25. Mai 2016

Gesunde Ernährung – angstfrei und entspannt

Gesunde Ernährung angstfrei entspannt - meinefamilie.at

Wenn Katharina Thonhauser mit ihrem Vortrag eines bewirken möchte, dann Eltern die Sorgen um gesunde Ernährung zu nehmen. Letztlich gebe es weder gesunde noch ungesunde Lebensmittel, kein Richtung und kein Falsch – es komme auf das Maß an.

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Katharina Thonhauser beim Elternbrunch

Vier Gedanken gab Lebensmitteltechnologin Katharina Thonhauser den Mamas beim meinefamilie.at-Elternbrunch am 24. Mai mit, um entspannter mit dem Thema Ernährung umzugehen. Als fünffache Mutter weiß sie: „Wenn es um unsere Kinder geht, werden wir einfach emotional. Wir wollen das Beste für unser Kinder.“

In Zeiten des Lebensmittelüberflusses mit immenser Auswahl an Produkten gebe es auch zahlreiche Mythen rund um die Ernährung. „Wir sind in der privilegierten Situation, so viel zu essen haben. Gleichzeitig gibt es große Unsicherheit.“ Bei Eigenrecherche im Internet empfiehlt sie, mehrere Quellen heranzuziehen, da falsche Informationen verbreitet werden: „Es ist schade, wenn Ängste verbreitet werden, denn Ängste machen unfrei.“ Wenn Zucker beispielsweise als „böse“ angesehen wird, weil er keine Vitamine enthält, ist das fraglich: „Es stimmt, Zucker enthält keine Vitamine, aber Zucker ist ein Süßungsmittel!“ Thonhauser betont:

„Es ist die Menge, nicht die Sache an sich.“ Nicht der Zucker ist schlecht, aber das Ausmaß an Zucker, das wir essen.

#1 Kein Perfektionismus in Ernährungsfragen

Thonhauser warnt besonders Mamas vor Perfektionismus in Ernährungsfragen, denn die Antworten darauf verändern sich. In der Ernährungspyramide waren beispielsweise lange Kohlenhydrate in der untersten Ebene, am meisten sollten wir also Nudeln, Reis, Müsli, Brot & Co. essen. In der neuesten Version haben Getränke den größten Stellenwert, dann folgen Obst und Gemüse – auf Kohlenhydrate wird nicht mehr so viel Wert gelegt. „Und die Ernährungspyramide wird sich wieder verändern!“, betont Thonhauser. Angestrebte Ernährungsideale könnten in wenigen Jahren anders ausschauen. Zudem haben Menschen in unterschiedlichen Situationen auch unterschiedliche Bedürfnisse, ein Inuit braucht andere Ernährung als ein Sizilianer. „Ich glaube, es ist gut, sich Gedanken über gesunde Ernährung zu machen, aber es gibt kein Richtig und Falsch“, fasst Thonhauser zusammen.

#2 Positive Einstellung zum Essen haben

Durch den heutigen Überfluss an Lebensmitteln und den Einfluss von Schönheitsidealen hat Essen oft einen negativen Beigeschmack. Die Lebenserwartung liegt in Österreich bei 81 Jahren und ist damit um 26 Jahre höher als den ärmsten Ländern der Erde, wo Hunger Alltag ist. Mütter, die unruhig werden, sobald ihr Kind die zweite Hälfte vom Krapfen isst, vermitteln ihrem Kind unbewusst, dass Essen etwas Schlechtes ist – und bereiten den Boden für Essstörungen. Thonhauser: „Es ist wichtig, unseren Kindern mitzugeben: Essen ist nichts Böses und wir dürfen dankbar sein.“

#3 Vielfalt beim Essen

„Je einseitiger man sich ernährt, desto schwerer ist es, die Vielfalt an Nährstoffen aufzunehmen, die wir brauchen.“

Am gesündesten sei, viel Verschiedenes zu essen. „Es ist gut, beim Essen immer wieder Neues anzubieten. Geschmäcker verändern sich“, sagt Thonhauser. Ein Vater erzählt von der Essgewohnheit seiner Tochter, das Frühstück zu verweigern und in der Früh drei Löffel puren Kakao zu essen. Grund zur Sorge? Thonhauser beruhigt: „Ein Kind, das sich normal ernährt, verträgt auch Süßigkeiten besser.“ Wenn die Tochter den Rest des Tages normal isst, muss auch das ungewöhnliche Frühstück nicht überbewertet werden.

