9. August 2017

Marketing am Esstisch: Kinder zum Essen von Gemüse verführen

Kinder zum Gemüse verführen - meinefamilie.at

Der Name macht den Unterschied! Um Kinder zu gesunder Ernährung zu bewegen, kann schon eine andere Bezeichnung des Essens helfen.

Wir alle wollen, dass sich unsere Kinder gesund ernähren. Doch oft berichten die Eltern von frustrierenden Bemühungen ihren Kindern Gemüse schmackhaft zu machen: „Ich mag das nicht, ich will kein so langweiliges Gemüse!“, war die Antwort.

Findige amerikanische Forscher kamen auf eine geniale Idee:

Wenn die zu ungesunden Nahrungsmitteln verführenden Konzerne mit ihren Marketing-Strategien so großen Erfolg bei Kindern haben, könnte man doch auch zu Hause oder in der Schule sprachliches Marketing betreiben.

Sie gaben den einzelnen Gemüsearten auf dem Teller neue, kindgerecht attraktive Namen und machten gute Erfahrungen.

Die Forschergruppe bereicherte die Mittagsmahlzeit von 150 acht- bis elfjährigen Kindern auch mit Karotten im Angebot, genannt das Gericht des Tages. Sobald sie diesen Namen änderten in „Röntgenblick-Karotten“ – wegen des potentiell verbesserten Augenlichts durch das Vitamin A – wählten doppelt so viele der Kids dieses Gericht. Der coole Name hatte sie zum gesunden Essen verführen können.

“Röntgenblick-Karotten” und “Superfaust-Broccoli”

Deutlich bestärkt in ihrer Vermutung durch die erfreulichen Ergebnisse konnten die Forscher in einer weiteren Studie gleich zwei ganze Schulen mit insgesamt 1500 Schülern für das Experiment gewinnen.

Im ersten Monat gab es gezielt jeden Tag auch Karotten, Broccoli und grüne Bohnen ohne weitere Kennzeichnung. Im nächsten Monat startete das Veggie-Marketing. Dasselbe angebotene Gemüse hieß nun z.B. wie schon in der ersten Studie „Röntgenblick-Karotten“, „Superfaust-Broccoli“ oder „kleine, leckere Baumkrönchen“ bzw. „“verrückte grüne Bohnen“.
Wieder gab es ein gigantisches Ergebnis: Die Forscher zählten nahezu hundert Prozent Steigerung bei den „gelabelten“ Gemüse-Variante im zweiten Monat im Vergleich zu vorher.

Effekt bei Kindern und Erwachsenen

Übrigens gab es bereits 2005 eine ähnliche Studie mit Erwachsenen. Da hieß das Fischgericht auf einmal „zartes Fischfilet“ oder die Zucchini-Taler hießen „Großmutters Zucchini-Taler“. Folge: Die Gäste sprachen plötzlich von einem größeren Geschmacks-Erlebnis.

Fazit: Nicht nur das Auge isst mit, sondern auch das Ohr.

Es kann zumindest einen Versuch wert sein, sich je nach Vorlieben der Kinder „coole“ Namen für Gemüse – oder auch Obst – auszudenken und auszuprobieren, ob dann vielleicht auch Kraft-Spinat, Prinzessinnen-Erbsen und „kleine weiße Baumkronen“ (Karfiol) öfter den Tisch schmücken.

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