6. Juni 2016

Ist Kaffee in der Schwangerschaft bedenklich?

Kaffee in der Schwangerschaft - meinefamilie.at

Kaffee ist auch in Schwangerschaft und Stillzeit ein beliebter Muntermacher – sofern der Gusto nicht vergangen ist. Gibt es gesundheitliche Bedenken? Kann das Koffein dem Kind schaden? Wie bei jeder Arznei macht die Dosis das Gift.

Es gibt Tage, die könnten um 14 Uhr schon wieder zu Ende sein. Die Kinder sind quengelig, der Zustand der Wohnung entspricht einer einzigen To-Do-Liste und die beruflichen Tätigkeiten, die erledigt werden wollen, spuken in meinem Kopf herum. Trotz besten Bemühens ist am frühen Nachmittag aber oft nur eines erledigt: ich selbst!

Da der Tag dann noch lang ist und die ersehnte Ruhe in weiter Ferne, gibt es für mich nur eine Lösung: Kaffee. MIT Koffein versteht sich. Koffein wurde zwar mittlerweile von der Dopingliste gestrichen, wirken tut es aber allemal.

Nachdem mich der heiße Muntermacher erfolgreich durch mein Studium begleitet und mir in den Arbeitspausen Gesellschaft geleistet hat, bin ich ihm auch in Schwangerschaft und jetzt in der Stillzeit treu geblieben. Doch ist das klug? Häufig merke ich, dass Frauen versuchen, in dieser Lebensphase auf Kaffee zu verzichten – oder zumindest bemüht sind, Kaffee nur in der ersten Tageshälfte zu trinken. Da ich hingegen ohne zu überlegen auch um 21 Uhr noch zu einer Tasse greife, wird es höchste Zeit, das beliebte Getränk einmal unter die Lupe zu nehmen.

Kaffee ist bestens untersucht

Ich finde heraus: Kaffee ist eines der populärsten und am besten untersuchten Lebensmittel überhaupt. Jedes Jahr werden mehrere hundert wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die sich mit den gesundheitlichen Wirkungen von Kaffee beschäftigen. Denn sein Ruf ist nicht der allerbeste. Kaffee galt viele Jahre lang in den Fachkreisen als Flüssigkeits- und Mineralstoffräuber, der zudem abhängig mache.

Dabei war Kaffee, als er in Europa als Konsumgut aufkam, nur als Arzneimittel in Apotheken erhältlich. Die Liste seiner gesundheitliche Vorzüge war lang: Er helfe der Verdauung, beschleunige das Denkvermögen und lindere Husten, Kopfschmerzen und Wassersucht. Außerdem mache er „das Herz leicht“. Doch – wie bei jeder Arznei – macht die Dosis das Gift. Übermäßiger Kaffeekonsum könne zu Schwindel, Abmagerung, Schlafstörungen und zeitweiliger Melancholie führen.

Kaffee in der Schwangerschaft und Stillzeit - meinefamilie.at
Bohnen mit heller und mittlerer Röstung sind gesünder.

Gesundheitsfördernde Effekte von Kaffee

Wurde Kaffee später aufgrund des enthaltenen Koffeins (welches als Alkaloid in hohen Dosen giftig ist) für ein in einer gesunden Ernährung verzichtbares Genussgut gehalten, häufen sich mittlerweile Studien, in denen nach gesundheitsfördernde Effekten gesucht wird. Und man wird teilweise fündig. Präventiv könnte Kaffee etwa eine schützende Wirkung vor Diabetes Typ 2, Alzheimer oder Parkinson haben.

Für den Gesundheitsnutzen des Getränks spielen vor allem das Koffein sowie die enthaltenen Antioxidantien eine große Rolle. Da Kaffee ein reines Naturprodukt ist, enthält er eine Vielzahl von Inhaltsstoffen. Mehr als 1.000 unterschiedliche Substanzen wurden im Kaffee nachgewiesen. Etliche sind bislang aber noch nicht ausreichend bekannt und untersucht. Wie auch Obst und Gemüse enthält Kaffee jedenfalls Antioxidantien, die für unsere Gesundheit von zentraler Bedeutung sind. Bohnen mit heller und mittlerer Röstung wirken stärker antioxidativ als dunkle und sind vorzuziehen.

Das Koffein im Kaffee

Bereits recht gut erforscht ist das Koffein. Es stimuliert das zentrale Nervensystem und beeinflusst so viele Körperfunktionen. Koffein steigert Blutdruck und Körpertemperatur, erweitert Blutgefäße und Bronchien, stimuliert die Muskeltätigkeit, regt die Verdauung an und fördert die Wasserausscheidung. Auch Stimmung, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit sowie die geistige Leistungsfähigkeit werden durch Koffein gefördert, da es die Reizverarbeitung beschleunigt.

Koffein kann jedoch – ebenso wie Alkohol – die Plazentaschranke ungehindert passieren. Auch in die Muttermilch geht es zum Teil über.

Da beim Säugling die Leber noch nicht vollständig ausgebildet ist, braucht der kindliche Körper zum Abbau des Koffeins deutlich mehr Zeit als der Erwachsene.

Das konsumierte Koffein wird innerhalb von 45 Minuten in den Blutkreislauf aufgenommen und beginnt zu wirken. Wie lang die Wirkung anhält, ist unterschiedlich. Bei Jugendlichen und Erwachsenen beträgt die Halbwertszeit des Koffeins im Plasma 2,5 bis 5 Stunden. Es sei denn, sie rauchen, dann wird das Koffein schneller abgebaut. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann das Koffein hingegen über 100 Stunden wirken.

Kein Gusto auf Kaffee in der Schwangerschaft

Damit Babys von der Koffeinwirkung nicht überfordert werden, hat die Natur scheinbar vorgesorgt: In der Schwangerschaft kann die Halbwertszeit des Koffeins auch auf ca. 15 Stunden erhöht sein. Das bedeutet, dass der aufmunternde Effekt dadurch länger anhält und die Frauen möglicherweise seltener auf koffeinhaltige Getränke zurückgreifen.

Zudem geht der Gusto auf Kaffee in der Schwangerschaft oftmals stark zurück. Manche Frauen verspüren regelrecht Ekel vor ihm. Wer allerdings Sehnsucht nach Kaffee hat – oder wer wie ich ohne Kaffee den Großteil der Schwangerschaft schlichtweg verschlafen würde – kann aber beruhigt sein:

Die zahlreichen bisherigen Forschungen legen den Schluss nahe, dass zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag in der Schwangerschaft zu keiner Schädigung des Kindes führen.

Und auch in der Stillzeit sollte die hier empfohlene Höchstmenge das Schlafverhalten des Kindes nicht negativ beeinflussen.

Ich werde also auch den Rest der Stillzeit meine Leistungsfähigkeit guten Gewissens mit einer Tasse Kaffee fördern, wenn es notwendig ist. Doch wer häufig müde und erschöpft ist, sollte natürlich vor allem darauf achten, mehr Schlaf zu bekommen und gegebenenfalls auch einen Nährstoffmangel (z.B. an Eisen) austesten lassen.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at