#4 Ungesundes manchmal zulassen

„Zur Erfahrung gehört auch dazu, dass mir schlecht ist, wenn ich zu viel Süßes esse“, meint Thonhauser. Ein Faschingsfest oder Geburtstag sei ein guter Anlass, die Kinder ungehemmt naschen zu lassen, denn: „Nicht jeden Tag, aber hin und wieder macht das überhaupt nichts.“

Zu diesem Punkt betont Thonhauser auch die Gelassenheit, die Mütter haben dürfen, denn Mutter zu sein sei oft einfach anstrengend. „Wenn man für die große Tochter noch das Faschingskostüm fertignähen muss und für die kleine Tochter die Laterne fertig basteln soll, in zwei Tagen die Regel bekommt und unausstehlich ist, dann ist nicht der richtige Moment, mit dem Brotbacken anzufangen. Das sind die Momente, in denen man die Fertigpizza in den Ofen schiebt.“

Wenn Kinder „schlechte Esser“ sind

Eine Mama erzählt besorgt: „Mein Sohn ist ein schlechter Esser, er möchte oft gar nichts essen.“ Katharina Thonhauser verweist auf das gesunde Bauchgefühl der Eltern: „Wenn Sie grundsätzlich das Gefühl haben, dass es dem Kind gut geht, brauchen Sie sich nicht so viele Sorgen machen.“ Schon gar nicht, wenn auch der Kinderarzt keine Bedenken hat, denn: „Vor einem vollen Teller verhungert man nicht“.

Kinder wissen selbst am besten, wie viel sie zu essen brauchen.

Das heißt nicht, ihnen drei Tafeln Schokolade bedenkenlos vorzusetzen. Bei „normalen“ Speisen aber dürfen Eltern auf das Hungergefühl der Kinder vertrauen.

Hunger ist der beste Koch

Gesunde Ernährung Elternbrunch - meinefamilie.at
Frühstücksbuffet beim Elternbrunch

Thonhauser beobachtet bei allem Lebensmittelüberfluss auch die Gewohnheit, ständig zu essen: „Kinder snacken die ganze Zeit.“ Natürlich gebe es Situationen, in denen es sinnvoll sei, Kinder mit Essen ruhig zu stellen. Doch: „Wenn das Kind den ganzen Vormittag essen darf und weiß, eine Stunde nach dem Mittagessen bekommt es wieder etwas, braucht es zu Mittag nicht das Gemüse kosten.“ Um Kinder auch an neue Gerichte heranzuführen und dafür zu sorgen, dass sie essen, was Mama kocht, hilft Hunger – auch wenn Kinder aufgrund ihres schnelleren Stoffwechsels Zwischenmahlzeiten brauchen.

Die Gründe für Essensverweigerung können auch fernab des Magens liegen, erklärt Thonhauser: „Kinder spüren, dass sie beim Thema Essen Druck ausüben können.“ Je entspannter die Mama beim Thema ist, je weniger Aufmerksamkeit das Kind durch das Essen bekommt, desto unkomplizierter kann es funktionieren.

Für den gelassenen Zugang zur Ernährung spricht für Thonhauser auch ein anderes Argument. „Es ist gut, sich um bewusste Ernährung zu bemühen, es ist aber nicht das Wichtigste“, sagt sie, denn weltbewegende Menschen wie beispielsweise Mutter Teresa haben sich wohl nicht viele Gedanken über bewusste Ernährung gemacht. „Wenn ich mich darum drehe, wie ich esse, drehe ich mich um mich selbst.“

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