerfähige Sorten

Auch im Winter gibt es Möglichkeiten, sich selbst mit Frischgemüse zu versorgen. Asia-Salat pflücke ich nach wie vor frisch vom Balkon, sofern kein Schnee liegt, kann den ganzen Winter über Vogerlsalat geerntet werden. Aber selbst ohne eigenem Garten oder Balkon kann man sich durch Keimen-lassen von diversen Samen (Mungobohnen, Kresse, Senfkörner, Bockshornklee,…) schmackhafte Besonderheiten in der Küche schaffen.

Was der Winter sonst noch alles an Obst- und Gemüsegenüssen zu bieten hat, verrät ein Saisonkalender oder im Supermarkt auch einfach der Blick auf das Herkunftsland. Auf meiner „Will ich unbedingt kochen“-Liste stehen jedenfalls schon genug winterliche Gerichte. Da werde ich die Paradeiser kaum vermissen.



EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


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